Kansas City: Eine kleine Presseschau von Nikitas Abschied

Kansas City, 19. Dezember 2015

Foto: KC Zoo

Foto: KC Zoo

Das ist Nikita und er wird in den ersten Tagen des Neuen Jahres umziehen. Ein Umzug, über den sich die einen freuen, der die anderen aber traurig macht. Überall in den USA berichten Online Medien darüber. Dabei ist es interessant nachzulesen, wie unterschiedlich die Schlagzeilen sind, je nachdem wo die Zeitung beheimatet ist.

Here’s Nikita, and he’s hitting the road in early January. An event that leaves some joyful and others sad. Meanwhile his face is all over the US media. It’s quite interesting to compare the headlines, slanted toward the newspaper location and attitude to the whole thing.

Die Greensboro News titelt “ Kansas City saying goodbye to Nikita before she travels to Asheboro“ („Kansas City verabschiedet sich von Nikita bevor sie (!) nach Asheboro zieht.“) Greensboro liegt mitten im US Bundesstaat North Carolina und das neue Zuhause von Nikita, der North Carolina Zoo, in Asheboro liegt rund 45 Kilometer südlich davon. Warum der Redakteur in der Überschrift aus dem männlichen Eisbär eine „sie“ gemacht hat, wird nicht so ganz klar, denn im Artikel steht eindeutig, dass ein Männchen nach Ashboro kommen wird. „Before he heads to North Carolina, we are giving Nikita one of his favorite things, ICE …“ („Bevor er sich Richtung North Carolina aufmacht, werden wir ihm das geben, was er am liebsten hat, EIS!…“) Natürlich kommt in dieser Berichterstattung auch ein zukünftiger Fan Nikitas aus North Carolina mit einem Facebookeintrag von der Seite des Kansas City Zoos zu Wort: „Ich habe gerade einen Beitrag gesehen, dass sie einen Eisbären in den NC Zoo schicken. Danke. Euer Eisbär wird wahnsinnig geliebt werden und die beste Pflege überhaupt erhalten. Wir sind nach hier aus dem Staat New York gezogen und lieben diesen Zoo total. Sie haben eine gute Wahl getroffen.“

The Greensboro News leads with, “Kansas City saying goodbye to Nikita before she [sic] travels to Asheboro”. Greensboro lies in the state of North Carolina, and 35 miles south of that lies the North Carolina Zoo, Nikita’s new home. Why the editor in the heading of the male polar bear call him a „she“ is not so clear, because the item is clear that a male will come to Ashboro, “Before he heads to North Carolina, we are giving Nikita one of his favorite things, ICE …” Naturally in this excitement there was this headline by one of Nikita’s future fans in North Carolina, taking the side of the North Carolina Zoo, so to speak: „I just saw a post that you sent a polar bear in the NC Zoo. Thank you. Your polar bear will be loved madly and get the best care of all. We moved here from New York State and will love this zoo faithfully. You have made a good choice. „

Foto: KC Zoo

Foto: KC Zoo

Die Duluth News Tribune stellt eher Berlins Schicksal in den Focus ihrer Berichterstattung: „Berlin bids adieu to polar bear beau“ („Berlin sagt ihren Eisbär Beau Adieu“). Schließlich hat die Eisbärin eine lange Zeit im Lake Superior Zoo gelebt und man erinnert sich noch gut an sie und scheint sie auch immer noch zu vermissen. Man bedauert, dass es mit Nachwuchs von Berlin und Nikita nicht geklappt hat. „Man sagt, dass die Liebe eine Herrlichkeit auf Erden ist, aber man kann auch sagen, dass Liebe nicht immer für alle Menschen funktioniert. Oder für Eisbären.“ beginnt der Artikel. Und im weiteren wird Berlins Geschichte erzählt und die abwechslungsreiche Beziehung zwischen dem jungen Nikita und der erfahrenen Berlin. „Sie kam in jedem Frühling in den letzten drei Jahren, seit sie hier war, in die Hitze“, erklärte Randy Wisthoff der Direktor des Kansas City Zoos. „Sie und Nikita waren wirklich eng befreundet zu dieser Zeit. Es war ein völlig anderes Verhalten als im Rest des Jahres.“

The Duluth News Tribune talks more about Berlin’s future in the focus of their reporting.  “Berlin bids adieu to polar bear beau.”  Berlin lived for a long time at the Lake Superior Zoo, and everyone remembers her well and seems to miss her.  Everyone regrets that it didn’t work out with Berlin and Nikita. „They say that love is a glory on earth, but one can also say that love does not always work for all people. Or for polar bears.“ Begins the article. And afterwards Berlin’s story is told and the varied relationship between the young Nikita and the experienced Berlin. „She came every spring for the past three years, since she was here, in the heat,“ said Randy Wisthoff director of the Kansas City Zoo. „She and Nikita were really close friends at this time. It was a completely different behavior than in the rest of the year. „

Foto: Berlin von Josh Hollingsworth / KC Zoo

Foto: Berlin von Josh Hollingsworth / KC Zoo

Geklappt hat es zwischen den beiden dann leider doch nicht. Was vermutlich an dem für eine Eisbärin schon fortgeschrittenen Alter Berlins lag. Die Bärin war bereits 23 Jahre alt, als sie 2012 nach Kansas City kam und hatte noch nie Jungtiere aufgezogen. Schlechte Voraussetzungen. Warum sie aber in den drei Jahren vier Jahre älter geworden ist “ now a certifiably senior bear at 27″ (nun ein deutlicher Senior Bär mit 27), erschließt sich mir nicht so ganz. Allerdings werden Eisbären gerne mal ein Jahr älter gemacht, als sie es eigentlich sind. Berlin verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie 1989 geboren wurde, dem Jahr des Falls der Berliner Mauer.

It didn’t work out well between the two of them. It was probably due to Berlin’s advanced age; she was already 23 years old when she came to Kansas City and had never raised a cub. But I don’t really understand why she got four years older during a time of three years, “now a certifiably senior bear at 27”. Polar bears are often made a year older than they really are. Berlin owes her name to the fact that she was born in 1989, the year of the fall of the Berlin Wall.

Foto: KC Zoo

Foto: KC Zoo

In Kansas City ist man traurig, dass man Nikita ziehen lassen muss. Auch wenn man es ihm gönnt, dass in Asheboro mit Anana eine jüngere Partnerin auf ihn wartet. Der Kansas City Star schreibt: „Fans say goodbye to Nikita, the Kansas City Zoo’s polar bear“ (Die Fans verabschieden sich von Nikita, dem Eisbären des Kansas City Zoos.) Vielen fällt es schwer, sich den Zoo ohne Nikita vorzustellen. Renee Sykes, 53, aus Blue Springs erzählt in dem Artikel, dass sie in den vergangenen fünf Jahren, wenn sie mit ihren Nichten und Neffen oder Kinder aus ihrer Kirche in den Zoo kam, Nikita Zuhause fast jedes Mal ihre erste und letzte Station war. „Sie rannten immer, um ihn als erstes zu sehen“, sagte sie. „Dann mussten wir ihn wieder sehen, bevor wir gingen.“

In Kansas City, they’re sorry to see Nikita leave, even if you do factor in that in Asheboro with Anana, a younger partner is waiting for him. The Kansas City Star writes: “Fans say goodbye to Nikita, the Kansas City Zoo’s polar bear”. Many find it hard to imagine the zoo without Nikita. Renee Sykes, 53, from Blue Springs, explains in the article, that when she had come to the zoo in the previous five years with nieces and nephews or children from her church, Nikita’s exhibit was almost always their first and last stop. “They’d run to see him first,” she said. “Then we’d have to see him again before we left.”

Ann Pisani; die im Kansas City Zoo für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Direktorin, nennt ihn den „Rockstar“ des Zoos und erinnert sich, dass es heiß war, als Nikita im August 2010 in den Kansas City Zoo kam, „um auf großem Fuß als der Prinz der Renaissance des Kansas City Zoos zu leben“. Wenn man den Artikel liest wird deutlich, dass viele Besucher des Zoos und alle Mitarbeiter so denken wie Megan Martinez, 50, aus Kansas City und ihre 11-jährige Tochter Ava: „Wir werden ihn vermissen.“

Ann Pisani, a docent at the KC Zoo, calls him the zoo’s “rock star”, remembers how hot it was the day Nikita arrived, „living up to his role as the prince of the Kansas City Zoo’s renaissance.“ If the article is correct, many visitors and all the keepers think like Megan Martinez, 50, from KC and her 11-year-old daughter Ava. “We’re going to miss him.”

Foto: Shelly Central

Foto: Shelly Central

Der interessanteste Beitrag zum Abschied von Nikita, der mit mehreren Abschiedspartys zwischen dem 19. Dezember und dem 3. Januar gefeiert wurde und wird, findet man auf der Webpage des KCUR , des führenden Fernseh- und Radiosenders der Region um Kansas City. „Bye Bye Nikita — A Farewell Letter About A Kansas City Polar Bear“. Es ist ein Brief des Direktors des Kansas City Zoo, Randy  Wisthoff, an die Mitglieder der Zoofreunde. Er erinnert sich ein bisschen wehmütig an die Ankunft von Nikita und auch Berlin und die Hoffnungen, die damit verbunden waren. Betont aber auch, dass es richtig ist ihn nach Asheboro gehen zu lassen.

The most interesting article about Nikita, celebrated at a number of parties between December 19 and Januuary 3, will be found on the webpage of KCUR, the leading radio and television state in the Kansas City area. “Bye Bye Nikita — A Farewell Letter About A Kansas City Polar Bear”. It is a letter from Randy Wisthoff, directror of the Kansas City Zoo to the members of Zoofriends. He reminisces nostalgically of the arrival of Nikita and Berlin and the hope that came with them. Meanwhile he stressed that he thought it was the right thing that they’re going to Asheboro.

Gina Kaufmann von KCUR beim Abschiedsinterview von Nikita - Foto vom KC Zoo

Gina Kaufmann von KCUR beim Abschiedsinterview von Nikita – Foto vom KC Zoo

„Es gibt viele Zahlen und Statistiken, die ich verdauen und verstehen musste, um die Entscheidung zu erleichtern, wie ungern ich sie auch treffen wollte, Nikita zu erlauben, den Eisbären zu helfen zu überleben. In einer Situation in der die Logik Emotionen überwinden muss,  muss Nikita nach Asheboro, North Carolina reisen, und dort Anana treffen, eine 14-jährige Bärin, die ursprünglich aus der Lincoln Park Zoo in Chicago kam.

Wir spüren, dies ist die beste Möglichkeit, um mehr Eisbären für Kinder und Familien zu bekommen, damit sie Freude an ihnen haben und mehr über sie lernen. Die Notlage der Eisbären in freier Wildbahn ist an einem kritischen Punkt und Tierhalter in der ganzen Welt sind mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft in nur einen einzigen Zweck engagiert:  Rettet den Eisbären!“

“There are lots of numbers and statistics that I’ve had to digest and understand to help facilitate the decision, however badly I don’t want to make, to allow him to help polar bears survive. In a situation where logic has to overcome emotion, Nikita must travel on to Asheboro, North Carolina, and meet Anana, a 14-year-old female bear originally from the Lincoln Park Zoo in Chicago.

We feel this will give us the best opportunity to make more polar bears for kids and families to enjoy and learn about. The plight of the polar bear in the wild is at a critical point and zookeepers around the world are engaged with the scientific community around a singular purpose; save the polar bear!”

Anana wartet schon auf Nikita - Foto von Valerie Abbott

Anana wartet schon auf Nikita – Foto von Valerie Abbott

Der Brief endet mit der Hoffnung: „Wir wünschen Nikita großer Erfolg und hoffen, dass er seinem speziellen Schwimmstil an seine Jungen vererben wird; viele Jungtiere und viele Schwimmzüge. Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages in den nächsten Jahren einen „Little Nikita“ gleich wieder hier im Kansas City Zoo begrüßen können.“

The letter ended with this wish, “We will wish Nikita great success and hope he passes on his special swim moves to his cubs; lots of cubs and lots of swim strokes. Who knows, maybe some day in the next few years we’ll be welcoming a ‚Little Nikita‘ right back here at the Kansas City Zoo.”

4 Antworten zu “Kansas City: Eine kleine Presseschau von Nikitas Abschied

  1. USA will es nicht gelingen ?? LG Marga

  2. Deine Berichte über all die faszinierenden weißen Fellfreunde sind immer so interessant zu lesen liebe Ulli. Was macht Rhenen und andere Zoos so sehr erfolgreich -und in den

  3. Vielen Dank liebe Ulli für Deinen schönen Bericht. Von mir auch die allerbesten Wünsche an Nikita 😍

  4. Alles Liebe und Gute für Nikita in der neuen Heimat!

    LG Brigitte.

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