Tagesarchiv: April 12, 2017

Eisbärenbesuche: Grå und Hvid zusammen mit Mama Malik im Aalborg Zoo

Aalborg, 11. April 2017

Wie versprochen kommt jetzt der zweite Teil der Eisbärenfamilie des Aalborg Zoos.

Mutter und Kinder haben sich im großen Gehege noch nicht so ganz eingelebt. Die Kleinen halten respektvollen Abstand zum Wasser und die Mama hat alle Tatzen voll damit zu tun, ihre zwei Töchter unter Kontrolle zu halten.

Wobei das mit den Töchtern ausdrücklich unter Vorbehalt gilt. Nach drei Irrtümern in Folge ist man im Aalborg Zoo vorsichtig geworden mit definitiven Aussagen über das Geschlecht der Jungtiere. Dabei ist man mit dem Irren bei der Geschlechterbestimmung in guter Gesellschaft. Auch im Dierenrijk in Mierlo hat man sich vor einem Jahr geirrt und selbst im nun wirklich zuchterfahrenen Ouwehands Dierenpark in Rhenen lag man schon einmal falsch. Wobei man dort mit definitiven Aussagen im Normalfall so lange wartet, bis man von außen aus der Distanz erkennt, ob es ein Männchen oder Weibchen ist, ohne Mutter und Jungtiere trennen zu müssen und auch im Columbus Zoo in den USA lässt man sich mit dem Sexen viel Zeit. Ich mag in diesem Zusammenhang den Ausspruch des Tierpflegers aus Rhenen auf die Frage, ob es Männchen oder Weibchen seien: „Es sind kleine Eisbären. Das mit dem Geschlecht hat Zeit, es ändert sich nicht mehr.“

Malik beobachtete Lars im Gehege nebenan genau und beorderte ihren Nachwuchs schon mal ins Innengehege, wenn ihr die Sache zu gefährlich erschien. Meistens folgten ihre Töchter den Anweisungen der Mama brav. Aber das wird sicher nicht so bleiben. Drinnen gibt es für die Kleinen auch eine Menge zu entdecken. Die Innengehege, die zum größten Teil nach oben offen sind, sind in Aalborg sehr großzügig gestaltet. Es gibt sehr viel Platz „hinter den Kulissen“. Vielleicht zeigte Malik ja ihren zwei Rabauken, das „Zimmer“, wo sie selbst zur Welt gekommen ist.

Lange blieben die Drei aber nie vor den Blicken der Zuschauer versteckt. So schnell wie es hineinging, kamen sie auch wieder zum Vorschein. Allerdings hielt sich Malik mit ihren Jungtieren mehr in der Hälfte des Geheges auf, dass am weitesten von dem kleineren Gehege mit Lars entfernt liegt.

Wenn man die kleine Familie auf der Webcam verfolgt hat, hatte man den Eindruck eines der Jungtiere sei kleiner als das andere. Wenn man sie aber mit eigenen Augen über die Anlage klettern sieht, dann sehen sie gleich groß aus. Trotzdem konnten wir sie am Dienstag gut unterscheiden, denn ein kleiner Eisbär hatte sich grau geschminkt, während der andere weiß geblieben war. Eine Neuauflage von Grau und Weiß quasi, wobei es diesmal nicht Cery und Bely, sondern Grå und Hvid heißen müsste. Aber ich bin sicher in Aalborg fallen irgendjemand passendere Namen ein.

Damit keiner Hunger leiden muss, gab es für Malik ab und zu über den Tag verteilt einen Snack – am letzten Dienstag gab es frisch geschlachtetes Pferdefleisch. (Natürlich wurde jedes Mal auch Lars nicht vergessen.) Die Dame zierte sich allerdings ein bisschen, wenn sie die Leckerbissen aus dem Wasser holen sollte. Nur wenn sie das Fleisch auch, ohne sich nass zu machen, erreichen konnte, langte sie zu. Die Möwen und Krähen freute es, so blieb genug für sie übrig.

An so einem Pferd ist auch so manches dran, was als Enrichment für kleine Eisbären dienen kann. Ein Stück von Pferdeschwanz sorgte für einige Unterhaltung. Die Jungtiere naschten auch schon am Fleisch, aber langten noch nicht so richtig zu. Es war mehr ein Spiel für die beiden.

Für die Stärkung nach Spielen, Raufen und Entdecken ist zur Zeit noch Malik zuständig. Und die ließ sich auch nicht lange bitten, wenn die Jungtiere signalisierten, dass sie Hunger hatten. Zuerst buddelte sie sich eine Grube in den Kies und Sand vor einem Stein, setzte sich hinein, gemütlich an den Stein gelehnt, und säugte ihre Töchter. Leider verhindern die dicken Glasscheiben, dass die Zoobesucher das genüssliche „Tuckern“ der Kleinen hören können. (Manchmal wünscht man sich einen altmodischen Zaun ums Gehege, der die Geräusche nicht abschirmt.) Aber auch ohne Ton war es ein Highlight dabei zuschauen zu können.

Die Jungtiere schienen überhaupt nicht müde zu werden. So war es für uns nicht leicht, uns von Malik, den Jungtieren und natürlich auch von Lars zu verabschieden.

Mehr Bilder gibt es hier.