Mierlo: Was für ein Gewusel! – Sechs Eisbären in einem Gehege

Mierlo, 6. April 2014

Da war richtig etwas los, vor der noch geschlossenen „Schleuse“ zwischen den beiden Gehegen des Dierenrijks in Mierlo. Fünf Eisbären warteten offenbar darauf, dass ihr „Personal“ endlich auftauchte und die Tür aufmachte. Alle wollten hinüber in das große Gehege. Aber das „Personal“ war noch nicht da. Man konnte recht unterschiedliche Charaktere erkennen. Beja und Henk liefen aufgeregt auf dem Rand des Wasserbeckens hin- und her. Frimas schaute einem Polarfuchs zu, der das Trenngitter hinaufgeklettert war. Vielleicht dachte sie darüber nach, ob er es wohl schaffte hinüber zu klettern und wie es ihr gelingen würde, den Fuchs vor den anderen Eisbären zu erwischen. Als dann auch noch Pixel und Noordje den neugierigen Nachbarn entdeckten, entschied sich der, dass da drüben dann doch wohl zu viele Eisbären waren, um ein Abenteuer zu wagen, und sprang zurück in sein Gehege.

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Das Ungewöhnliche an der Szene war nicht die große Zahl der Eisbären – eigentlich vermissten wir noch eine Bewohnerin, die 32 Jahre alte Wash – sondern die Tatsache, dass seit dem 11. März 2014 Frimas mit ihren beiden Jungtieren Pixel und Noordje die beiden Gehege mit den anderen Eisbären teilt und auch der Vater der Beiden Henk ein Teil dieser großen „Wohngemeinschaft“ ist. Und auch hier verläuft das Zusammenleben ziemlich harmonisch.

Eisbären Pixel und Noordje  im Dierenrijk in Mierlo

Als die Tierpflegerin am Gehege auftauchte, fragten wir natürlich nach und erfuhren, dass Frimas schon aufpasst, dass Henk ihrem Nachwuchs nicht zu nahe kommt. Wobei der eigentlich sehr freundlich mit seinen Nachkommen umgeht. Wenn es einmal zu ein bisschen Brüllerei kommt, liegt das meist an seiner Tochter Noordje, die sich ab und zu recht unartig ihrem Vater gegenüber verhält. – Wir mussten grinsen, denn wir dachten sofort an Qannik in Aywaille, die auch von Anfang an wenig Respekt vor ihrem Vater hatte.

Eisbären Noordje und Beja  im Dierenrijk in Mierlo

Wenn allerdings nebenan die Tierpflegerin steht, dann hatten die fünf Eisbären kein Problem mit Nähe. Alle warteten vor der Schleuse ungeduldig darauf, dass es endlich weiterging. Beja und Henk liefen noch hektischer hin und her und signalisierten, das Personal solle aufhören sich mit Zoobesuchern zu unterhalten und sich endlich um seine eigentliche Aufgaben kümmern. Pixel und Noordje sicherten sich schon mal die Poolposition am Schieber, hinter ihnen ihre Mutter.

Eisbären Noordje. Frimas und Pixel  im Dierenrijk in Mierlo

Bevor sich dieser allerdings öffnete, wurden zunächst jede Menge Fische im Gehege verteilt, nachdem sich die Tierpflegerin versichert hatte, dass alle Schieber auch wirklich fest verschlossen waren. Wir durften ins Innengehege hineinschauen, wo Wash schon einmal einen Imbiss serviert bekommen hatte. Die alte Dame braucht ein bisschen länger beim Fressen. Damit sie nicht zu kurz kommt, bekommt sie drinnen eine Extraration.

Eisbärin Wash im Dierenrijk in Mierlo

Wash durfte dann auch als erste hinaus, bevor sich die beiden Schieber öffneten und allen vorweg Noordje und Pixel auf die Anlage stürmten. Frimas folgte ihnen mit einem kleinen Abstand, als letzte spazierten Henk und Beja Seite an Seite auf die Anlage. Sie schienen Blicke auszutauschen. „Lass mal die Jugend vor. Es gibt keinen Grund zur Eile, es ist ja genug  zu futtern da.“

Eisbären Noordje und Pixel  im Dierenrijk in MierloEisbären Henk und Beja  im Dierenrijk in Mierlo

Es dauerte eine ganze Zeit, bis die sechs alle Fische gefunden und verspeist hatten. Man verteilte sich sich über die große Anlage und mampfte friedlich die verstreuten Fische. Beja und Frimas mögen offenbar keine Köpfe, sie bissen sie sorgfältig ab, bevor sie sich den Rest des Fisches einverleibten, sehr zur Freude eines Storches und eines Reihers, die zunächst aus sicherer Entfernung die Eisbären beobachteten, bevor die sich aufmachten die Fischköpfe einzusammeln. Eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, denn Noordje sah nicht ein, dass sie mit Vögeln teilen sollte und jagte die geflügelten Räuber über die Anlage. Die „Kinder“ und ihr Vater Henk waren weniger wählerisch, sie schluckten die Fische am Stück hinunter. Noordje trug die Fische allerdings zunächst im Maul ein Stück über die Anlage, bevor sie sie fraß. Das interessierte ihren Bruder Pixel und er verfolgte sie ein Stück, vielleicht hoffte er, dass sie ihre Beute fallen ließ. Wash hatte sich in der Mitte des Geheges niedergelassen, fraß noch ein paar Fische zum Nachtisch und achtete darauf, dass ihr keiner der anderen zu nahe kam. Sie will ihre Ruhe haben.

Eisbärin Noordje im Dierenrijk in Mierlo

Graureiher im Dierenrijk in Mierlo Weißstorch im Dierenrijk in Mierlo

Eisbärin Frimas  im Dierenrijk in Mierlo

Bevor man die Vergesellschaftung von Frimas und ihrem Nachwuchs mit Henk gewagt hatte, hatte man sich bei anderen Eisbärenhaltern erkundigt, welche Erfahrungen sie gemacht hatten. Man hat wohl bei den Falschen nachgefragt, denn die Antwort war, dass man es lieber nicht wagen würden. Die Tierpflegerin war überrascht zu hören, dass in Aywaille 2012 genau das Gleiche gemacht worden war. Ähnlich wie in Aywaille ist es auch in Mierlo die Mutter Frimas, die die Spielregeln bestimmt. Ist sie der Meinung, dass Henk zu nahe ist, legt sie einen Zwischenspurt ein und scheucht ihn weg. Anders als in der Monde Sauvage ist im Dierenrijk allerdings Platz genug da, dass das nur selten nötig ist. Obwohl Henk deutlich größer als Frimas ist und ihr sicher leicht Paroli bieten könnte, folgt er brav ihren Anweisungen. Schließlich hat er ja noch Beja, wenn ihm danach ist ein bisschen zu schmusen und sich zu kabbeln.

Eisbären Frimas, Henk, Pixel und Noordje  im Dierenrijk in Mierlo

Pixel und Noordje wissen recht genau, dass die anderen Eisbären den Anweisungen ihrer Mutter gehorchen und setzten ihrem sich zurückziehenden Vater nach, allerdings in einem respektvollen Abstand.

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Pixel und Noordje werden noch bis zum Herbst im Dierenrijk bleiben. Dann steht für Noordje eine weite Reise bevor, sie wird nach Kanada in den Zoo sauvage de St-Félicien transportiert werden. Dies ist ein Teil der Vereinbarungen zwischen dem niederländischen und den kanadischen Tierpark, die beim Tausch von Frimas und Yellé getroffen worden waren. Ein neues Zuhause für Pixel sucht man noch, wenn alles nach Plan verläuft, soll er auch im Herbst in einen anderen europäischen Zoo umziehen.

Eisbären Noordje und Pixel im Dierenrijk in Mierlo

Bis dahin sind es ja noch einige Monate, in denen wir die beiden Youngster und ihre große Familie besuchen können. Ein Besuch bei den Eisbären im Dierenrijk macht uns immer viel Freude. Hier haben die Bären viel Platz und eine natürliche Umgebung, die ihnen viel Abwechslung bietet. Als wir, bevor wir uns auf den Heimweg machten, noch einmal an der Eisbärenanlage vorbei gingen, waren Pixel und Noordje nach einem Bad dabei, sich wieder in richtige Drecksspatzen zu verwandeln. Pixel hat sich wohl vorgenommen, bis zum Herbst noch den senkrecht aufgestellten Baumstamm zu fällen, an dessen unterem Ende er schon ganze Arbeit geleistet hat. Noch kann seine Mama sich dagegen lehnen und daran schubbern um ihr Fell zu trocknen.

Eisbären Frimas und Pixel im Dierenrijk in MierloEisbär im Dierenrijk in Mierlo

Beja hatte es hinter einem Felsblock in der Nähe des Wasserbeckens gemütlich gemacht, an einem Platz, von dem aus sie die ganze Anlage überblicken konnte. Henk wanderte unentschlossen über die Anlage zum Becken hinüber, sollte er ein Bad nehmen – er hätte es nötig gehabt 😉 – oder doch lieber sich neben Beja legen. Erst einmal ein bisschen trinken und dann entschloss er sich erst einmal für einen Platz an einem Stein. Gedankenverloren spielte er mit einem blauen Seil, das er am Beckenrand eingesammelt hatte.

Eisbär Henk im Dierenrijk in Mierlo

Wash wäre gerne ins Innengehege verschwunden. Sie hatte genug von der Gesellschaft der anderen. Aber die Tür war zu. Also suchte sie sich einen anderen ruhigen Platz, es gibt ja in Mierlo genügend davon.

Mehr Fotos gibt es hier.

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6 Antworten zu “Mierlo: Was für ein Gewusel! – Sechs Eisbären in einem Gehege

  1. Pingback: München: Harmonisches Familientreffen am Kontaktgitter bei den Eisbären | Eisbären im Zoo - Polar Bears in Zoos

  2. Hallo Zusammen,
    am Ostersonntag konnte ich mich persönlich vom harmonischen Zusammenleben der 6 Eisbären überzeugen. Wie entspannt Frimas ihre beiden Kinder nur 10 Meter neben Henk trinken lässt ! Einfach toll !

    Ich glaube Henk ist auch ein ganz Lieber er schaut nur mal ganz entspannt seine Kinder an und widmet sich schnell anderen Dingen. Das Experiment ist auf jeden Fall geglückt. Wer kann sollte sich das mal mit eigenen Augen ansehen !

    Viele Grüße vom Niederrhein

  3. Liebe Ulli,
    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht mit den schönen Fotos dazu, leider werde ich diesen Zoo nicht besuchen können. Durch eure Besuche bin ich dann immer imformiert.
    Liebe Grüße
    Gudrun

  4. Hallo Ulli

    Ich finde es toll, wie die Niederländer es in ihren Zoos
    handhaben und bis jetzt ging ja auch immer alles gut. 🙂

    Christa, ich mußte auch gleich an dich denken.
    Da bekommt ihr schönen Zuwachs im Herbst. :yes:

    Grüssle Chris :wave:

  5. Ach Ulli,
    das ist ja eine tolle Nachricht, dass die Nordje nach St. Félicien kommt!
    Da werde ich sie dann ganz bestimmt besuchen!
    In der Zwischenzeit hoffe ich, dass DU sie noch ein paar Male sehen kanst!

    Baerige Gruesse aus Kanada
    Christa

  6. Liebe Ulli,

    jetzt muss ich ein ganz großes NeidlosMantra beten;)
    Wie herrlich, wie gerne würde ich mal dabei sein, aber dank euch bin ich es ja fast.
    vielen dank für den bericht und die feinen bilder.

    liebe grüße, brigitte

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