Eisbärenbesuche – Yorkshire Wildlife Park: Teil I – Baufortschritte oder „Who’s who?“

Doncaster, 20. September 2016

Es war ein Tag zum Faulenzen in einer warmen, gemütlichen Wohnung. So hätten wir uns bestimmt entschieden, wenn wir nicht im Norden Englands gewesen wären und auf unserem Urlaubsplan nicht der Besuch im Yorkshire Wildlife Park gestanden hätte. Das Wetter war typisch englisch, so wie es sich ein Kontinentaleuropäer vorstellt – beständiger Nieselregen bei frischen Temperaturen. Ein Härtetest für unsere Regenponchos. Die versprochene Aufheiterung kam erst am Abend, als wir längst wieder auf einem Campingplatz standen. Trotzdem war es ein wunderbarer Urlaubstag. Und das verdanken wir vor allem den vier Eisbären: Viktor, Pixel, Nissan und Nobby.

It was a day, we definitely would have decided to stay at home in our a warm and cosy house, if we had not been in the North of England, and we had not been planning to visit the Yorkshire Wildlife Park. The weather was typically English, so as Continental Europeans expect, drizzly and a chilly temperature. It would do for quality testing our rain ponchos. The promised rise in temperature arrived only in the evening, after we had already returned to our campground. In spite of all that, it was a great visit, and we have only the four polar bears – Victor, Pixel, Nissan, and Nobby – to thank for that.

Wir waren pünktlich um 10:00 an der Zookasse und gingen dann zielstrebig zur Eisbärenanlage, neugierig wie weit die Arbeiten an Gehege Nummer drei und vier fortgeschritten waren. Eine Tierpflegerin kletterte gerade vom Innengehege auf den Besucherweg. Sie schien noch einiges zu tun zu haben, denn schnell war sie verschwunden. Also gab es erst einmal keine Hilfe beim „Who’s who“ bei den Eisbären.

We arrived at the ticket window promptly at 10 a.m., and went on into the property, curious about the progress on the work that had been taking place on Enclosures #3 and #4. A keeper climbed directly from the interior area to the visitors‘ path. She seemed to have a lot to do and moved on quickly. At first, she also gave us no help in the matter of which bear was where.

Im Gehege Nummer 2 war Viktor, der einzige der vier Bären, den ich eindeutig identifizieren konnte, und ein jüngeres Exemplar. Nissan oder Nobby? Keine Ahnung. Auf der anderen Seite des Weges in Gehege Nummer 1 konnten wir nur einen Eisbären entdecken, der gerade Richtung See spazierte. Wo war denn der vierte Bär?

In Enclosure #2 was Victor, the only one of the four bears I could identify with certainty.  There was a younger bear too.  Was that Nissan or Nobby?  No idea.  On the other side of the road, we could only see one bear in Enclosure #1, and it was just lumbering toward the lake.  Where was the fourth bear?   

Viktor half uns, ihn zu finden. Er marschierte in Richtung Innengehege, offenbar um nachzusehen, wo Pixel blieb. Der war nämlich noch drinnen eingeschlossen. Ich war mir keineswegs sicher, ob das wirklich Pixel war. Aber er schien größer zu sein, wie die beiden anderen jüngeren Eisbären und er hatte die lange, schmale Nase von Pixel. Warum war er abgesperrt? Hoffentlich würde das nicht so bleiben, denn durch die Zäune des Absperrgeheges konnte man nur ganz schlecht fotografieren.

Victor helped us to find him. He marched toward the inside space, evidently trailing Pixel. I’m not entirely sure if it was really Pixel, but he seemed to be bigger than the two other younger bears and he had Pixel’s long narrow nose. Why had he been kept inside? Hopefully things wouldn’t remain that way because through all the fences of the inside enclosure, it would be hard to take a good photo.

Pixel schien sich in seinem Séparée wohl zu fühlen. Er fand noch etwas zu Futtern, trug es von einem Zimmer ins andere und wanderte dann am Zaun des Absperrgeheges entlang. Die anderen Bären kamen alle mal am Absperrgehege zum Innengehege vorbei. Sie wollten wohl auch wissen, warum Pixel da allein drin war.

Pixel seemed happy enough in his separate space. He found some food and carried it from place to place then along the fence of the enclosure. The other bears all came over to the fence in front of the inner area. They were probably wanted to know, why Pixel was alone in there.

Oben links: Gehege 1 – oben rechts und unten: Gehege 2
Above, Enclosure #1 and below, #2

Da niemand da war, den man hätte fragen können. Schauten wir uns erst einmal an, wie weit man mit den beiden Gehegen war, die noch errichtet werden sollen. Mit dem vierten Gehege hat man immer noch nicht angefangen, obwohl man uns im letzten Jahr erzählt hatte, man hoffe, dass die Eisbärenanlage 2016 komplett fertig sei. Aber im Gegensatz zu den unvollendeten Baumaßnahmen in Deutschland (wie z. B. der Berliner Flughafen oder die Kölner Oper) verursacht hier die Bauverzögerung keine Probleme. Noch werden die Gehege ja nicht unbedingt gebraucht. Im Gehege Nummer 3 konnte man aber deutliche Fortschritte feststellen. Da sieht es ganz so aus, als ob es noch in diesen Jahr fertig würde.

There was no one around to ask. We looked to see how far the construction of the other two enclosures had progressed. Although it had been explained to us that they hoped to have the whole thing ready by 2016, they haven’t started to built the fourth enclosure. However, in comparison to incomplete structures in Germany (for example, the Berlin Airport or the Cologne Opera House), it wasn’t really causing a problem. Enclosures weren’t necessarily needed. Progress had been made on Enclosure #3, and it looked to be finished soon. It could be ready this year.

Obere Reihe: Platz von Gehege 4 – unten: Gehege 3 
Top row, space for Enclosure #4, below, Enclosure #3

Ende August gab es einen Artikel im Internet, in dem das Tiefbauunternehmen VHE Construction, die Baumaßnahmen beschreibt, die es im Yorkshire Wildlife Park in dem Eisbärengehege durchgeführt hat. Es waren besondere Sicherungsmaßnahmen nötig, da unter dem Hang des Geheges eine Gasleitung verläuft. Dazu wurde der Untergrund mit Geotextilien und sich selbstverdichtenden Steinen bis in den Teich hinein verstärkt. In die bereits vorhandene Böschung wurden Stufen geschnitten. Diese Bauarbeiten stießen auf großes Interesse bei den Zoobesucher und den Eisbären nebenan.

At the end of August there was an article on the internet, where the engineering company, VHE Construction, described what they had done at the Yorkshire Wildlife Park. Special safety precautions were needed, since a gas main easement runs under the slope. The ground there was strengthened with geotextiles and self-compacting stone into a large pond. Steps were cut into the existing embankment. This work attracted a great deal of interest from zoo visitors, as well as neighboring bears.

Foto: VHE

Foto: VHE

Später erfuhren wir, dass man das Design des Geheges so modifiziert hat, dass weitergebaut werden konnte. Es kommen ein paar Felsen weniger als ursprünglich geplant in das Gehege, das aber trotzdem einen felsigen Charakter haben soll, um sich von den anderen Anlagen zu unterscheiden.

Later we learned that the plans for the enclosure had been changed, so that it could be built on further.  A few boulders had been removed, but in general it was intended to be rocky, so different from the other enclosures. 

Es wurde immer noch fleißig an dem Gehege gearbeitet und dabei kam auch schweres Baugerät zum Einsatz. Trotzdem interessierten sich die Eisbären kein bisschen mehr dafür. Der junge Eisbär im Gehege Nummer 1 hatte eine zerbeulte, blaue Tonne entdeckt, die ausgiebig bespielt werden musste. Wie viele Eisbären es machen, suchte er eine Stelle, in die man sie hineinstecken konnte, und fand sie schließlich zwischen den Steinen auf der kleinen Insel mitten im See. Aber da sollte sie natürlich nicht bleiben. Sie wurde wieder herausgezogen, über den See transportiert und hoch in die Luft geworfen.

They were still working on the space, and there was construction equipment in use. However, the bears had lost interest. The young polar bear in Enclosure #1 had discovered a battered blue bin, so it needed to be checked out at great length. As many polar bears do, he wanted a private place to put it in, and he found it at last between stones on the islet in the middle of the lake. But of course, leaving it there was not a good choice. It was freed up again, pushed across the lake, and launched as if into space.

Nebenan in Gehege Nummer 2 hatte sich Viktor am einen Ende der Anlage einen Ruheplatz gesucht und sein junger Kumpel hatte am anderen Ende im seinem See zunächst etwas zu Futtern gefunden – einen alten Knochen, an dem scheinbar noch ein paar aqua-aged Fleischfasern hingen. Wir konnten uns gar nicht entscheiden, welchen der beiden Eisbären wir denn nun beobachten sollten. Während wir wieder eine Zeit dem Bären mit seinem blauen Kanister zugeschaut hatten, hatte der andere Eisbär ein neues Spielzeug entdeckt – einen kleinen ziemlich ramponierten Ball. Die Luft war schon raus, aber das störte den jungen Bären nicht. Er spielte nicht ganz so ausgelassen wie sein Kumpel gegenüber, weil er immer wieder ein Auge auf den großen Eisbär hatte, der da heute mit ihm zusammen das Gehege teilte.

Next door, in Enclosure #2, Victor had searched for a resting place, and his young pal had found something to eat at the other end of the enclosure, an old knuckle bone with a few shreds of watery flesh adhered. We couldn’t decide which of the bears to watch. While we had been watching the bear with the blue canister, the other polar bear had found a new toy, a small battered ball. It was already deflated, but that didn’t bother the bear at all. He wasn’t quite as exuberant as the other young bear, because he was keeping an eye on the big polar bear, together with him today in his enclosure.

Mittlerweile war auch ein Tierpfleger aufgetaucht, der uns half die Eisbären zu unterscheiden. Der junge Bär bei Viktor war Nissan und das andere Gehege hatte Nobby im Augenblick für sich allein, weil Pixel, wie der Pfleger dachte, nicht hinaus wollte. Wir erklärten ihm, dass Pixel nicht hinaus könne, weil der Schieber geschlossen sei. Er schaute nach, erkundigte sich per Handfunkgerät bei seiner Kollegin, ob es dafür einen Grund gebe, und erfuhr, dass sie den Schieber geschlossen habe, um zu verhindern, dass Pixel und Nobby es sich drinnen gemütlich machten. Pixel wollte mittlerweile in jedem Fall raus. Ihm konnte geholfen werden und kaum hatte sich die Tür geöffnet, war der Bär auch schon draußen.

Meanwhile, a keeper had shown up, and he helped us distinguish the bears. The younger bear in with Viktor was Nissan, and the other enclosure had Nobby, at the moment alone. He looked around and found out that the other keeper had closed it, to prevent Pixel and Nobby from making themselves comfortable together inside. But now Pixel wanted out in any case, and as soon as the door was opened, he was outside.

Und dann ging der Spaß erst richtig los …

And then the fun really started …

Fortsetzung folgt.

Mehr Bilder gibt es hier von der Anlage, den vier Eisbären und den spielenden Eisbären Nobby und Nissan.

Here are more photos of the exhibit, the four polar bears, and Nobby and Nissan at play.

Der Artikel der Tiefbaufirma VHE.

8 Antworten zu “Eisbärenbesuche – Yorkshire Wildlife Park: Teil I – Baufortschritte oder „Who’s who?“

  1. Hallo liebe Ulli und lieber Gerhard,

    schön, dass ihr euren tollen Aufenthalt bei Eisbärs im YWP mit uns teilt. Sehr informativ, wunderbare „EINFACHE“ Anlagen und tollen Eisbären.

    Merci dafür.

    Ich freue mich auf die Fortsetzung.🙂

    Liebe Grüße
    ManuELA

  2. Hallo Ulli,
    danke fuer deinen Bericht!

    Es freut mich, dass es den Baeren so gut geht und ganz ehrlich gesagt, liegt mir der Nobby am meisten am Herzen! (ich bin halt ein bisschen parteiisch, da er ja aus meinem (ersten) Heimatzoo Muenchen kommt!)
    Dieser Zoo mit seinen weitlaeufigen Gehegen ist ja ein richtiges Eisbaerenparadis!

    Und was die Bauarbeiten anbelangt – auch wenn das Gehege Nr. 4 noch nicht angefangen ist, – Gehege Nr. 3 macht ja, trotz der unvorhergesehenen Hindernisse gute Fortschritte und ich kann mir vorstellen, dass es fuer die Baufirma und ihre Angestellten eine ganz andere Herausforderung ist, als die sonstigen, normalen Bauarbeiten!

    Beruhigend ist auch, dass sich die Baeren an die neben ihnen stattfindenden Arbeiten gewoehnt haben und sich anscheinend nicht im Geringsten darum kuemmern!

    Wenn ich mir deine Bilder so anschaue, dann habe ich das Gefuehl, dass er der Groesse nach dem Orsapark sehr nahe kommt?

    Ich freue mich schon auf die angekuendigte Fortsetzung und bin ein kleines bisschen neugierig auf die „versprochene“ Aufheiterung vom Campingplatz!

    Baerige Gruesse aus Kanada
    Christa

  3. Sehr informativ.
    Vielen Dank.

    Bild 79515a_01

  4. Hallo Ulli,

    das war sicher ein unvergesslicher Besuch. Wahrscheinlich habt ihr vom Zoo nichts anderes wie die Eisbären gesehen.😉 Ich habe diese Woche erst realisiert, dass die Tigerin Tschuna (früher mal mit der Frankfurter Handaufzucht Daseep zusammen) nun dort schon Mutter geworden ist.

    Ich glaube, man braucht keine millionenschweren Anlagen, um Eisbären einen tollen Lebensraum zu gewähren. S. Wildlife Park….

    LG Elke

    • Wir haben auch Tschuna gesehen. Die musste aufpassen, was die Zebras machen, die jetzt neben dem Tigergehege eingezogen sind. Sie bewachte den Zaun. Ihr Nachwuchs ist schon genauso groß bzw, größer wie sie.

      • Toll, dass sie sich so entwickelt hat. Aus Kindern werden Leute….
        Schön, dass ihr vorbei geschaut habt.

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