Aywaille: Ein aufregender Zoobesuch

Aywaille, 5. Mai 2012

Wir hatten auf der Facebookseite der Monde Sauvage Safari gelesen, dass seit dem 30. April 2012 Rocky das Außengehege der Eisbärenanlage mit Blanche und Qannik teilt. Das ist kein risikoloses Unterfangen, denn schließlich ist Qannik gerade erst knapp eineinhalb Jahre alt und da erscheint es recht früh, sie mit ihrem Vater zu vergesellschaften. In der Natur würde ihre Mutter noch das Weite suchen, wenn sie einem männlichen Eisbären begegnen würde, egal ob es der Vater ihres Jungtiers wäre oder nicht. So nutzten wir die erste Gelegenheit, um uns mit eigenen Augen zu überzeugen, was denn da im Eisbärengehege in Aywaille los ist.

We had read on Facebook page of the Monde Sauvage Safari that since April 30, 2012, Rocky had been sharing the enclosure with Blanche and Qannik.  This not a risk-free experiment.  After all, Qannik is just one and a half years old, and it seems pretty early to integrate her with her father.  In Nature, her mother would want to get away, should they encounter a male polar bear, whether he was the father of the cub or not.  So we took the first opportunity to see for ourselves, what is going on in the polar bear enclosure at Aywaille.

Eisbären Blanche und Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Ich hatte schon im Internet nachgefragt, ob es denn ein Foto mit allen drei Eisbären gebe, und darauf die Antwort erhalten, dass das nicht möglich sei, weil Blanche sich sehr beschützend verhielte und dafür sorge, dass Rocky stets einen respektvollen Abstand zu seiner Tochter einhalte. Und auch mir ist es nicht gelungen, ein solches Foto zu machen, was allerdings auch daran lag, dass ich jedes Mal, wenn Qannik sich ihrem Vater näherte und Blanche, die Situation in ihrem Sinn regelte, zu angespannt war, um im richtigen Augenblick auf den Auslöser der Kamera zu drücken.

I had asked on the internet, if there was a photo of all three bears together, and was given the answer that this was not possible since Blanche would be very protective of her daughter and that Rocky would always keep a respectful distance from her. I wasn’t also able to take such a photo because every time Qannik approached her father and Blanche started to defuse the situation in her sense, I was always too tensed so that I couldn’t press the shutter release of the camera at the right moment.

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille
Wer glaubt, dass Rocky ein Macho ist, der das Gehege beherrscht, der irrt. Rocky ist der jenige der drei Eisbären, der in der Situation am stärksten verstört ist. Blanche kontrolliert die Situation, routiniert und selbstbewusst.

Anyone who believes that Rocky is a macho type of guy, dominating his enclosure, is wrong.  Of the three, Rocky is the one who is most disturbed.  Blanche controlled the situation, in a very expert and confident manner.

Eisbärin Blanche in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Die beiden erwachsenen Eisbären hatten das Gehege in zwei Bereiche eingeteilt, die jeweils einer von ihnen „nutzen“ durfte, die so gewählt waren, dass sie einen möglichst großen Abstand zu einander einhalten konnten. Blanche hielt sich mit Qannik meist in der linken unteren Ecke der Anlage (gesehen aus der Sicht des Zoobesuchers) am Rand des Wasserbeckens auf. Rocky in der rechten oberen Ecke, im Bereich vor den Eingängen zu den Innengehegen. Blanche war zwar sehr aufmerksam und beobachtete genau, was Rocky, aber auch ihre Tochter Qannik machten, wirkte aber nicht sehr aufgeregt. Meist spielte sie mit ihrer Tochter Qannik oder beobachtete am Becken liegend ihr Spiel, genauso wie sie es schon bei unserem letzten Besuch Anfang März 2012 gemacht hatte.

The two adult polar bears had divided the enclosure into two areas, for each others’ use.  These were chosen so that they could observe the greatest possible distance from each other.  Blanche was keeping Qannik mostly in the lower left corner of the exhibit (from the perspective of zoo visitors), at the edge of the pool.  Rocky was in the upper right corner, in front of the entrances to the indoor facilities.  Blanche was very doting and vigilant around Rocky and also watched what her daughter was up to.  Mostly she just played with her daughter Qannik or lay supervising as the cub played in the pool, watching the games, just as she had done it on our last visit in early March 2012.

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Rocky war in Gegensatz dazu recht nervös. Er lief aufgeregt in seinem Bereich der Anlage hin- und her und legte sich nur selten hin. Er unternahm keinen Versuch sich den beiden Eisbärinnen zu nähern, sondern achtete stets darauf den Abstand zu wahren. Seine Bewegungen waren nicht stereotyp, er suchte stets neue Wege, aber er wirkte verunsichert.

In contrast, Rocky was very edgy.  He ran excitedly back and forth in his part of the enclosure and lay down only very rarely.  He made no attempt to approach the two females and did his best to avoid them.  His movements were not stereotypical.  He constantly was moving in new ways, and he seemed uncertain.

Eisbären Blanche und Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Qannik war vollständig unbeeindruckt davon, dass nun ihr Vater zusammen mit ihr draußen auf der Anlage war. Sie war die jenige die, die Aufteilung der Anlage, die die erwachsenen Tiere gewählt hatten, immer wieder durchbrach. Sie suchte von Zeit zu Zeit vorsichtig die Nähe zu ihrem Vater. Sie ging langsam auf ihn zu, mit vorgestreckter Schnauze und stets bereit wieder das Weite zu suchen. Rocky reagierte meist sofort, wenn sie seinen „Bereich“ betrat, setzte ihr nach und brachte sie so, dazu zurückzuweichen. Blanche mischte sich stets sofort ein. Mit geöffnetem Mund und Schnauben rannte sie schnell auf Rocky zu und drängte ihn so, wieder zurück zu weichen. Beide Eisbären standen mit geöffnetem Maul voreinander – Blanche mit den Kopf nach oben drohend, Rocky den Kopf mit geöffnetem Maul bis auf den Boden gesenkt. Nachdem sie Rocky in seinen Bereich zurückgedrängt hatte, zog sich Blanche stets sofort wieder an den Rand des Wasserbeckens zurück.

Qannik was completely unfazed by the fact that her father was now with her in the outside exhibit.  It was she who repeatedly broke through the invisible barrier.  Time and time again, she approached carefully to her father. She walked slowly toward him, her nose reaching out, and was always ready to go on the run. Rocky responded almost immediately when she entered his “zone” and lead her back away. Blanche always intervened immediately. With an open mouth, she huffed and ran quickly toward Rocky, to urge him gently to retreat. The two polar bears stood with their mouths open, Blanche with her head up in a domineering way, and Rocky with his head lowered near the ground.  After she had pushed him back into his area, Blanche always immediately moved back to the edge of the pool.

Eisbären Rocky und Blanche in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Rockys Verhalten wirkte nicht aggressiv, sondern er schien nur seinen Teil der Anlage verteidigen zu wollen. Und Blanche schien zufrieden zu sein, wenn er im rechten Teil der Anlage blieb und ließ ihn dort in Ruhe. Qannik war diejenige, die diese Ordnung immer wieder störte. Sie war neugierig, was der andere Eisbär machte und sie zeigte wenig Respekt vor ihrem Vater. Je nachdem, was er machte, wollte sie genauer wissen, was da vorging. Rocky war keineswegs zufrieden, dass er nun draußen auf der Anlage war und hämmerte nun von außen gegen die Tür der Schieber, so wie er es sonst von drinnen getan hatte. Vermutlich war er durch die Vorbereitungen für die Seelöwen-Vorstellung auf der benachbarten Anlage dazu veranlasst worden. Da musste Qannik natürlich nachschauen, warum ihr Vater das machte. Die Reaktion war die gleiche wie bei vorigen Annäherungsversuchen. Rocky brummte, ging mit geöffneter Schnauze auf Qannik zu, die rannte fort, Rocky setzte ihr ein Stück nach und Blanche griff ein und drängte Rocky zurück. Dieser klopfte dann wieder gegen die Tür, Qannik näherte sich wieder, hielt aber diesmal einen etwas größeren Abstand ein, sodass Rocky sich nicht von ihr gestört fühlte. Ich war erleichtert, dass Qannik, die Aktivitäten ihres Vaters schnell langweilig wurden, und sie sich wieder ihrem Spiel im Wasser widmete.

Rocky’s behavior didn’t seem aggressive, rather he seemed to want to defend his part of the exhibit.  And Blanche seemed satisfied when he was in the right part of their system and left him alone there.  It was Qannik who disturbed the order again and again.  She was curious about the other polar bear, and showed little deference toward him.  Depending on what he was doing, she wanted to know more about it.  Rocky was not happy to be out in the exhibit and pounded on the door from outside, as he usually did from inside.  He was likely disturbed by the preparations for the sea lion presentation next door.  And Qannik naturally wanted to know what her father was doing.  His reaction was the same as in previous advances.  Rocky growled and went toward Qannik with his mouth open.  She ran way, then Blanche stepped in and pushed Rocky back.  He pounded again on the door, Qannik approached again, but this time she kept a greater distance, so Rocky didn’t seem to be disturbed.  I was relieved when Qannik lost interest in her father’s activities and came back to resume her play in the water.

Eisbären Rocky und Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Der rote Ball, der einige Monate ihr Spiel nahezu unversehrt überstanden hatte, ist nun doch in zwei Hälften geteilt worden. Qannik schien damit unzufrieden zu sein. Sie suchte sich die beiden Hälften, die im Becken schwammen, zusammen und hielt sie im Wasser gegeneinander, sodass sie wieder einen ganzen Ball zwischen den Tatzen hatte. Im Lauf des Spiels gelang es ihr die beiden Hälften ineinander zu verkeilen. Den größten Teil des Tages spielte sie mit diesem „Ball“ oder kämpfte am Beckenrand spielerisch mit ihrer Mutter. Sie verhielt sich also nicht anders als vor zwei Monaten, als sie noch allein mit ihrer Mutter die Anlage bewohnte.

The red ball that had survived her play almost intact, was now broken into halves.  Qannik seemed unhappy about that.  She fetched both halves, which were floating in the pool together, and kept them close to each other, so that she again had a full ball between her paws.  She played with this “ball” most of the day or fought playfully with her mother beside the pool. This was how they acted two months ago, when she was still living alone with her mother in the exhibit.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

20120505 b (182) Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

In der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Noch ist die Beziehung zwischen den drei Eisbären in Aywaille recht angespannt und wir verließen den Tierpark in Aywaille nicht ohne eine gewisse Sorge, ob diese Zusammenführung weiterhin friedlich ablaufen wird. Blanche und Rocky zeigen keine Aggression gegen einander und auch Rockys Verhalten Qannik gegenüber ist nicht aggressiv, er verteidigt nur seinen Bereich. Wir hoffen, dass Qannik lernen wird, dass sie ihren Vater erst einmal in Ruhe lassen sollte, damit auch für Rocky das Leben wieder ein wenig entspannter wird.

Still, the relationship between the three polar bears in Aywaille was quite strained, and we left the zoo in Aywaille concerned as to whether this arrangement would continue peacefully.  Blanche and Rocky showed no aggression toward each other, nor was Rocky’s behavior toward Qannik aggressive.  He just defended his territory.  We hope that Qannik learns to leave her father alone, so Rocky could again be a little more relaxed.

Mehr Bilder – more pictures:

http://www.flickr.com/photos/ullij/sets/72157629631331774/with/7156584034/

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7 Antworten zu “Aywaille: Ein aufregender Zoobesuch

  1. Hallo liebe Ulli,

    habt ihr eventuell neue Nachrichten? Geht immer noch alles gut oder sogar noch besser?

    Liebe Grüße,
    Brigitte

  2. Hallo liebe Ulli,
    WOW! Da braucht man wirklich gute Nerven. Das ist ja an Spannung kaum zu überbieten, was da eisbärisch in Aywaille passiert.
    Ich finde das ganz schön mutig von den Verantwortlichen. und wünsche ihnen ein erfolgreiches Gelingen.
    LG
    Ela

  3. gaby aus konstanz

    liebe ulli,

    das ist ja wie in einem krimi, aber hoffentlich mit einem guten ausgang. ich drücke ganz fest die daumen für das trio.

  4. Liebe Ulli,
    dieser Bericht liest sich wie ein guter und so spannender Kriminalroman.
    Ein gewagtes Unternehmen ist das, aber der Zoo wird sehr gut wissen, was geht und was nicht.
    Ich wünsche den Dreien jedenfalls sehr viel Erfolg bei dieser Zusammenführung. Meine Daumen sind gedrückt.
    In Fasano hat das Wagnis ja immer gut geklappt. Bei Yoghi könnte ich mir das auch gut vorstellen.

    Ich danke Dir sehr für die schönen Fotos, den spannenden und auch spannend geschriebenen Bericht und das Video.

    Hoffentlich haben sich Deine Nerven wieder erholt.

    Herzliche Grüße,
    caren

  5. Liebe Ulli!
    Was für ein Wahnsinnsartikel!
    Ich habe mit großem Interesse gelesen. Was die da in Aywaille machen, ist wirklich sehr mutig und ich drücke die Daumen, dass alles gut geht.
    Blanche ist übrigens eine tolle Bärin.

    LG
    Yeo

  6. Das würden meine Nerven nicht aushalten.Noch nicht mal das Lesen und Anschauen halte ich aus.
    Ich bete, dass alles gut geht.

    Trotzdem Danke für den Bericht und die Bilder.

    LG Brigitte

    P.S. Mein Herz klopft bis zum Hals

  7. Puh! Da hält man ja fast die Luft an beim Lesen. Die Aufteilung war bei eurem Besuch wieder so wie damals, als Tim den ersten Tag mit auf der Anlage war. Dass du froh warst, wenn Qannik sich etwas fern hielt, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich bewundere Aywaille für den Mut, aber ich hoffe noch mehr, dass es weiter ein friedliches Zusammenleben geben kann. In Fasano klappte es ja auch.

    LG Elke

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