Eisbärenbesuche: Nüsse für kein Aschenbrödel und ein umkämpfter roter Ball – zwei aufregende Sonntage in Aywaille

Aywaille, 22. und 29. Juli 2012

Eigentlich hatten wir nicht geplant gleich an zwei Sonntagen hintereinander nach Aywaille in die Monde Sauvage Safari zu fahren, um Blanche, Rocky und Qannik zu besuchen. Doch eine überraschend schnelle Lieferung eines Internet Zoohandels brachte unsere Pläne durcheinander. Aber ich will von unseren beiden aufregenden Besuchen bei der belgischen Eisbärenfamilie der Reihe nach berichten.

Eisbärin Blanche in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Meine Schwägerin hat einen Walnussbaum hinter ihrem Haus stehen und versorgt immer die ganze Familie mit Nüssen. Nun ist dieser Baum ein besonders ertragreiches Exemplar und so sind nun im Juli noch eine ganze Menge Nüsse von der letztjährigen Ernte übrig. Da bald die neuen Nüsse reif sind, ist es langsam Zeit, den Vorrat aufzubrauchen. Jeder, der einmal in Berlin und Rhenen einer Eisbärenfütterung zugesehen hat, weiß, dass auch Eisbären gerne Walnüsse fressen. In Rhenen sind sie ein fester Bestandteil der Diät der Eisbären, weil sie Nüsse viele Öle enthalten, die gut für die Bären sind. Also lag die Idee nah, dass wir zwei Tüten mit Nüssen für unsern nächsten Zoobesuche mitnahmen. Und da wir die Eisbärenfamilie in Aywaille besonders liebenswert finden, war die erste Tüte für Qannik und ihre Familie bestimmt.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

In der Monde Sauvage Safari war man überrascht, dass Eisbären Nüsse fressen sollten. Doch, nachdem wir unsere Tüte abgeben hatten, wurde sofort ausprobiert, ob das denn stimmte, was wir da erzählt hatten. Blanche und Qannik enttäuschten uns nicht und demonstrierten, dass sie genau wussten, dass man das Innere der Walnüsse fressen kann und dass das einem Eisbären auch schmeckt. Allerdings war Blanche nicht bereit ins Wasser zu springen, um eine Nuss herauszuholen, das überließ sie lieber ihrer Tochter, die diese Aufgabe auch mit großem Eifer erledigte. Rocky verschlief zunächst, dass da etwas in die Anlage geworfen wurde, das man fressen konnte. Als man ihm später ein paar Nüsse vor die Füße warf, wachte er aber dann doch auf und verspeiste sie blitzschnell.

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Es ging die meiste Zeit recht friedlich zu, vor allem deshalb weil Rocky oben auf der rechten Seite der Anlage schlief und Blanche unten links ihren Ruheplatz gewählt hatte, während Qannik, deren Fell nun wieder – fast ganz – sauber ist, die meiste Zeit im Wasser spielte. Nur im Laufe des Nachmittags kam es einmal zu einer lautstarken Begegnung zwischen Blanche und Rocky, als dieser nach unten zum Wasserbecken spazierte. Offenbar hatte er auch Lust zu einem kühlen Bad. Als Qannik, die wenig Respekt vor ihrem Vater zeigt, sich im Wasser immer näher an ihren Vater, der am Beckenrand stand, herantastete, fand Blanche, dass es nun an der Zeit sei einzugreifen, rannte herbei und brüllte ihn an.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Eisbären Blanche, Rocky und Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Eisbärin Blanche in der Monde Sauvage Safari in AywailleEisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Rocky gab zunächst nicht auf und blieb unten und nahm ein kurzes Bad. Blanche machte mit Qannik im Schlepptau eine Runde über die Anlage. Und dann stellte sich langsam wieder die alte Ordnung ein. Qannik im Wasser, Rocky oben rechts an der Mauer und Blanche in der Nähe ihrer Tochter. Die kurze Aufregung war vorbei und wie konnten beruhigt nach Hause fahren, in Aywaille schienen sich die drei Eisbären ganz gut mit der Situation arrangiert zu haben.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Bei unserem Besuch war mir wieder eingefallen, dass wir einen neuen Ball für Qannik besorgen wollten. Sie spielte zwar auch weiter mit dem, was von ihrem roten Ball und den letzten Crazy Egg übrig geblieben war. Aber mit einem richtigen Ball kann man doch besser spielen. Also suchte ich im Internet nach einem Angebot und am Donnerstag bestellten wir einem roten Ball. Wir waren ziemlich überrascht, als der dann schon am Freitagmorgen geliefert wurde. Und damit stand das Programm für den nächsten Sonntag natürlich fest. Jetzt wollten wir unser Geschenk auch loswerden. Natürlich hatten wir vorher in Aywaille gefragt, ob ein neues Spielzeug im Augenblick das Richtige sei. Schließlich wollten wir keinen Anlass für einen Streit zwischen den Eisbären liefern. Doch man hatte keine Bedenken und sagte uns, dass ein neuer Ball willkommen sei.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Zunächst schien sich außer Qannik auch keiner der Eisbären für den Ball zu interessieren. Die schien allerdings nur darauf gewartet zu haben. Sie nahm den Ball begeistert in Empfang, schob ihn durchs Wasser, schleppte ihn an Land, klemmte sich den Ball zwischen Schulter und Kopf und warf ihn in hohem Bogen ins Wasser, nur um ihm dann nachzuspringen. Natürlich wurde der Ball genau nach Schwachstellen untersucht. Bald hatte er die ersten Kratzer und ein kleines Loch. Doch so richtig kaputt machen konnte ihn die wilde Qannik nicht. Sie tobte mit ihrem neuen Ball durch das Wasser und warf ihn immer wieder durch die Luft.  Blanche schaute ihr zu, Rocky schlief auf seinem Stammplatz.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in AywailleEisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in AywailleEisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Wir schauten zu und freuten uns, dass die junge Eisbärin soviel Spaß hatte. Auch wenn wir uns nur schwer losreißen konnten, gingen wir dann doch ins Zoorestaurant, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Als wir wieder an der Eisbärenanlage ankamen, war Rocky aufgewacht und holte sich den Ball, den Qannik einen Moment am Rand des Beckens abgelegt hatte, um bei ihrer Mutter zu betteln, ob sie nicht doch noch einmal „an der Milchbar trinken dürfe“. Ein Ansinnen, das Blanche entschieden ablehnte. (Was man, wenn man sich Qanniks Figur anschaut durchaus verstehen kann.) Die Tochter war nun gar nicht einverstanden, dass nun der Vater den Ball hatte. Sie rannte entrüstet über die Anlage, schaute zu Rocky hinüber und gab leise meckernde Laute von sich. Rocky schien es zunächst nur darum zu gehen, den Ball kaputt zu machen. Er schaffte es einige Löcher hineinzubeißen. Nach einiger Zeit legte er sich wieder gemütlich hin und schlief, den Kopf auf dem roten Ball geschmiegt, ein. Eine frustrierte Qannik musste sich das tatenlos anschauen.

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Wir machten einen kurzen Rundgang durch den Tierpark, doch bald zog es uns wieder zurück zu den Eisbären. Qannik hatte den Ball zurückerobert und spielte wieder übermütig damit im Wasser. Sie schien genau zu wissen, dass die Zoobesucher, die ihr zuschauten, genauso viel Spaß am Spiel hatten wie sie. Immer wenn sie den Ball warf, wurde geklatscht und das schien ihr zu gefallen.

Eisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in AywailleEisbärin Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Nur Rocky war unzufrieden. Er ging wieder zum Beckenrand und näherte sich seiner Tochter. Die wich ihm aus, was Rocky die Chance gab, sich den Ball wieder zu holen. Und dann begann er – zu unserer Überraschung – mit dem Ball zu spielen. Wie seine Tochter stellte er sich mit dem Ball aufrecht hin, warf ihn ins Wasser und hechtete ihm nach. Schnell kam uns der Gedanke, dass wir vielleicht besser gleich zwei Bälle gekauft hätten. Aber wer hätte denn ahnen können, dass Rocky auch Spaß am Ballspiel haben würde.

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Qannik hatte keine Lust auf ihr Spielzeug zu verzichten und versuchte immer wieder nah genug heranzukommen, um ihn ihrem Vater abzuluchsen. Das wiederum mochte Blanche nicht. Laut brummend rannte sie auf Rocky zu. Der antwortete entsprechend. Während ihre Eltern „diskutierten“, sprang Qannik fix ins Wasser und sicherte sich den Ball. Doch anders als bei den letzten „Auseinandersetzungen“ gab Rocky nicht klein bei. Er wollte auch den Ball haben. So ging es eine ganze Zeit hin- und her. Blanche und Rocky brüllten sich an. Da Rocky nicht zurückwich, musste Blanche den Rückzug antreten. Auch Qannik schien zu begreifen, dass sie besser Abstand zu ihrem Vater einhielt. Rocky schnappte sich den Ball und spielte, wobei er genauso viel Beifall bekam wie seine Tochter. Qannik wollte nun aber auch den Ball, näherte sich wieder ihrem Vater, Blanche kam hinzu, brüllte. Qannik sah wieder ihre Chance und eroberte den Ball, solange bis sie ihn wieder ihrem Vater überlassen musste.

Eisbären Blanche, Rocky und Qannik in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Eisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in AywailleEisbär Rocky in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Eisbären Rocky und Blanche in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Ich muss zugeben, dass ich das Ganze viel zu aufregend fand und darüber nachdachte, ob die Sache mit dem Ball wirklich eine gute Idee gewesen war. Andererseits wirkte Blanche, wenn Rocky mit dem Ball spielte und Qannik nicht zu nah bei ihm war, völlig entspannt. Und Rocky zeigte auch keine Aggression seiner Tochter gegenüber, selbst als die brummend auf ihn zu ging. Er scheuchte sie zwar ein paar Mal weg vom Becken, um in Ruhe spielen zu können, setzte ihr aber dann nicht weiter nach, auch wenn Blanche sich nicht einmischte, sondern spielte mit dem Ball. Trotzdem konnte ich der Aufregung in der Eisbärenanlage nicht gut zusehen. Ich bin ganz sicher, ich war bestimmt viel angespannter als die Eisbären. Ich bin mir aber genauso sicher, dass der Ball den gemeinsamen Anstrengungen von Vater und Tochter nicht lange widerstehen wird.

Eisbärin Blanche in der Monde Sauvage Safari in Aywaille

Mehr Bilder gibt es hier:

Nüsse für die Eisbären in der Monde Sauvage

Qannik und ihr neuer Ball
Eisbärengymnastik mit Qannik und Blanche
Zankerei um einen roten Ball
Rocky spielt!

Noch ein Video gibt es unter:

Spielende Eisbären

3 Antworten zu “Eisbärenbesuche: Nüsse für kein Aschenbrödel und ein umkämpfter roter Ball – zwei aufregende Sonntage in Aywaille

  1. Hallo Ulli,

    dein Bericht ist fesselnd und liest sich wie ein Krimi!
    Ich finde es Klasse, dass Rocky genauso viel Spass am Ballspiel hat wie seine Tochter und nehme an, dass ein zweiter Ball nicht die gleiche Wirkung gehabt haette! Wahrscheinlich sind die Eisbaeren da wie die Kinder – jeder moechte das Spielzeug des Anderen haben! (Aber das ist natuerlich meine ganz persoenlich Annahme, die in keinster Weise wissenschaftlich fundiert ist!)

    Baerige Gruesse aus Kanada
    Christa

  2. WOW, was für ein Erlebnis.
    Es ist ja eigentlich schon Spannung genug auf der Anlage und dann noch das tolle Spielzeug dazu.

    Ich denke, die Verantwortlichen dort wissen, was sie befürworten können und was nicht.
    (die Walnussgeschichte finde ich auch prima, bekommen sie jetzt doch in Zukunft öfter mal Walnüsse:) )
    Qannik ist so hübsch und dann noch mit dem roten Ball, einfach klasse.

    Und ihr Vater ist auch klasse; die Mutter sowieso.

    Vielen Dank für den tollen Bericht und natürlich die super Fotos und das Video.

    Liebe Grüße
    Brigitte

    P.S. Ich hab euch echt arg vermisst hier;-),schön, dass ihr wieder da seid.

  3. Liebe ulli,
    das liest sich wie ein spannender Krimi. Ich kann gut verstehen, dass Du recht angespannt beim Zuschauen warst.

    Vielen Dank für diesen interessanten Bericht mit den herrlichen Fotos.
    Der Ball sieht wirklich (noch) sehr schön aus.

    Liebe Grüße,
    caren

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