Wolokolamsk: Aus dem Leben zweier Bären – Verschiedene Charaktere

Wolokolamsk, Oktober 2014

Der Zoo Moskau hat auf Facebook eine Video verlinkt, dass Aion und Milana im Aufzuchtzentrum des Moskauer Zoos in Wolokolamsk zeigt, die Besuch vom Aions Rettern von der Eisbären Patrouille des WWF Russland erhalten haben. Ein Grund für mich im Internet nach neuen Informationen über die beiden Eisbären zu suchen.

Auf der Seite des Polar Bear Programms des russischen Präsidenten Putin wurde ich fündig. Hier beantwortet die Zoologin Tatiana Dyomina Fragen über ihre beiden Schützlinge: Aion und Milana.

Aion 01

Aion

Aion wurde als Jungtier von der Eisbären Patrouille des WWF Russland in der Arktis verwaist aufgefunden und gerettet und lebt nun seit mehr als fünf Jahren in Wolokolamsk und Tatiana Dyomina erzählt, wie er sich eingewöhnt und mit Milana, einer Eisbärin, die im Zoo Moskau zur Welt kam, Freundschaft geschlossen hat.

Wie kommen Milana und Aion miteinander aus?

Milana nahm Aion, der von schon sehr früh in die Obhut von Menschen gekommen war, sofort unter ihre Fittiche. Sie wurde in einem Zoo geboren und wurde von ihrer Mutter aufgezogen, deshalb verhält sie sich wie ein Eisbär. Aion wurde aufgefunden, als er nur etwa drei Monate alt war. Er war gerade erst aus der Geburtshöhle herausgekrochen. Er musste das Verhalten eines Eisbären erst lernen. Milana brachte ihm bei, dass Menschen gefährlich sind und er besser Distanz zu ihnen einhalten sollte. Sie sucht auch Nahrung für ihn aus, und zeigt ihm, welches Futter besonders lecker ist und wo er schlafen soll und bringt ihm Spielzeug.

Milana 01

Milana

Die beiden Bären sind gleichaltrig, haben aber vollständig unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht. Milana ist anders als Aion Menschen gegenüber aggressiv. Sie hat keine Bindung an irgendjemanden, selbst dann nicht, wenn man sie füttert. Wenn wir ihr ihre Mahlzeit bringen, wartet sie, bis wir weggehen, und fängt dann erst zu fressen an.

Aion lebte unter Menschen von einem sehr jungen Alter an. Er suchte immer die Nähe der Menschen, aber wenn die Tierpfleger weggingen (wir beobachteten ihn aus der Distanz), verbrachte er seine Zeit mit Milana. Sie brauchten offensichtlich niemanden anderen. Zu Beginn, als sie in getrennten Gehegen nebeneinander untergebracht waren, drückte Milana Spielzeuge in Aions Käfig durch die Gitter oder Fische. Sie kümmerte sich um ihn. Als sie zusammen kamen, schliefen sie aneinandergekuschelt und kämpften und spielten miteinander.

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Aion

Aion brauchte einige Zeit, bis er sich an das Leben in seinem Gehege in Wolokolamsk gewöhnt hatte. Er wendete sich an Menschen, wenn er irgendetwas haben wollte, wie ein Mensch es auch tun würde. Zum Beispiel konnte er nicht schwimmen, weil er eine lange Zeit in einer Tierklinik in Moskau verbracht hatte, wo es kein Schwimmbecken gab. Wir versuchten ihm zu helfen: wir „retteten“ ihn aus dem Wasserbecken, in dem wir Baumstämme hinein warfen und ein Netz, mit dem wir ihn herausziehen konnten. Es ist gefährlich, wenn ein Tier, das nicht schwimmen kann, nicht aus dem Wasser heraus kommt und Energie verliert. Schließlich hat Milana ihm das alles beigebracht.

Eisbären leben einen komplexen Lebensraum, so ist es für ein Eisbärenjungtier anders als für Braunbären schwierig alle notwendigen Fähigkeiten ohne eine Mutter zu lernen.

Alles in allem sind die beiden Eisbären gute Kumpel. Sie kamen nach Wolokolamsk, als sie noch sehr klein waren. Sie spielen immer noch miteinander, manchmal raufen sie und manchmal streiten sie sich ums Futter. Eine ganz natürliche Beziehung also.

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Milana

Was fressen die Eisbären in Wolokolamsk? Was mögen sie besonders gerne?

In menschlicher Obhut müssen die Eisbären keine Not leiden, sie haben einen abwechslungsreichen Speiseplan.  Um die richtige Menge an Kalorien für sie zu gewährleisten, geben wir ihnen Rindfleisch, Geflügel, Fett, verschiedene Gemüse, Obst und Honig – eine ausgewogene Diät.

Sie werden fünf Mal in der Woche gefüttert: normalerweise einmal an jedem Tag, dazu gibt es Tage, an denen sie nichts bekommen, und Tage mit halben Rationen, damit sie sich wie in der Natur ernähren. Schließlich ist in der Wildnis für einen Eisbären nicht jede Jagd erfolgreich. Also ist es normal, dass sie nicht jeden Tag gleich große Portionen verspeisen können. Ihre tägliche Ration beträgt etwa 10 kg von unterschiedlichen Nahrungsmitteln.

Interessanterweise scheint in Milana eine Vegetarierin zu stecken. Sie liebt Nüsse, Salat und Früchte. Aion frisst alles. Beide mögen süße Mischungen aus Trockenfrüchten und Honig. Komischerweise fressen beide Fisch nicht so gerne, der steht ganz unten auf ihrer Wunschliste.

Als im letzten Winter Mitglieder der WWF Eisbären Patrouille kamen, um Aion zu besuchen, brachten sie ein Topf voll mit Ringelrobben-Fett mit. Milana interessierte sich überhaupt nicht dafür. Sie schnupperte daran und ging fort um zu spielen. Aion ließ sein Futter und sein Spielzeug liegen und widmete sich intensiv seinem Geschenk. Er hörte nicht auf den Topf auszulecken, bis er den letzten Tropfen herausgeholt hatte. Ich denke das lag an seiner genetischen Erinnerung. Es erinnerte ihn an etwas, womit ihm seine Mutter immer gefüttert hatte. Bären lieben Ringelrobben und zuallererst vertilgen sie deren Fett. Milana wurde in einem Zoo geboren und aufgezogen, das ist er Grund, warum sie das Fett ignorierte.

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Milana

Wann wird es Nachwuchs von den Beiden geben?

Unser Aion wird in diesem Winter sechs Jahre alt, ist also geschlechtsreif. Letztes Jahr haben Milana und er sich gepaart, aber ohne Erfolg. Wir hoffen also in den nächsten paar Jahren auf Nachwuchs, denn mit ihren sexuellen Instinkten ist alles in Ordnung.

Aion lebt nun seit fünf Jahren hier und ist selbstständig geworden. Er ist ein richtiger Kerl. Wenn die Paarungszeit kommt, weiß er, was zu tun ist, da braucht er keine Hilfe. Das ist wichtig, denn er ist ein Wildfang und seine Gene sind wertvoll für die Zoopopulation.

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Aion

In diesem Jahr haben wir die beiden während der Paarungszeit getrennt, um Nachwuchs zu verhindern. Aber das soll nicht so bleiben.

Quelle – Source:

http://programmes.putin.kremlin.ru/en/bear/news/25188

4 Antworten zu “Wolokolamsk: Aus dem Leben zweier Bären – Verschiedene Charaktere

  1. Danke für diesen sehr interessanten Bericht! Erstaunt hat mich, dass Milana, obwohl sie im Zoo geboren wurde, Menschen gegenüber misstrauisch und aggresiv ist. Während Aion als Wildfang doch Vertrauen zu den Menschen gefasst hat.
    Aber es ist schön, dass die beiden so gute Kumpel sind und Milana Aion in allen wichtigen Dingen „unterrichtet“.
    Ich wünsche den beiden Bären alles Glück der Welt und einige Jungtiere; ich bin sicher, Milana wird eine wunderbare Mutter sein!
    Liebe Grüße aus Erlangen
    Heidi

  2. Alles Liebe und Gute für diese beiden lieben Bären!

    LG Brigitte.

  3. Ach Ulli, da bist du aber fuendig geworden!!!!
    Toll, wie ausfuehrlich da alles berichtet wird!
    Danke fuer deine Muehe und
    baerige Gruesse aus Kanada
    Christa

  4. Das ist ein großartiger Artikel, ich habe ihn verschlungen.
    Viele, vielen Dank fürs Suchen und Finden und fürs Einstellen, Ulli und Gerhard.
    Ich wünsche den beiden Glück in ihrem Leben und dem Zoo und den beteiligten Mitarbeitern Erfolg irgendwann mit dem Züchten.
    LG Brigitte

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