Eisbärenbesuche – Tiergarten Nürnberg: Zwei streitlustige Eisbärinnen

Nürnberg, 26. Mai 2017

Man sollte sich vielleicht nicht die bis da wärmsten zwei Wochen des Jahres aussuchen, wenn man eine Tour nach Südosten zu den Eisbären in sieben Zoos in vier Ländern unternehmen will. Uns war es oft zu warm und so manchem Eisbären und anderen Tieren in den Zoos, die wir besucht haben, wohl auch. Eigentlich ist es im Rückblick ziemlich erstaunlich, dass wir 16 mehr oder weniger aktive Eisbären auf unserer Rundreise beobachten konnten.

Am Anfang standen zwei streitlustige Damen. 😉

Man konnte schon von weitem hören, dass es keineswegs friedlich zuging im Eisbärengehege des Tiergartens Nürnberg. Ein ganzes Stück bevor wir an der Eisbärenanlage ankamen, hallte uns ein lautes Poltern entgegen. Wir erkannten das Geräusch: ein Eisbär, der gegen eine geschlossene Schleuse donnerte.

Hier waren es gleich zwei Eisbären – Vera von links und Charlotte von rechts. Wobei die Provokation ganz klar von der jungen Dame ausging. Charlotte spazierte durch ihr Gehege, schnupperte mal da an einem Baumstamm oder dort an einem Felsen, schaute nach, ob die Tür zum Innengehege auf war. Dann schlenderte sie so, als ob sie nichts Böses im Sinn hätte,  zur Schleuse hinüber, trank noch einmal kurz Wasser oder interessierte sich scheinbar für irgendetwas im Gras, um dann mit Anlauf gegen die Schleuse zu springen, wo auf der anderen Seite ihre Mutter Vera schon wartete, um ihr Kontra zu geben.

Vera strahlte mit ihrer gesamten Körperhaltung Power aus. Sie schien nicht gewillt zu sein, die Provokationen ihrer Tochter unbeantwortet zu lassen. Sie entfernte sich nie weit von der Schleuse. Wenn sie sich im Wasser abkühlte, blieb sie stets nah an der Scheibe und warf immer wieder einen Blick hinüber in Charlottes Gehege, um sich zu vergewissern, wo ihre Tochter sich gerade aufhielt. Schien sie einen „Angriff“ auf die Schleuse zu erwarten, stellte sie sich schon mal in Position, um sofort reagieren zu können. Man konnte froh sein, dass eine stabile „Tür“ die beiden Zankteufel trennte.

Während Charlotte sich durchaus zwischendurch hinlegte und entspannte, verhaftete Vera in ihrem Wachauftrag.

Es war nicht der wärmste Tag unseres Urlaubs, aber Mensch und Tier konnten durchaus eine Abkühlung gebrauchen. Während wir uns mit einem kühlen Getränk im Schatten begnügen mussten, stand beiden Eisbärinnen ein kühler Pool zur Verfügung, den sie auch zu nutzen wussten.

Vera reichten ein paar Schwimmzüge an der Scheibe entlang, während ihre Tochter Charlotte ausgelassen mit verschiedenen Bällen spielte. Sie ging mit der Situation deutlich gelassener um als ihre Mutter.

Kurz vor Fütterungszeit entspannte sich die Situation. Beide Eisbärinnen brachten sich in Position. Offensichtlich war das Futter wichtiger als der Streit. Charlotte setzte sich dekorativ auf einen Felsen und es sah ein bisschen so aus, als ob sie auf einen Kellner wartete, der ihr ihr Dinner servieren sollte. „Ich wäre dann fertig. Aber wo bleibt denn wieder das Personal?“

Lange mussten die beiden Eisbärinnen nicht warten. Es gab für jede einen gesunden Gemüsemix, der schnell verspeist war. Als letztes widmete sich Charlotte einem Kohlrabi, während ihre Mutter schon alles vertilgt hatte. Vera schien jetzt vom Ärger darüber, dass ihre Tochter nebenan immer noch wohnte und sie auch noch ständig zankte, abgelenkt zu sein und nutzte jetzt das ganze Wasserbecken, ohne einmal zu ihrem Nachwuchs hinüber zu gucken.

Wir verabschiedeten uns von den beiden Eisbärinnen, die beide sehr gut aussehen mit dichtem Fell und bei Vera auch einer rundlichen Figur. Der „Frust“ mit ihrer Tochter, die nicht verschwinden will, scheint ihren Appetit nicht zu beeinflussen. Ich bin auch keineswegs sicher, ob es wirklich Frust ist oder nur eine Abwechslung – eine Form von Enrichment. Für Charlotte scheint es in jedem Fall mehr ein Spiel zu sein.

Trotzdem wäre es Zeit, dass ein neues Zuhause für sie gefunden wird. Am besten mit einer Spielpartnerin oder einem Spielpartner, an denen sie ihr großes Selbstbewusstsein ausprobieren kann. Wenn man Charlotte so zuschaut, ist man sicher, man muss keine Angst haben, sie wird sich zu behaupten wissen.

Mehr Bilder gibt es hier:

Vera und Charlotte am Morgen

Vera und Charlotte – Algenmaske und Körperertüchtigung

Charlotte spielt Ball

Provokation

Eisbärenfütterung

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4 Antworten zu “Eisbärenbesuche – Tiergarten Nürnberg: Zwei streitlustige Eisbärinnen

  1. So it seems to be like it was in Aalborg with Victoria and her daughter Milak. The mother loves her cub, and them she wants her daughter far away.

    Charlotte’s sister Flocke is more patient with Hope, still loves cuddling with her daughter. It would be nice if Hope could be with her Aunt Charlotte for a playmate when it is time for her to leave Flocke.

  2. Vielen Dank für den großartigen Bericht und die schönen Bilder ! So schön es ist, Charlotte noch ein wenig bei uns zu haben, so wünsche ich ihr doch bald einen schönen Zoo und einen netten Partner, der ihr aber auch ab und zu „den Kopf zurecht rückt“, wenn sie zu übermütig wird. Aber es tut sich ja wirklich gar nichts. Um ehrlich zu sein, mir fällt auch kein Eisbärenbub ein. Na ja, Buben gäbs -Akiak aus Rhenen z.B. – aber wohin dann mit den beiden?Tja, im Moment hats das EEP nicht leicht!
    Liebe Grüße
    Heidi

  3. Ich wünsche für Charlottchen bald ein neues schönes Zuhause!

    Liebe Grüße von Brigitte

  4. Vielen Dank für den schönen Bericht.
    Gute Reise 🙂

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