Auf der Suche nach Eisbären für die Zoos der USA

3. März 2012

Der Saint Louis Zoological Park wurde 1904 gegründet und gehört dem Metropolitan Zoological Park and Museum District der Stadt. Er wird aus den Steuereinnahmen der Stadt finanziert, deshalb muss man keinen Eintritt bezahlen, wenn man ihn besucht. Die Bärenanlage wurden 1920 errichtet und waren eine der ersten Anlagen in den USA, die durch Wasser- oder Trockengräben begrenzt waren, sodass man die Tiere ohne Gitter beobachten konnte. Hier lebten bis 2009 auch die Eisbären des Zoos.

The St. Louis Zoological Park was founded in 1904 and is owned by the city’s Metropolitan Zoological Park and Museum District.  It is financed by tax revenues from the city, so you haven’t to pay an entrance fee to get in.  The bear enclosure was built in 1920 and was one of the first facilities, surrounded by water or dry ditches in the United States, so you could watch the animals without bars.  The zoos polar bears lived here until 2009.

Am 28. März 2009 starb die letzte Eisbärin des Zoos, Hope, an Leberkrebs und damit endete die Eisbärenhaltung in Saint Louis. Hope wurde am 24. November 1985 in Cleveland geboren und kam am 5. Juni 1986 zusammen mit ihrer Wurfschwester Penny in den Zoo. Penny starb im Juni 2005 an einer Entzündung der Gebärmutter, die durch tote Föten hervorgerufen wurde. 1986 lebte in Saint Louis der eineinhalb Jahre alte männliche Eisbär Frosty. Er zog im April 1991 nach Omaha. Penny und Hope erhielten im selben Jahr Gesellschaft von Churchill, einem vier Jahre alten Eisbären aus Omaha. Er starb im Mai 2005. Er hatte ein Tuch gefressen, das Besucher in sein Gehege geworfen hatten und überlebte die dadurch notwendig gewordene Operation nicht. Der Tod der beiden Eisbären innerhalb von nur fünf Wochen, führte zu einer gerichtlichen Untersuchung. 2007 wurde der Zoo deshalb zu einer Strafe von 7.500 Dollar verurteilt (5.600 Euro). 1997 brachte Hope Jungtiere zur Welt, 2000 und 2001 Penny, aber keines der Jungtiere überlebte.

On March 28, 2009, the last zoo polar bear, Hope, died of liver cancer, thus ending polar bear keeping in St. Louis.  Hope was born onNovember 24, 1985 in Cleveland and came to the zoo, together with her littermate Penny, in June 5, 1986 .  Penny died in June 2005, of an infection of the uterus, caused by dead fetuses.  1986 a 1½-year old male Frosty lived in St. Louis. He was moved  to Omaha in April 1991. In the same year Penny and Hope got company from Churchill, a 4-year-old male who came from Omaha.  He died in May 2005.  He had eaten a piece of cloth, thrown into his exhibit by a visitor, and did not survive survery to remove it.  The deaths of the two polar bears within five weeks of each other led to an official inquiry.  In 2007, the zoo was fined $7500 (5600€).  In 1997 Hope gave birth to cubs, and in 2000 and 2001, so did Penny.  None survived.

Foto: Hope von Michael Abbene, St. Louis Zoo

Man will in Saint Louis wieder Eisbären halten und einen Entwurf für eine neue Eisbärenanlage mit Eishöhle für die Eisbären und Unterwassersicht für die Zoobesucher gibt es auch schon. Auch die Finanzierung des mit 20 Mio $ (15 Mio Euro) veranlagten Projektes scheint festzustehen. Die neue Anlage könnte 2015 eröffnet werden. Das Problem ist, woher die Eisbären für die Anlage kommen sollen.

They want to keep polar bears once again in St. Louis and have plans for a new polar bear exhibit, with an ice cave for the bears and underwater viewing for zoo visitors.  The financing of the $20 million (€15 million) seems to be in place.  The new enclosure could be opened in 2015.  The problem is finding polar bears for the new facility. 

Bereits im Oktober 2011 wendete sich der Kongressabgeordnete von Saint Louis, William Lacy Clay, zusammen mit drei weiteren Abgeordneten an den Innenminister der USA, Ken Salazar, mit der Bitte, es Zoos in den USA zu ermöglichen Eisbären aus Kanada zu importieren. Seit 2008 stehen die Eisbären unter dem Schutz des Endangered Species Act, da ihr Lebensraum durch den Klimawandel bedroht ist. Dies führt zusammen mit den Bestimmungen des Marine Mammal Protection Acts dazu, dass für Zoos in den USA die Einfuhr von in der Wildnis eingefangenen Eisbären verboten ist.

In October 2011, St. Louis Congressman William Lacy Clay, along with three other members, asked Ken Salazar of the US Department of the Interior, to allow zoos in the US to import polar bears from Canada.  Since 2008, polar bears have been protected under the Endangered Species Act because their habitat is threatened by climate change.  This, together with provisions of the Marine Mammal Protection Act, prohibits US importation of polar bears captured in the wild.

Foto: Penny von Chuck Dresner,  St. Louis Zoo

Am 29. Februar 2012, dem Mittwoch nach dem International Polar Bear Day am 27. Februar, trafen sich der Direktor des Saint Louis Zoos Dr. Jeffrey Bonner, der Geschäftsführer von Polar Bear International, Robert Buchanan, und kanadische Diplomaten mit Mitgliedern des Kongresses in Washington, um auf die Notlage der Eisbären und die wichtige Rolle aufmerksam zu machen, die die zoologischen Gärten beim Erhalt der bedrohten Spezies einnehmen. Ihr Ziel war es, eine Gesetzesänderung zu veranlassen, die es möglich macht, dass Eisbären aus der Wildnis von Zoos der USA wieder eingeführt werden können.

On February 29, 2012 (the Wednesday after International Polar Bear Day on February 27), the Director of the St. Louis Zoo, Dr. Jeffrey Bonner, Polar Bears International President Robert Buchanan, and Canadian diplomats, met with members of the US Congress in Washington, to raise awareness of the plight of polar bears in the wild and to highlight the role of zoos in preserving endangered species.  The goal was to initiate a change in the law that would make it possible for bears from the wild to be reintroduced in US zoos.

Foto: Eisbärin in Churchill 2011 von Ebe

„Die Krise steht unmittelbar bevor“, sagte Robert Buchanan in einem Interview. „Ich wollte, dass die Kongressmitglieder verstehen, wie ernst die Lage für die Eisbären ist. Die Anzahl der Tage ohne Eis steigt weiter und die Wissenschaftler sind sich einig, dass wir als Folge davon im kommenden Jahr wahrscheinlich mehr verlassene, verwaiste Jungtiere und hungernde, heranwachsende Eisbären sehen werden.“ Die Folgen des abnehmenden Meereises konnte man schon im vergangenen Jahr in verschiedenen Regionen der Arktis beobachten, wo es zu mehr Kontakten zwischen Mensch und Eisbär kam, die oft tödlich für die Eisbären endeten. Am deutlichsten wird man sie im Westen der Hudson Bay in der kanadischen Provinz Manitoba zu spüren bekommen. Buchanan führte weiter aus, dass „Obwohl kanadischen Einrichtungen wahrscheinlich in der Lage sind, solche Bären zunächst aufzunehmen, die Kapazitätsgrenzen bald überschritten werden. Wir müssen erkennen, wie wichtig alle nordamerikanischen Zoos bei der Bekämpfung dieses Problems sind. Zoos verstehen sich heute als Zentren für die Arterhaltung. Sie sind nicht mehr nur Orte für Unterhaltung, und sie werden zweifellos eine Rolle spielen für Erhaltung der Eisbären. „

“The crisis is imminent,”  said Robert Buchanan. “I wanted them [Congress] to understand just how dire the situation is for the polar bear.  The number of days without ice continues to increase and scientists agree that we are likely to see more abandoned/orphaned cubs and starving adult/sub-adult polar bears in the coming year as a consequence …. While Canadian facilities will likely be able to handle such bears initially, capacity limitations would soon be exceeded. We need to recognize how important all North American zoos are in combating this problem.  Zoos have emerged as conservation centers. They are no longer just places for entertainment and they will most undoubtedly play a role for polar bear conservation.”

Foto: Eisbärin mit Jungtieren 2011 in Manitoba von Emma Bishop

In 34 Zoos in den Vereinigten Staaten von Amerika können Zoobesucher im Augenblick Eisbären anschauen. Einige Zoos bauen ihre Eisbärenanlagen um, wie der North Carolina Zoo in Maryland und der Hogle Zoo in Salt Lake City. Im letzteren wird die neue Eisbärenanlage noch in diesem Jahr eröffnet werden. Die 14 Jahre alte Eisbärin Rizzo, die im Augenblick im Zoo von Cincinnati untergebracht ist, wird als erste Bewohnerin in die „Rocky Shores“ einziehen.

There are currently 34 zoos in the US, where polar bears can be seen.  Some zoos, such as the North Carolina Zoo in Maryland, and the Hogle Zoo in Salt Lake City, are expanding their polar bear enclosures.  In Salt Lake City, the new polar bear enclosure will be opened later this year.  14-year-old Rizzo, currently housed at the Cincinnati Zoo, will be the first resident at „Rocky Shores“.

Foto: Rizzo von Molly Merrow

Quellen – Sources:

http://newswatch.nationalgeographic.com/2012/03/03/st-louis-zoo-polar-bears-international-spearheading-effort-to-bring-arctic-polar-bears-to-us-facilities/

http://www.edmontonjournal.com/Polar+bears+Canada+next+export/6248453/story.html

http://www.stltoday.com/news/local/govt-and-politics/rep-clay-st-louis-zoo-working-to-allow-imports-of/article_d0dce165-b71b-5cb9-ba71-d971035d1450.html

http://www.canadapolarbears.com/news/st-louis-zoo-wants-to-import-new-polar-bears-800652229

http://www.ksl.com/?nid=148&sid=19343087

Endangered Species Act

3 Antworten zu “Auf der Suche nach Eisbären für die Zoos der USA

  1. eisbärwaisen kann man doch an einer hand abzählen,
    ich kapier das nicht so ganz.
    hier die warten auch auf eisbärwaisen.
    http://www.winnipegfreepress.com/local/Black-bear-cub-the-first-patient-at-new-polar-bear-centre-140203323.html
    ich seh noch keine invasion von waisenkindern, weder in kanada,rußland noch in der hudson bay,, im moment.
    wenn es so kommt ist es wohl schon sehr .sehr spät für den könig der arktis.
    das die haltungsbedingungen bei diesem szenario für den eisbären wohl mehr als nur ausreichend seien sollten ,versteht sich wohl ja von selbst.
    und eine einfuhr von zoo-bären zu verbieten oder sie mal auszutauschen finde ich schon ein sehr komisches gesetzt.
    ein zoo – eisbär ist doch kein wildbär.
    und die optimalen unterbringungen für seine tiere zu prüfen ist doch wohl eine selbstverständlichkeit.
    l.g.martina

  2. Sollte es wirklich zu einer Gesetzesaenderung kommen und kanadische Eisbaeren „ausgefuehrt“ werden duerfen, so hoffe ich sehr stark, dass man GANZ GENAU ueberprueft, wo diese Eisbaeren hinkommen und dass man sich jederzeit das Recht einraeumt, die Haltungsbedingungen zu ueberpruefen und gegebenfalls die Baeren wieder zuerueckzuholen!

    • Hallo Christa,

      ich gebe dir recht, man muss genau hinschauen in welche Einrichtung man ein Tier gibt, egal ob es in einem Zoo geboren wurde oder in der Wildnis eingefangen wurde und das gilt nicht nur für Eisbären.

      Aber das ist nicht der Grund der Tatsache, dass keine Eisbären in die USA eingeführt werden können. (Die Ausfuhr aus Kanada ist nicht verboten.) Es wäre ja auch eher die Aufgabe der kanadischen Behörden, zu verhindern, dass Tiere in ungeeignete Haltungen kommen. Das Einfuhrverbot ist ein Nebeneffekt der Tatsache, dass die Eisbären in den USA auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt worden sind. Ein Effekt, den viele von denen, die sich für den Schutz der Tiere eingesetzt haben, sicher nicht gewollt haben. Man sollte für zoologische Einrichtungen Ausnahmen ermöglichen, wenn sie eine tiergerechte Unterbringung der Eisbären sicher stellen. Das wird auch in den USA von der Zooorganisation AZA überwacht und ähnlich wie in den EAZA Zoos erhalten nur Zoos neue Eisbären, wenn ihre Anlagen bestimmte Anforderungen erfüllen. Und natürlich sollen nicht Tiere für die Zoos eingefangen werden, sondern es soll nur dann geschehen, wenn man den Eisbären nicht anders helfen konnte. Ein Leben in der Wildnis ist sicher die beste Lösung. Der Sinn der Regelung, Handel mit geschützten Wildtieren unmöglich zu machen, ist sicher ein gutes und wichtiges Ziel.

      Die neuen Anlagen in vielen Zoos der USA sind mindestens genauso gut, wie die in kanadischen Zoos.

      Ich weiß nicht, ob der Geschäftsführer von Polar Bears International Recht hat mit seinem Bild, dass er von der Zukunft der Eisbären in Manitoba an die Wand malt. In den vergangenen Jahren sind zwar mehr Kontakte zwischen Eisbär und Mensch vorgekommen, aber nicht mehr verwaiste Jungtiere aufgegriffen worden als früher weder in Nordamerika noch in Russland. Doch wenn er Recht hat, dann ist es wichtig, dass es möglichst viele gute Einrichtungen gibt, in denen Eisbären aufgenommen werden können und es wäre schade, wenn Gesetze, die die Eisbären schützen sollen, verhindern, dass sie dort hin kommen können.

      LG nach Kanada

      Ulli

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