Cochrane: Aus den Augen aus dem Sinn

Cochrane, 12. Dezember 2012

In wihelmischen Zeiten versuchten Eltern ihrem ungestümen Nachwuchs schon einmal mit dem Spruch: „Kinder soll man sehen und nicht hören“ zu erziehen. Das soll aber schon damals nicht immer gewirkt zu haben. Beim Eisbären-Youngster Ganuk im Polar Bear Habitat scheint der Spruch allerdings in abgewandelter Form einen wahren Kern zu haben: „Väter soll man riechen aber nicht sehen.“

Ganuk 02

Foto: Ganuk schaut sich die Neuerung an (vom Polar Bear Habitat)

Seit Inukshuk, Ganuks Vater, im Oktober im Polar Bear Habitat angekommen ist, beobachteten die Tierpfleger bei Ganuk stereotypisches Verhalten. Der erwachsene Eisbär im Nachbargehege schüchterte den heranwachsenden Ganuk offenbar ein. Inukshuk auf der anderen Seite des Zauns war andererseits von seinen Sohn nebenan wenig beeindruckt. Das ist auch kein Wundern, schließlich bringt der dreijährige Ganuk gerade einmal „nur“ rund 320 kg auf die Waage, während sein Vater stolze 500 kg wiegt.

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Foto: Inukshuk vom Polar Bear Habitat

Es gab also ein Problem, für das eine Lösung gefunden werden musste. Die Tierpfleger hatten die Idee eine optische Barriere zwischen den beiden Gehegen zu errichten. Doch wie konnte dies am besten realisiert werden. Ein neuer Mitarbeiter des Betriebshofs der Stadt, Roger Robin, machte den ersten Vorschlag, wie man eine solche Barriere anbringen konnte. Ein Mitarbeiter des Zoos, Reg Gendreau, brachte Stoffbahnen ins Gespräch. Der Stoff wurde schließlich von Dan Maltais vom städtischen Betriebshof und einem lokalen Unternehmen, Sheney and Company, das Abdeckungen für Flugzeuge herstellt, geliefert. Sie halfen auch die Stoffbahnen anzubringen. Das Ganze war also eine Gemeinschaftsaufgabe für die Gemeinde und den Zoo, an der sich alle mit viel Eifer beteiligten.

Die Barriere ist nun über eine Woche im Einsatz und ist ein voller Erfolg. Inukshuk ist zufrieden im Gehege 2 mit dem Pool und Ganuk im Gehege 1 ist nicht mehr gestresst und spielt wieder im Schnee, statt hin- und herzulaufen, obwohl er seinen Vater natürlich immer noch riechen kann. Man kann also tatsächlich sagen: „Aus den Augen, aus dem Sinn!“ und das ist in diesem Fall wirklich ein Grund zur Freude.

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Foto: Ganuk hat Spaß im Schnee vom Polar Bear Habitat

Natürlich bedeutet das nicht, dass das so bleiben muss. Man ist sich in Cochrane bewusst, dass mit der Zeit neue Verhaltensprobleme auftreten können und man dann nach neuen Lösungen suchen müssen wird, um sie zu bewältigen. Es ist das erste Mal, dass man im Polar Bear Habitat zwei männliche Eisbären hält und man lernt jeden Tag dazu, was das bedeutet. Auch wenn männliche Eisbären in der Natur durchaus aufeinander treffen, bei ausreichend großem Nahrungsangebot auch nebeneinander Beute erjagen und sogar wenn die Beute groß genug ist, wie z. B. ein toter Wal, sie auch gemeinsam verspeisen können, sind sie Einzelgänger. Wenn sie im Norden Kanadas darauf warten, dass das Meer in der Hudson Bay zufriert, zeigen selbst ausgewachsene männliche Eisbären untereinander oft erstaunlich tolerantes Verhalten, etwa bei ritualisierten Kampfspielen. Aber dort ist genug Platz, um einander auszuweichen. In einem Tierpark ist das anders und jeder Eisbär hat seinen eigenen Charakter und individuelle Bedürfnisse. So wird es in der Zukunft für die Menschen in Cochrane neue Herausforderungen geben, um Inukshuk und Ganuk ein möglichst stressfreies, tiergerechtes Leben zu ermöglichen.

„Ein gewisses Maß an Hin- und Herlaufen (Pacing) und stereotypen Verhaltensweisen sind immer in einem Tierpark zu erwarten – da Eisbären Entfernungen von bis zu 50 Kilometer am Tag in der freien Wildbahn zurücklegen können, wollen sie manchmal eine „Reise“ in ihrem Gehege unternehmen – aber im Moment scheinen die Bären Spaß zu haben. Wir wissen, dass der beste Platz für Eisbären die freie Wildbahn ist, aber unsere Bären wurden in Gefangenschaft aufgezogen und können in der Wildnis nicht überleben. Unsere Aufgabe ist es, ihr Leben so glücklich machen, wie sie es nur sein kann „, sagten die Tierpfleger des Polar Bear Habitats.

Hanitat VideoAuf das Bild klicken und man gelangt zu einem Video aus dem Polar Bear Habitat.

Karen Cummings, die Leiterin des Polar Bear Habitats, gab zu, dass die Errichtung der Barriere mit einem Risiko verbunden war: „Um ehrlich zu sein, es gab keine Garantie, dass die Barriere funktionieren würde – aber wenn wir es nicht versuchen hätten, hätten wir es nie gewusst.“

Inukshuk FassDass Inukshuk sein Spielzeug, das ihm das Leben im Gehege abwechslungsreich gestalten soll, zu würdigen weiß, beweist folgende Episode, von der ein Tierpfleger auf der Facebookseite des Tierparks berichtet. „Als ich heute morgen (Sonntag, 16.12.2012)  das Ausstellungsgebäude öffnete, suchte ich  überall nach Inukshuk, konnte ihn aber nicht sehen. Doch dann hörte ich einen Knall und schaute nach oben. Ein rotes Fass erschien über den Felsen am Pool, flog durch die Luft und landete mit einem kleinen Plumps. Ich sprang auf eine Bank gerade rechtzeitig um Inukshuk zu beobachten, wie er das Fass durch seine „Tür“ ins Innere des Gebäudes schupste. Ich denke, dass er in „seinem Zimmer“ damit spielen wollte. Ich muss euch sagen, Ganuk war nicht beeindruckt.“

Quelle – Source:

http://www.polarbearhabitat.ca/index.php/resources-and-links/press-releases

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Eine Antwort zu “Cochrane: Aus den Augen aus dem Sinn

  1. Wie toll, dass die Sichtbarriere zu helfen scheint und beide Bären ihr „Ding“ machen. Danke für den Bericht.

    LG Elke

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