Aalborg: Viktoria ist noch nicht bereit für ein harmonisches Zusammenleben.

Aalborg, 2. September 2012

Die Zusammenführung von Eisbären ist keine einfache Sache. Schließlich leben die Tiere in der Natur meist solitär. Unter den Bedingungen in Zoos ist ein mehr oder weniger friedliches Zusammenleben zwar möglich und manche Eisbären leben außerordentlich harmonisch miteinander, wie man sich zum Beispiel in Stuttgart oder Kopenhagen selbst überzeugen kann. Auch ungewöhnliche Kombinationen wie das Zusammenleben der sechs Eisbären im Ouwehands Dierenpark kann durchaus ohne Auseinandersetzungen und Kämpfe funktionieren. Hier trauen sich sogar Siku und Sesi ihren Kopf auf den Bauch ihrer Großmutter Huggies zu legen, wenn sie gemeinsam mit allen vier jungen Eisbären – ihren eigenen zwei Jungtieren aus den Jahr 2011 und den beiden Jungen ihrer Tochter Freedom, die 2010 geboren wurden – im Becken des großen Eisbärengeheges in Rhenen schwimmt. Und Freedom schläft gleichzeitig völlig entspannt unter den Bäumen im Schatten.

Bringing polar bears together is no easy task.  After all they solitary lives in nature. Under zoo conditions they are able to live together more or less peacefully, and some harmonize in an extraordinary way, as you can see for yourself in Stuttgart or Copenhagen. The unusual living together of six polar bears in the Ouwehands Dierenpark works without conflicts and fights. Here the cubs of Freedom from 2010, Siku and Sesi, even dare to rest their heads on the belly of their grandmother Huggies, when they are swimming together in the pool with her and her own two cubs born in 2011. And at the same time Freedom is sleeping peacefully in the shade under the trees.

 

Foto: Harmonie in Rhenen im August 2012 , Siku und sein „Onkel“ oder seine „Tante“ – Harmony reigns in Rhenen in August 2012.  Siku and his “uncle” or his “aunt”.

Aber das ist nicht immer so. Im Zoo Aalborg hatte man am 27. August durch eine Brücke aus Metallplatten über den trennenden Graben die beiden Eisbärengehege des Zoos verbunden und Viktoria zu den drei anderen Eisbären, Malik mit ihren 2010 geboren Sohn Augo und Viktorias fast vier Jahre alten Sohn Milak, gelassen. Viktoria hatte im Frühjahr als sie paarungsbereit wurde, Aggressionen gegen Milak gezeigt und lebte seitdem alleine. Die Tierpfleger hatten beobachtet, dass Viktoria nun nicht mehr so aggressiv reagierte, wenn sich ihr einer der anderen drei Bären in den Innengehegen nahe kam. So dachten sie, dass man einen Versuch wagen konnte, die vier Eisbären auf einer Anlage zusammenleben zu lassen.

But it doesn’t always work like that. In the Aalborg Zoo they had joined up the two polar bear enclosures with a metal bridge and put the four bears together:  Viktoria, Malik with her son Augo (born in 2010), and Viktoria’s son Milak, who is now almost four years old. Viktoria had been alone since she came into estrus in the spring and rejected her son, Milak. The keepers had observed that Viktoria didn’t seem so aggressive anymore, if some of the bears came too close to her area in the inside enclosure. That’s why they decided to put the bears together.

Screen Shot eines Bildes der Webcam des Zoos Aalborg. Der Blick geht von dem kleineren hinteren Gehege hinüber zum großen Gehege. Vorne ist Malik mit Augo im Wasser, im großen Gehege liegt Viktoria. – Screen shot from the Aalborg Zoo’s webcam. The view goes from the small rear enclosure toward the big enclosure. In front you can see Malik with Augo in the water; in the big enclosure Viktoria is resting.

Zunächst schien dieser Versuch auch zu funktionieren. Viktoria zeigte zwar ein dominantes Verhalten und „brüllte“ auch den jüngsten Bewohner der Anlage, Augo, an, um ihm zu zeigen, dass er besser eine gewisse Distanz zu ihr einhalten sollte, aber Malik verteidigte ihren Nachwuchs und konnte sich Respekt verschaffen. Auch Milak gegenüber verhielt sie sich aggressiv. Doch zu seiner eigenen Überraschung gelang es Milak sogar seine Mutter auf Distanz zu halten. Es sah nach einiger Zeit so aus, als ob die Vier am Ende einen Weg finden würden miteinander auszukommen. Es gab keinen Zweifel, dass Viktoria diejenige war, die die Regeln im Zusammenleben der Aalborger Eisbären bestimmte.

First all seemed to go well. Viktoria who is the dominant female, was aggressive to Augo, but Malik defended her cub and knew how to demand respect. Viktoria showed aggression to Milak too – no mother/son relationship here anymore – but Milak managed to make her run away.  (He seemed a bit surprised that he was able to do so!) After a while it looked as if the four bears would find a way to live together. But there was no doubt that Viktoria was the leader of the pack!

Foto: Milak und Augo von Sussi Køber

Es gab auch in den folgenden Tagen keine Auseinandersetzungen zwischen den Bären, die ein Grund dafür waren, dass der Versuch der Zusammenführung wieder beendet werden musste. Doch Augo und Milak zeigten immer stärker, dass sie Angst vor Viktoria hatten und mit der Situation überfordert waren. Am Ende trauten sich die Beiden nicht mehr in die große Anlage zur Fütterung. Milak war so gestresst, dass er sich am Samstag in einer Kuhle an der Rückseite des kleinen Geheges versteckte. Eine Treppe ermöglicht es den Eisbären dort hinunterzugehen, aber die Tierpfleger hatten noch nie beobachtet, dass sich einer der Eisbären vorher dort jemals länger aufgehalten hatte. Also entschied man sich dazu, die Eisbären wieder zu trennen. Viktoria hat nun wieder das kleine Gehege für sich. Man hofft zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen erfolgreichen Versuch unternehmen zu können, die vier Tiere zu vergesellschaften.

There was no fighting in the following days, but another reason which made the keepers decide to separate Viktoria again from the other bears. Augo and Milak were too afraid of her. They obviously showed that they were stressed with the situation. They didn’t come out to take part in the feeding in the large enclosure. In the weekend Milak felt so upset that he hid in the pit in the back of the small enclosure. The bears are able to go down there by a staircase, but zookeepers have never seen any of the bears wanting to be down there. So they decided to house Viktoria alone again, hoping that a future reunion of the bears will produce a better result.

Eine Anmerkung:
Der Zoo Aalborg ist nicht sehr gut, was die Bestimmung der Geschlechter seiner Eisbärenjungtiere angeht. Beide in Aalborg geborenen Jungtiere, Milak und Augo, sind weiblich.

3 Antworten zu “Aalborg: Viktoria ist noch nicht bereit für ein harmonisches Zusammenleben.

  1. Hallo Ulli,

    schade, dass es nicht weiter so gut klappte, wie es anfänglich den Anschein hatte. Aber es war nun sicher die richitge Maßnahme, die Bären wieder zu trennen. Schön wäre es, wenn es später nochmal klappen würde. Aber natürlich sollen sich alle Bären bei der Lösung wohl fühlen.

    LG Elke

  2. Schade:(, aber man hat es wenigstens versucht.
    Danke Ulli, dass du darüber berichtet hast.

    Liebe Grüße
    Brigitte

  3. Liebe Ulli,

    da sieht man, dass das, was mit der einen Gruppe klappt, nicht unbedingt mit einer anderen auch funktionieren muss. Eine Bestätigung dafür, welch unterschiedliche Charaktere die individuellen Eisbären haben.
    Dabei sollte man doch meinen, dass bei ausreichend Futter (das in Zoos ja immer vorhanden ist) eine Gruppenbildung kein Problem darstellen sollte.
    Weit gefehlt, denn offenbar, und wie dieser Artikel zeigt, kommt es eben doch auf die verschiedenen Charaktere an – stimmt die Chemie oder nicht.

    Vielleicht ist das Projekt im Ouwehands Dierenpark auch nur eine Ausnahme. Ich bin sehr gespannt, ob das auch auf Dauer gutgeht. Ebenso spannend ist es zu sehen, wie es in Aalborg weitergeht, ob man den Versuch nun zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen wird.
    Du wirst uns sicher weiter berichten.
    Für heute vielen Dank für diesen Artikel.
    Liebe Grüße,
    caren

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