Umzüge

Februar/ März 2015

Die letzten Wochen gab es eine richtige Umzugswelle – zumindest bei den Eisbären in den Zoos. Manche kannten die Prozedur schon und die Artgenossen, auf die sie in ihrer neuen Umgebung trafen, weil es für sie im Frühjahr die übliche Routine ist und das „neue“ Zuhause eigentlich ein „altes“. Für andere bietet der Umzug neue Erfahrungen und neue Bekanntschaften allerdings nur auf Zeit. Doch für den jüngsten der Eisbären ist es der Beginn eines Lebens in einem neuen Zoo, wo er zusammen mit anderen heranwachsen soll. Aber der Reihe nach.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre

 Moni im September 2014

Für Moni in La Palmyre ist es ein ganz „kleiner“ Umzug vom Wintergehege zurück in die Eisbärenanlage, die er vom Frühjahr bis Herbst mit seiner Partnerin Tania teilt. Doch bei einem 28 Jahre alten Eisbären ist auch so ein kurzer Transport quer durch den Zoo alles andere als Routine. Schließlich ist auch dafür eine Narkose notwendig. In La Palmyre gibt es zwei Eisbärenanlagen, die aktuelle Eisbärenanlage und ein ganzes Stück entfernt das alte Gehege, das etwas abseits vom dem Weg liegt, der für die Besucher durch den Zoo führt. Jedes Jahr wird Moni, der männliche Eisbär, hierhin transportiert, um dem Weibchen im Winter etwas Ruhe zu gönnen. Im Winter 2013/2014 war diese Routine unterbrochen worden, weil Tina aus dem Zoo Mulhouse im Wintergehege untergebracht war. Aber im letzten Herbst war dann wieder alles „normal“ und Moni musste umziehen.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Tania im Herbst 2014

Wir waren im Herbst 2014 in La Palmyre und konnten sehen, dass Tania Stress hatte. Normalerweise ist Moni derjenige der Eisbären, der durch Stereotypen auffällt. Er hat dieses Verhalten schon gezeigt, bevor er nach La Palmyre kam, und ein Schild am Gehege informiert, dass man es ihm trotz einiger Bemühungen nicht abgewöhnen konnte. Doch im letzten Herbst, war Moni ein total entspannter Eisbär, der die meiste Zeit ruhte und ab und zu ein bisschen seine Glieder streckte. Man sah, dass ihm die Bewegung nicht leicht fiel. Aber er ist ja auch schon ein älterer Herr.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre

Eisbär Moni im Zoo de La PalmyreEisbär Moni im Zoo de La Palmyre

Tania dagegen schwamm ununterbrochen Runden im Wasser. Wir waren zunächst ziemlich unsicher, ob der Eisbär im Wasser wirklich Tania war, weil wir sie so gar nicht kannten. Der Eisbär draußen sah zwar eindeutig größer aus. Aber war er das wirklich? Doch dann konnten wir, als er aufstand eindeutig feststellen, dass der Bär an Land ein Kerl war. Die Eisbärin wäre an diesem Tag vermutlich lieber allein im Gehege gewesen. Ihr hat es sicher gefallen, dass sie für ein paar Monate die Anlage für sich allein hatte.

Eisbärin Tania im Zoo de La PalmyreEisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Die für den Rücktransport notwendige Narkose nutzte der  Zoo um Monis Gesundheitszustand zu überprüfen. Es soll ihm bis auf ein paar altersbedingte Einschränkungen gut gehen. Trotzdem, wenn man sich die Fotos anschaut, und Moni im letzten Herbst gesehen hat, dann ist man froh, dass er die Prozeduren im Herbst und im Frühjahr heil überstanden hat.

01 Moni

02 Moni09 Moni Tatzen

11 Moni Zähne12 Moni und Tania

Foto: Zoo de La Palmyre

Auch für Umzugskandidat Nummer Zwei ist es schon Routine, wenn er im Frühjahr auf die Reise geht. Inukshuk wurde im Februar wieder vom Polar Bear Habitat in Cochrane zurück in den Toronto Zoo transportiert. Hier traf er auf seine beiden „alten“ Partnerinnen Aurora und Nikita. Während das dem Toronto Zoo keine Meldung wert ist, erinnert man sich in Cochrane ein bisschen wehmütig an seinen Schützling und freut sich schon darauf, wenn er im Herbst wieder zurückkommt. Inukshuk soll in Toronto für Nachwuchs sorgen, da heißt es Daumen drücken, dass es in diesem Jahr auch klappt und eine seiner beiden „Damen“ in nächsten Winter, den Nachwuchs dann auch aufziehen wird.

Mit dem Nachwuchs hat es in einem anderen kanadischen Zoo bisher ja auch nicht so, wie gewünscht, geklappt. Trotz einiger Anstrengungen von Yellé hat Aisaqvak auch in diesem Winter im Zoo sauvage de St-Félicien keine Jungtiere zur Welt gebracht und dabei hatte es im letzten Frühjahr ganz so ausgesehen, als ob das Eis zwischen den Beiden gebrochen sei. So hat man sich in diesem Jahr entschlossen mit dem Aquarium du Québec die männlichen Eisbären zu tauschen. Dort lebte Aisaqvaks fünf Jahre alte Tochter Taiga zusammen mit dem 15 Jahre alten Eisbären Eddy. Nun ist Eddy in St-Félicien und Yellé leistet in Sainte-Foy Taiga Gesellschaft. Ob Yellé Taiga schon Auge in Auge getroffen hat, wurde nicht berichtet. Aber Eddy hat schon gezeigt, dass er verstanden hat, was der Zweck seines Reise ist. Ein Video ist der Beweis. Mal schauen, ob Eddy auch Milak kennenlernen darf, die seit Dezember in St-Félicien lebt. Und natürlich bin ich auch neugierig, was aus Yellé und Taiga wird. Schließlich ist sie nun alt genug, um im nächsten Jahr Nachwuchs zu bekommen. Vielleicht bekommt ja Yellé eine Chance zu beweisen, dass es nicht an ihm liegt, dass in St-Félicien kein Nachwuchs zur Welt kam. Im Herbst werden die beiden Bären wieder die Rückreise in ihren „Heimatzoo“ antreten.

Auch in Japan musste ein Eisbär auf die Reise gehen. Gogo teilt das Schicksal von Felix und Lars, die den Platz für ihren Nachwuchs frei machen müssen. Damit Baffin mit ihrer Tochter ungestört die Eisbärenanlage nutzen kann, wurde er auf die Reise in die Adventure World in Shirahama geschickt. Hier lebt die 23 Jahre alte Ohoto, seit im letzten Jahr Arctic gestorben ist, ohne männlichen Partner. Sie hat schon zwei Jungtiere zur Welt gebracht, die allerdings Beide mit der Hand aufgezogen wurden, da sie sich nicht um sie kümmerte. Nun soll Gogo hier für eine weitere Geburt sorgen. Die Eisbärenanlage in der Adventure World ist eine Indoor Anlage und so bedauere ich es ein bisschen, dass man nicht einen anderen Zoo für Gogo ausgesucht hat. In Tokio wartet schließlich auch Dea auf einen Partner. Auch Gogo wird vermutlich wieder zurück nach Osaka transportiert werden, wenn sein Nachwuchs alt genug ist.

Gogo 01

Gogo 02Gogo 03

Fotos von Gogos Abschiedsparty vom Keepers Blog des Tennoji Zoos

Für Humphrey, den jüngsten Eisbär, der umziehen musste, ist es allerdings kein Umzug für kurze Zeit. Der 17 Monate alte Sohn Auroras hat den Toronto Zoo verlassen, um in Winnipeg das jüngstes Mitglied der Youngster WG zu werden, die dort heranwächst, miteinander spielt und sich zusammenrauft. Zunächst ist er noch alleine in einem Gehege des International Polar Bear Conservation Centre des Assiniboine Park & Zoo untergebracht. Bald soll er aber auch nach und nach die anderen Eisbären kennenlernen und wenn alles gut geht, zusammen mit seinem älteren Bruder Hudson und den anderen auf der Eisbärenanlage „Journey to Churchill“ herumtollen. Für die Handaufzucht Humphrey ist es besonders wichtig, dass er im Zusammenleben mit Artgenossen alles lernt, was ein Eisbär wissen muss.

Humphrey 01Humphrey 02

Humphrey 03

Fotos: Assinniboine Park & Zoo

Fortsetzung folgt …

Quellen – Sources:

Facebookseiten: Zoo de La Palmyre, Polar Bear Habitat Cochrane, Zoo sauvage de Saint-Félicien , Assiniboine Park & Zoo Winnipeg, Toronto Zoo

Keeper’s Blog des Tennoji Zoos Osaka

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2 Antworten zu “Umzüge

  1. Das ist alles wieder total interessant, was ihr berichtet. Von Gogo hatte ich ja schon gehört und auch aus Toronto, aber dass Yellé umziehen musste ist mir ganz neu.
    Vielen Dank für alle diese Informationen.
    Habt noch einen schönen Sonntag.
    Liebe Grüße
    Brigitte

  2. Liebe Ulli. Danke für Deinen interessanten Bericht. Ich wünsche den Eisbären alles Gute, und Dir natürlich auch.

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