Vorsicht Satire: Ein Eisbär auf den Grachten Amsterdams

Beim Surfen auf den Spuren von Eisbären-Meldungen im Internet stieß ich auf ein Foto von einem Eisbären auf den Grachten von Amsterdam auf der Internetseite von AT5, (Amstel Televisie 5), einem lokalen Nachrichtensender von Amsterdam,  aufgenommen am 18. August 2013, also am Sonntag vor einer Woche. Das Bild zeigte einen Eisbären in einem Käfig auf dem Deck eines Bootes, begleitet von einer Musikgruppe in Husarenuniformen. Ein weiterer Artikel, der ein paar Tage später veröffentlicht wurde, brachte ein wenig Licht ins Dunkel. Er zeigte ein bizarres You-Tube Video, in dem erklärt wird, dass der Eisbär ein Geschenk des russischen Erdgasförderunternehmens Gazprom an die Royal Dutch Shell sei und er für den Zoo Amsterdams bestimmt sei. Hiermit solle die neue Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen gefeiert werden.

Es schien offensichtlich eine Satire zu sein. Das Video verweist auf die Seite von Polar-Partners. Eine Internetseite, die man von den offiziellen Seiten von Gazprom nicht unterscheiden kann. Sie erzählt mit vielen Bildern, wie der Eisbär, „Petrov“ auf einem russischen Ölfeld eingefangen und in die Niederlande transportiert wurde. Sie ist in recht einfachem, nicht ganz korrekten Englisch verfasst. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich hier nicht wirklich um eine Aktion von Gazprom handelt. Es gibt weder einen Link zu den Machern der Seite und des Videos, noch einen Hinweis auf die Intention dieser Aktion.

Foto: Polar-Partners

Foto: Polar-Partners

Nicht nur mich machten diese Seiten und das Video neugierig. Auch das NRC Handelsblad, eine überregionale niederländische Abendzeitung recherchierte, wer den wohl dahinter stecken könnte. Sie riefen die Telefonnummer von der Kontaktseite von Polar-Partners an und bekamen in perfektem Englisch die Antwort, dass sie tatsächlich mit Gazprom verbunden seien und es sich um eine echte Aktion des Unternehemens handele. „Es gibt nun einen großen kulturellen Unterschied zwischen den Russen und dem Westen, das ist es, wie Russen es  tun“, erklärt der Mann am anderen Ende des Telefons. Ein Eisbär als Geschenk an das niederländische Volk zu Ehren eines Jahres niederländisch-russischen Zusammenarbeit sei normal. Am Ende fügt er hinzu: „Ich kann Ihnen versichern, dass es wahr ist.“ Auf die Frage, wo denn der Eisbär nun sei, antwortete er, er sei noch nicht im Zoo von Amsterdam, Artis, sondern vorläufig in einer Lagerhalle, außerhalb Amsterdams untergebracht.

Foto: Polar-Partners

Foto: Polar-Partners

Dieses Telefongespräch überzeugte die Journalisten nicht. Sie fragten bei Shell nach. Da wußte man nichts von einem Eisbären als Geschenk von Gazprom. Sie versuchten es mit verschiedenen anderen Nummern von Gazprom, bei der ersten landeten sie bei einem Pressesprecher, der nur Russisch sprach, bei der zweiten Nummer wurde einfach aufgelegt, sobald sie auf Englisch eine Frage stellten, beim dritten Versuch hob niemand ab.

Die ganze Aktion ist aufwändig und so perfekt umgesetzt, dass der Verdacht nahelag, dass Greenpeace dahintersteckte. Auch die IP Adresse des Servers der Seiten von Polar Partners wies darauf hin. Also riefen die Journalisten bei Greenpeace in den Niederlanden an, doch die verneinten, dass sie diese Aktion durchgeführt haben. Doch es könne sein, dass Greenpeace International sie veranlasst hätte. Beim Anruf dort bekamen sie aber keine Antwort, man versprach ihnen einen Rückruf, der nicht erfolgte. Es folgten noch einige Versuche bei Gazprom per Telefon und Email, die keine Auflösung brachten. Bis am Ende eine Email von Greenpeace International das Rätsel löste.

Foto: Polar-Partners

Foto: Polar-Partners

„Greenpeace Niederlande ist nicht an dieser Aktion beteiligt – sie wurde von Yes Lab mit etwas Unterstützung von Greenpeace International in den USA organisiert.“

Greenpeace protestiert mit verschiedenen Aktion überall auf der Welt gegen das Vorhaben von Shell in Zusammenarbeit mit dem russischen Ölkonzern Gazprom auch in der russischen Arktis Ölvorkommen auszubeuten. In Deutschland z. B. mit einer Aktion an der bekanntesten Baustelle Hamburgs,  der Elbphilharmonie, am 16. August 2013:  „Wäre hier Öl, Shell würde bohren“

Foto: Polar-Partners

Foto: Polar-Partners

„Unser Eisbären Zirkus ist total verrückt, aber nicht halb so verrückt wie der Arktis Vertrag zwischen der Gazprom und Shell. Sie wollen das schmelzende Meereis ausnutzen um mehr Öl zu fördern. Shell scheiterte in Alaska im vergangenen Jahr, so dass sie nun die Vorteile der schwächeren Vorschriften Russlands  ausnutzen  wollen, um dort enorme Risiken einzugehen.“  (James Turner, Greenpeace International).

Die wirkliche Hoax ist nicht der Eisbär, sondern nach Greenpeace International, dass Shell und Gazprom es geschafft haben, die Welt zu überzeugen, dass sie in der Arktis bohren können und dass sie „nicht verantwortlich sind für den Zusammenbruch unserer Ökosysteme.“

Mittlerweile steht auch ein Beitrag über die Aktion im Blog „Making Waves“ von Greenpeace International.

Und keine Angst, natürlich ist kein echter Eisbär über die Grachten Amsterdams geschippert worden.

Quellen:

http://www.at5.nl/artikelen/109254/i-jsbeer-in-gracht-kwam-rechtstreeks-van-noordpool

http://www.polar-partners.com/

http://www.nrc.nl/nieuws/2013/08/23/de-misleidende-zoektocht-naar-de-ijsbeer-van-gazprom/

http://www.greenpeace.org/international/en/news/Blogs/makingwaves/insane-pr-circus-rocks-holland-but-its-not-th/blog/46345/

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3 Antworten zu “Vorsicht Satire: Ein Eisbär auf den Grachten Amsterdams

  1. Was für eine verrückte Geschichte, aber sehr interessant.
    Danke.
    LG Brigitte

  2. But the bear on the oil platform is real. See the footprints? He’s just wandering around, being a bear and doing what bears do.

  3. Look at the bear’s face and its shoulders. Anyone who knows polar bears well could see that it was fake.

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