Eisbärenbesuche – Zoo de La Flèche: Schlechte Angewohnheiten, ein leckerer Schlauch und die Stippvisite einer alten Dame.

4. Oktober 2017

Nun gab es neben den kunstvollen Blubberblasen noch mehr an der Eisbärenanlage zu beobachten. Gutes und nicht so Gutes.

Beginnen wir mit der Veränderung, die Anlass zu etwas Sorge gibt. Taiko hat sich angewöhnt, zwischen einem Fenster auf der linken Seite des Geheges (vom vor der großen Scheibe stehenden Betrachter aus gesehen) und dem Rand des Wasserbeckens hin- und herzulaufen. Viele Eisbären zeigen ein solches Verhalten, man nennt es Pacing und es ist oft ein Zeichen dafür, dass der Eisbär sich langweilt oder Stress hat. Taiko nimmt zusätzlich eine auffallende Kopfhaltung während seiner Wanderung ein. Er hält den Kopf schief.

Nun ist die Eisbärenanlage des Zoos de La Flèche recht groß (3000 m²), abwechslungsreich gestaltet und Spielzeug gibt es auch. Taiko verhielt sich an dem Tag, als wir im Zoo waren, auch nur kurze Zeitspannen so. Die meiste Zeit war er mit anderem beschäftigt. Aber trotzdem ist das ein Grund zu reagieren. Das tut der Zoo de La Flèche auch. Auf einem Schild am Gehege informiert der Zoo de La Flèche über die Gründe für das Verhalten und die Maßnahmen die man unternimmt, Taiko seine „schlechte Angewohnheit“ wieder abzugewöhnen.

„Zunächst möchten wir Sie über das Verhalten von Taiko, unserem männlichen Eisbären, beruhigen. Es geht ihm gut.

Er leidet nicht unter einem Torticollis („Schiefhals“) oder einem Problem im Ohr oder im Kopf. Auf der anderen Seite erlauben uns unsere sorgfältigen Beobachtungen, Erklärungen für sein Verhalten zu geben.

Mit seinem Hin-und-Herlaufen versucht Taiko, die Aufmerksamkeit seiner Tierpfleger auf sich zu lenken. In der Tat sichert der Ort, den er gewählt hat, eine permanente Sicht auf die Eingangstür des Servicegebäudes. Sein schiefstehender Kopf erlaubt ihm außerdem den Blick zurück, um sicher zu sein, dass er die Ankunft seiner Pfleger nicht verpasst.

Es ist wichtig, dass wir dieses Verhalten nicht fördern, und wir bemühen uns, Taiko zu verstehen zu geben, dass er nichts Positives zu erwarten hat, wenn er dieses Verhalten zeigt.

Was machen unsere Teams?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Mitglied unseres Teams auf dem vorbeiführenden Weg versteckt steht, um Taiko zu beobachten und auf den Moment zu warten, wenn er dieses Verhalten nicht mehr zeigt. Dadurch kann der Tierpfleger ihn dann belohnen, indem er ihm ein Futterspielzeug gibt oder ihm ein Training anbietet. Es ist eine Arbeit, die im Laufe der Zeit auf der Tagesordnung stehen und all unsere Energie mobilisieren wird.

Und Sie?
Was können Sie tun, um uns zu helfen?

Um zu dieser Arbeit beizutragen, danken wir Ihnen dafür, dass Sie Menschenansammlungen in der Nähe der Nische vor dem Fenster, vor dem Taiko dieses Verhalten zeigt, vermeiden. Ebenso laden wir Sie ein, nicht auf die Fenster zu klopfen, ihn anzurufen oder zu versuchen auf irgendeine Art und Weise seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Das würde das Verhalten nur fördern und unsere Arbeit gefährden. Wir danken Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis.“

Mehr Fotos von Taiko und seinem Schlauch

Glücklicherweise schwamm Taiko die meiste Zeit des Tages im Wasser und so hatten die Tierpfleger kein Problem damit den richtigen Zeitpunkt zu finden, ihn mit einem Spielzeug – ein Plastikschlauch mit Leckereien darin – zu belohnen. Der sieben Jahre alte Eisbär reagierte begeistert, vertilgte den Inhalt und spielte lange mit dem Schlauch.

Auch das Gehege wurde durchwandert und nach weiteren Leckereien oder spannenden Gerüchen durchsucht. Schließlich ist der Eisbär daran gewöhnt, das immer mal wieder etwas zu Futtern für ihn versteckt wird oder es irgendwo interessant riecht.

Taiko wandert

Außerdem gab es diesmal durchaus Grund nach der Tür zum Innengehege zu spinksen. Denn am Nachmittag ließ sich dort Katinka kurz sehen. Die fast 27 Jahre alte Eisbärin hat sich – wie immer im Herbst – in ihr „Schlafzimmer“ zurückgezogen und gönnt sich nur sehr selten einen Ausflug an die frische Luft. An dem sonnigen Nachmittag Anfang Oktober war zu unserer Freude so ein Moment, wo sie sich die Tatzen vertreten wollte.

Mehr Fotos von Katinka

Taiko bemerkte das zwar, schaute kurz nach, interessierte sich dann aber nicht weiter für sie. Die beiden ignorieren einander. Dass das auch ganz anders aussehen kann, wenn ein junger Bär zu einer alten Bärin kommt, kann man z. B. im Sosto Zoo beobachten. Die Chemie zwischen Taiko und Katinka scheint jedenfalls nicht zu stimmen und es wäre beiden zu wünschen, dass es eine Möglichkeit gäbe, sie in getrennten Gehegen unterzubringen, auch wenn es zu keinen Aggressionen zwischen ihnen kommt.

Taiko würde vielleicht jüngere Gesellschaft gut tun, um sich seine schlechte Angewohnheit wieder abzugewöhnen. Solange die fehlt, ist es die Aufgabe seiner Tierpfleger ihr Bestes dafür tun, dass er sich nicht langweilt. Wenn man ihm so beim Schwimmen und Tauchen im Wasserbecken zusieht, scheint das meist zu gelingen.

Taiko taucht

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4 Antworten zu “Eisbärenbesuche – Zoo de La Flèche: Schlechte Angewohnheiten, ein leckerer Schlauch und die Stippvisite einer alten Dame.

  1. Hallo Ulli,

    danke noch für den Bericht. Wie schön, dass man sich so um Taiko/Siku bemüht.

    Gerade habe ich den Artikel gefunden:
    http://www.parkerlebnis.de/looping-gruppe-uebernimmt-zoo-de-la-fleche-2017_52856.html

    LG Elke

  2. Vielen Dank für den Bericht 🙂

    P1350069_202

  3. Dear Ulli,

    Once again I had the great pleasure of both reading a well written text and enjoying fantastic photos! Thank you so much for sharing!
    Hugs from Mervi

  4. Ich finde es toll, wie man sich in diesem Zoo Gedanken macht und Lösungsmöglichkeiten erprobt, um Tako von seinen stereotypischen Verhaltensweisen abzuhalten. Erwähnenswert ist auch, wie sie die Besucher in ihre Arbeit einbeziehen!

    Es sind dir tolle Portraits von Tako gelungen und die Blubberfotos im vorherigen Beitrag sind sensationell.
    Vielen Dank und liebe Grüße!

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