40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil III

Kanada – Im Widerstreit zwischen Artenschutz, Tradition und Sportjagd

In Kanada leben 50.485 Inuit, mehr als dreiviertel von ihnen (78%) in den vier Regionen, die man unter Namen Inuit Nunaat, was „Heimat der Inuit“ bedeutet, zusammenfasst. Dieser Ausdruck aus der Sprache Inuktitut bedeutet Heimat der Inuit. Die vier Regionen nehmen zusammen mehr als ein Drittel der Fläche Kanadas ein. Den Inuit wird in diesen Regionen, wo sie überall deutlich über 80 % der Bevölkerung stellen, eine eingeschränkte Autonomie gewährt.

Inuit 02

  • Fast die Hälfte der Inuit lebt in Nunavut, einem Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas, zu dem ein Teil des kanadischen Festlands und fast alle arktischen Inseln Kanadas gehören. Nunavut ist ein Wort aus der Sprache der Inuit und bedeutet „Unser Land“. Seit dem 1. April 1999 ist Nunavut ein eigenständiges Territorium. Davor war das Gebiet ein Teil der Northwest Territories. Obwohl die Territorien in Kanada anders als die Provinzen unmittelbar der Bundesregierung Kanadas zugeordnet sind und über weniger eigene Kompetenzen verfügen, beruht die Gründung Nunavuts auf der Idee, den Inuit eine relative autonome Selbstverwaltung dieses Gebiets zu ermöglichen.
  • 9.565 Inuit leben in Nunavik, dem nördlichsten Teil der Labrador-Halbinsel, der zu der Provinz Québec gehört. Sie haben seit 1978 eine eigene „Kativik-Regionalregierung“, wodurch ihnen eine erweiterte politische Autonomie gewährt wird. Nunavik hat rund 11.000 Einwohner, die in 14 küstennahen Siedlungen leben. Der Name „Nunavik“ bedeutet „Land, in dem es sich leben lässt“.
  • Rund 4.160 Inuit leben in den Nordwest Territorien, davon etwa 3.115 Inuit, in der Inuvialuit Region, wo seit 1984 ein Abkommen den Inuit besondere Rechte garantiert. Inuvialuit ist der Name des Inuitvolkes, das in diesem Gebiet lebt. Es gibt sechs Inuvialuit Gemeinden, von denen eine außerhalb der Inuvialuit Region liegt.
  • In den fünf Gemeinden der Region Nunatsiavut im Norden von Neufundland und Labrador leben 2.160 Inuit. Der Name bedeutet „Unser schönes Land“. Seit 2005 gilt dort ein Abkommen, dass der mehrheitlich indigenen Bevölkerung dieser Region eine begrenzte Autonomie sichert.

Es gibt 52 Gemeinden im Inuit Nunaat. Die meisten von ihnen kann man nur aus der Luft oder in den Sommermonaten vom Meer aus erreichen.

Baffin Island 01

Foto: Weaver River auf der Baffin Insel von Christophe Rodet 

Es gibt in Kanada über 40 National Parks, in denen die Natur besonders geschützt ist, acht davon liegen in den Gebieten, in denen Eisbären leben. In einigen ist es nur Einheimischen erlaubt, eine Waffe zum Selbstschutz mitzunehmen, allerdings ist in einigen auch den einheimischen Inuit die Eisbärenjagd erlaubt. Die Gebiete mit den Geburtshöhlen in diesen Parks sind besonders geschützt.

  • Der Ivvavik National Park im äußersten Nordosten des Yukon Territorium an der Grenze nach Alaska wurde 1984 gegründet. Er ist der erste Nationalpark Kanadas, der infolge eines Gebietsanspruchs-Abkommens zwischen Ureinwohnern und Regierung entstanden ist. Im Süden grenzt er an dem Vuntut National Park, der 1995 entstand.
  • Der Aulavik National Park auf der Banksinsel, gegründet 1992, liegt in den Nordwest Territorien.
  • Der bekannteste Nationalpark in den arktischen Regionen Kanadas ist sicher der Wapusk National Park in der Provinz Manitoba, der 1996 entstand. Wapusk ist das Cree-Wort für „Weißer Bär“, der Name verweist darauf, dass sich innerhalb der Parkgrenzen das vermutlich bedeutendste Eisbären-Geburtshöhlengebiet der Welt befindet.
  • Im äußersten Nordwesten der Provinz Neufundland und Labrador in der Region Nunatsiavut liegt der Torngat-Mountains National Park, der 2005 zusammen mit der Gründung von Nunatsiavut entstand.
  • Im Nunavut Territorien liegen die vier größten Naturparks der Region. 2001 wurden drei Naturparks gegründet.Mit einer Fläche von fast 38.000 km² der größte ist der Quttinirpaaq National Park im äußersten Nordosten der Ellesmere-Insel. Er ist der zweitgrößte Nationalpark Kanadas. Bereits 1988 wurden wesentliche Teile des Nordens der Ellesmere-Insel unter dem Namen „Ellesmere National Park Reserve“ zum Schutzgebiet erhoben.
  • Der Sirmilik National Park, der die Bylot-Insel sowie Teile der nördlichen Baffin-Insel umfasst, hat eine Fläche von 22.200 km², der drittgrößte Nationalpark Kanadas. Schon 1965 war auf der Bylot-Insel ein Vogelschutzgebiet errichtet worden.
  • Auf der Cumberland-Halbinsel im Südostteil der Baffin-Insel liegt der rund 20.500 km² große Auyuittuq National Park. Die stufenweise Einrichtung dieses Naturschutzgebietes begann 1972, der Park wurde 1976 eröffnet, seinen endgültigen Status als Nationalpark im Februar 2001.Im Sirmilik und Auyuittuq National Park ist es dort ansässigen Inuit erlaubt Eisbären zu jagen.
  • Der Ukkusiksalik National Park wurde 2003 gegründet. Er erstreckt sich unmittelbar südlich des Polarkreises und der Siedlung Repulse Bay von der Hudson Bay nach Westen in die „Barrenlands“ bis zu den Quellen des Brown River.

In Kanada liegt die Verantwortung für das Management der Eisbärenpopulation in den Händen der vier kanadischen Provinzen (Manitoba, Neufundland und Labrador, Ontario und Québec) und den drei Territorien (Nordwest Territorien, Nunavut und Yukon Territory), in denen Eisbären vorkommen. Die Regierungen der Provinzen und Territorien treffen ihre Entscheidungen über Jagdquoten und –restriktionen in Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden der Ureinwohner, z. B. dem Nunavut Wildlife Management Board, als Teil der Vereinbarungen über die Landansprüche der Inuit. In den meisten Gebieten sichern Verträge, die oft schon vor Anschluss des Abkommens von 1973 geschlossen wurden, den Inuit Jagdrechte zu. In den meisten kanadischen Jurisdiktionen sind Jagdsaison, Jagdquoten und der Schutz von Eisbären-Familiengruppen und Eisbärinnen in ihren Geburtshöhlen gesetzlich festgelegt. Nur in der Provinz Ontario gibt es kein Jagdverbot für Jungtiere und ihre Mütter, in der Provinz Québec ist das Verbot nicht durch ein Gesetz, sondern durch ein Abkommen geregelt. Allerdings dürfen in diesen Provinzen ausschließlich einheimische Jäger Eisbären jagen.

In der Provinz Manitoba ist die Jagd auf Eisbären verboten. Eine Quote von acht Eisbären ist dort festgelegt, die in Selbstverteidigung getötet werden dürfen. Zwar gibt es auch hier ein Abkommen mit der indigenen Bevölkerung, das Inuit mit einer ministeriellen Erlaubnis erlauben würde Eisbären zu jagen. Doch seit 1971 sind hier im Durchschnitt tatsächlich nur acht Eisbären im Jahr getötet worden. In den Jahren von 2000 bis 2011 wurden im Schnitt weniger als die Hälfte der Quote (der statistische Mittelwert liegt bei 3,5 getöteten Eisbären) aus Notwehr getötet.

In Ontario dürfen gemäß einer informellen Vereinbarung aus dem Jahr 1976 von Inuitjägern, die an der James Bay und Hudson Bay leben, bis zu 30 Eisbären erlegt werden, was durch eine Beschränkung des Verkaufs von Eisbärenfellen kontrolliert wird. Die Jäger müssen über eine Lizenz verfügen und benötigen eine Erlaubnis des Ministeriums für Naturressourcen der Provinz, um ein Fell verkaufen zu können. Auch hier ist die Zahl der tatsächlich erlegten Eisbären deutlich geringer, der Mittelwert von 1971 – 2011 lag bei 11,7 Eisbären pro Jahr, von 2001 – 2011 bei 4,3 getöteten Eisbären pro Jahr.

Foto von Alex Berger

Foto von Alex Berger

In der Provinz Québec gilt seit 1978, seit der Gründung von Nunavik, keine Jagdquote mehr. Es wurde für die einheimischen Jägern, der Cree und Inuit, eine Zahl von 62 Eisbären festgelegt, die getötet werden dürfen. Diese Zahl wurde aufgrund von Daten aus der Jagdstatistik 1976-1980 festgelegt. Doch dies ist keine gesetzlich festgelegte maximale Quote. Es können dort auch mehr Tiere getötet werden, was allerdings in den letzten Jahren nur in der Jagdsaison 2010-2011 mit 100 getöteten Eisbären der Fall war. Kontrolliert wird die Zahl der getöteten Tiere auch hier mit Hilfe der Anzahl der verkauften Eisbärenfelle. Wenn die Jäger ein Fell verkaufen, benötigen sie eine Marke, die von der zuständigen Behörde ausgegeben wird. Auch hier sinkt die Zahl der getöteten Eisbären seit 1971, von 51,9 Eisbären, die im Mittel in der Periode von 1971-1980 pro Jahr getötet wurden, über 40,3 im Zeitraum 1982-1990 und 36,6 für die Jahre 1991-2000, auf 34,6 erlegte Eisbären pro Jahr für die Zeit von 2001 bis 2011.

In der Provinz Neufundland und Labrador galt zur Jagdsaison 1998/1999 eine Quote von 4 Eisbären, die dann auf 6 erhöht wurde. Sie verteilt sich auf 5 Inuit Gemeinden in Nunatsiavut. Ein Jäger muss vor der Jagd eine Lizenz erwerben und dann innerhalb von 72 Stunden die Jagd beendet haben. Ist die Jagd nicht erfolgreich, geht die Lizenz zurück an die ausstellende Behörde. Hat der Jäger Erfolg, muss er das Geschlecht, Ort und Datum der Tötung melden und den Schädel des erlegten Eisbären zum Provincial Wildlife Division Büro schicken. Seit 2011 gilt eine Quote von 12 Eisbären, nachdem Wissenschaftler festgestellt haben, dass dies keinen negativen Einfluss auf die Anzahl der Eisbären der Davis Straße haben wird. Die Zahl der getöteten Tiere stimmt in diesem Gebiet meist mit der Quote überein.

Im Yukon Territorium gilt eine Quote von 6 Eisbären. Diese wird zusammen mit der Quote für die North Territories vergeben und kontrolliert.

Über 80% der Jagden auf Eisbären finden in Nunavut und den Northwest Territorien statt. Nur dort ist auch die Sportjagd auf Eisbären erlaubt. Die Einheimischen Jäger dürfen ihre Jagderlaubnis an ausländische Jäger verkaufen. In den Northwest Territorien wird die Quote durch das Inuvialuit Game Council (IGC) bestimmt. Das Inuvialuit Final Agreement aus dem Jahr 1985 verlieh den Inuvialuit das exklusive Recht am North Slope im Yukon Territory und in der Inuvialuit Region in den Northwest Territories Eisbären zu jagen. Das IGC vertritt die kollektiven Inuvialuit Interessen in allen Fragen rund um das Management von Wildtieren und die Erhaltung des Lebensraum der Wildtiere in der Inuvialuit Region (ISR). In den letzten Jahren wurde meist eine Quote von 97 Eisbären festgelegt, wobei das Verhältnis von getöteten männlichen zu weiblichen Eisbären 2:1 betragen soll. Die Zahl der tatsächlich erlegten Eisbären war allerdings stets deutlich geringer. Von 2001 bis 2011 wurden im Durchschnitt 49,9 Eisbären getötet. Allerdings gab es in der Jagdsaison von 2010-2011 einen deutlichen Anstieg der getöteten Tiere, auch wenn die Zahl mit 75 Tieren noch unterhalb der Quote lag. Die Jäger sind verpflichtet nach der Jagd Informationen über die Jagd und den erlegten Eisbären an die Behörden der Regierung der Northwest Territories zu melden. Er muss das Geschlecht des Tieres nachweisen und einen Zahn oder ein Stück des Unterkiefer des Tieres zu der Behörde schicken, sowie gegebenenfalls vorhandene Markierungen oder Tätowierungen melden. Der Anteil der Eisbären, die von nicht ansässigen Trophäenjägern erlegt wurden, lag zwischen 2003 und 2007 bei etwa 60 %. Ist eine Touristenjagd nicht erfolgreich, zählt diese trotzdem für die Quote. Da dies häufiger der Fall ist, werden so letztendlich weniger Eisbären getötet.

Foto: Panniqtuuq eine Siedlung im Südosten der Baffininsel, von L. Lew

Foto: Panniqtuuq eine Siedlung im Südosten der Baffininsel, von L. Lew

In Nunavut trägt das Nunavut Wildlife Management Board (NWMB) die Verantwortung für die Festlegung der Quote und ihre Aufteilung auf die Gemeinden. Das NWMB wurde 1994 gegründet, es verwendet die vorhandenen wissenschaftlichen Informationen, um die Quote so festzulegen, dass sie nachhaltig ist – man nennt dies „total allowable harvest“ (TAH) und nutzt dazu auch das traditionelle ökologische Wissen – traditional ecological knowledge (TEK) – der Inuit, wobei letzteres gelegentlich im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Wissenschaftler steht.

Die Festlegung dieser Quote wurde und wird immer wieder heftig diskutiert. Wissenschaftler kritisierten besonders die Zahl der Eisbären, die im Bereich der Baffin Bay erlegt werden dürfen. Als dann in der Jagdsaison 2010/2011 die Jagdquote dort von 105 auf 64 reduziert wurde, drohten die Inuitjäger sich nicht an diese Regelung des NWMB zu halten. Sie bezweifelten die Angaben der Wissenschaftler, denen zufolge die Zahl der Eisbären in der Baffin Bay seit 2000 von 2.100 auf 1.500 Tiere gefallen sei. „Wir sind 365 Tage draußen und sehen heute mehr Bären denn je“, sagte Gabriel Nirlungayuk von der Inuit-Organisation Tunngavik. Die Wissenschaftler bezweifeln nicht, dass die Inuit tatsächlich mehr Eisbären an Land sehen, eine Folge des Klimawandels, der die Bären zwingt immer länger darauf zu warten, bis das Meer zugefroren ist. Doch das bedeutet nicht, dass es tatsächlich mehr Eisbären gibt.

Die Quote für Nunavut und die Northwest Territories hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. In der Jagdsaison 1971/72 betrug sie 422 Eisbären, 2010/2011 wurde sie für beide Territorien zusammen auf 539 Eisbären festgelegt. In Nunavut galt in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt eine Quote von 451 Eisbären. Die Zahl der getöteten Tiere war etwas niedriger, im Schnitt wurden 438 Eisbären erlegt. Der Anteil, der von Trophäenjäger getöteten Eisbären, lag im Zeitraum von 2003 bis 2010 in Nunavut im Schnitt bei 13%. Dieser Anteil sinkt in der letzten Zeit kontinuierlich von 23,1% in der Jagdsaison 2003/2004 auf 5,9% 2010/2011. Auch in Nunavut ist in den meisten Gemeinden eine Verhältnis von zwei männlichen zu einem weiblichen Eisbären bei der Jagd vorgeschrieben, einige nennen dieses Verhältnis nur als Ziel. Um dies zu erreichen werden z. B. Jagdlizenzen ausgegeben, die nur für männliche Eisbären gelten.

Statistik 10 Jahre Durchschnitte

Mittelwerte der Quoten im Vergleich zu den getöteten Eisbären in Kanada – die Daten stammen aus den Berichten der IUCN/SSC Polar Bear
Specialist Group

Statistik 2001-2011

Quoten und getötete Eisbären der Jagdsaison 2001/2002 bis 2010/2011, ie Daten stammen aus den Berichten der IUCN/SSC Polar Bear
Specialist Group

Die Trophäenjagd ist auch bei den Inuit nicht unumstritten. Einige kritisieren, dass sie mit ihren Traditionen nicht vereinbar sei. Traditionell betrachten die Inuit die Jagd als ein erforderliches Mittel zur Aufrechterhaltung der Beziehung mit Tieren. Aus Respekt vor dieser Beziehung darf ein Jäger nicht mehr Eisbären töten, als gebraucht werden. Das Töten eines Eisbären gilt nicht als respektlos gegenüber dem Tier, weil es ein notwendiger Teil der Beziehung zwischen Mensch und Tier ist. Sind die Eisbären zufrieden mit den Menschen, lassen sie es zu, dass sie getötet werden. Doch Eisbären als Ware zu behandeln, die man nach Lust und Laune verkaufen kann, ist kein respektvoller Umgang. Und mancher Inuit fürchtet, dass dies negative Konsequenzen haben wird, dass die Eisbären die Menschen meiden oder sich ebenfalls respektlos verhalten werden, Menschen häufiger angreifen und töten werden.

Foto: ucumari

Foto: ucumari

„Früher einmal hat man uns gesagt, nur das zu töten, was wir brauchen. Ich bin dagegen, wie es jetzt ist. Man hat uns erklärt, dass man mit Tieren nicht spielen soll, nun gibt es Sportjagd und Anglerwettbewerbe“, sagte ein Inuit in einem Interview für die Zeitschrift „Journal of Ecotourism“ im Jahr 2004.

Manche Inuit Gemeinde verzichtet auch darauf Sportjagden auf Eisbären anzubieten oder lässt nur wenige solche Jagden zu, weil nur wenige Gemeindemitglieder daraus einen finanziellen Vorteil ziehen, was den sozialen Frieden in den Gemeinden stören könnte.

Anders als in Alaska hat es in Kanada vor 1973 kaum Sportjagd vom Touristen gegeben, Eisbären wurden fast ausschließlich wegen der Felle gejagt. Und wenn man es genau nimmt widerspricht sie auch den Grundsätzen des Abkommens von Oslo, das eigentlich nur den Ureinwohner der Arktis die Jagd auf Eisbären erlaubt. Doch die kanadische Regierung argumentiert, dass ja die auswärtigen Jäger von einheimischen Führern zu den Jagdgründen begleitet würden und die Jagdteilnehmer und ihre Beute mit traditionellen Hundeschlitten transportiert würden. In den 80er Jahren des 20. Jh. begann die Regierung der Northwest Territories aktiv für den Aufbau des Sportjagd Tourismus zu werben, um den abgelegenen Gemeinden an der Küste eine Einnahmequelle zu ermöglichen. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg der von Trophäenjägern getöteten Eisbären, waren es zwischen 1970 und 1981 noch durchschnittlich vier Eisbären pro Jahr , so stieg diese Zahl auf 39 Eisbären pro Jahr im Schnitt im Zeitraum von 1982 – 1994. Von 1995 bis 2008 waren es dann schon 96 Eisbären, die in einem Jahr im Durchschnitt von „Jagd Touristen“ getötet wurden. Ein Grund für diesen Anstieg könnte die Aufweichung des Marine Mammal Protection Act der USA sein. Vor 1994 war die Einfuhr von Produkten, die aus getöteten Eisbären hergestellt wurden durch dieses Gesetz in die USA verboten. 1994 wurde dieser Teil des Gesetzes modifiziert und zwischen 1997 und 2007 war es Trophäenjäger aus den USA wieder erlaubt Jagdtrophäen von „genehmigten Eisbärenpopulationen“ einzuführen. (Nicht alle Eisbärenpopulationen in Kanada erhielten eine Genehmigung.) Seit der Jagdsaison 2008/2009 ist dies wieder untersagt, was sich auch im Rückgang der Trophäenjagden in Nunavut widerspiegelt. Dieser Rückgang wird sicher auch davon beeinflusst, dass im Jahr 2008 die Europäische Union die Einfuhr von Eisbären-Jagdtrophäen und Eisbärenfellen aus der Baffin Bay (auch wenn sie von Inuit stammen) untersagt hat.

Daten von Statistics Canada (2012). aus WWF, Icon on Ice

Daten von Statistics Canada (2012). aus WWF, Icon on Ice

Die Preise für ein unbehandeltes Eisbärenfell haben in den letzten Jahren geschwankt, wie man in der neben stehenden Tabelle sehen kann. In den letzten Jahren sind sie allerdings deutlich gestiegen. 2009 brachte ein Eisbärenfell einem Jäger im Durchschnitt 2.570 CAD (1.830 €, $2,450) ein.

2006 schätzte man das jährliche Einkommen aus der Sportjagd auf Eisbären in Kanada auf 2,5 bis 3 Millionen Kanadische Dollar (1,8 – 2,1 Mio Euro), während der Verkauf von Felle bei etwa 500.000 CAD (360.000 €) einbrachte. 2009 waren es 1,3 Mio CAD für die Sportjagd (930.000 €), während der Verkauf der Felle einen Wert von 600.000 CAD (430.000 €) hatte. Auch wenn die Trophäenjagd weniger als 5 % der Einnahmen der Inuit Gemeinden ausmacht, die diese anbieten, haben diese Einnahmen für die Anbieter in einer Region mit nur sehr begrenzten Verdienstmöglichkeiten eine große Bedeutung. In Nunavut hatte die Sportjagd auf Eisbären 2006 einen Anteil von 0,1% am Bruttoinlandsprodukt.

Eine Studie von ÉcoRessources Consultants über den „Nachweis der sozioökonomische Bedeutung von Eisbären für Kanada“ aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass die Erhaltung der Eisbären den bedeutensten monetären Wert für Kanada hat mit geschätzten 6.320 Millionen CAD pro Jahr (4.510 Millionen €). Der Tourismus durch die Beobachtung von Eisbären in der Wildnis bringt es auf einen Summe von 7,2 Millionen CAD (5,1 Mio €) pro Jahr. Erst an dritter Stelle steht die Sportjagd mit 1,3 Millionen CAD (930.000 €) pro Jahr. Und die Subsistenzjagd hat einen ökonomischen Wert von 600.000 CAD (430.000 €) pro Jahr. Trotz seines geringen Geldwertes dürfe man aber den kulturellen Wert der Jagd für die Inuit nicht außer Acht lassen. Denn sie tragen durch ihre traditionelle Lebensweise zum Erhalt des Lebensraums der Eisbären bei.

Insgesamt beträgt der Anteil der von Menschen getöteten Eisbären etwa 3,5 % der Eisbärenteilpopulationen in Kanada. Dieser Prozentsatz wird als nachhaltig angesehen, wenn dies auch nicht für alle Teilpopulationen gilt. So gibt es Besorgnis darüber, dass in den Teilpopulationen der Baffin Bay, Western Hudson Bay und Southern Hudson Bay in den letzten Jahren zu viele Eisbären gejagt wurden. In Nunavut wurden daraufhin 2010 die Quoten für die Baffin Bay gesenkt. Die Quote für die Western Hudson Bay war 2008 von 36 auf 8 Eisbären gesenkt worden, aber aufgrund von Beobachtungen der einheimischen Jägern, die von mehr Eisbärensichtungen berichteten, und einigen Mensch/Eisbärkonflikten wurde sie 2011 wieder auf 21 erhöht. Einige Wissenschaftler glauben, dass diese Quote zu hoch ist. Neue Studien sollen nun den tatsächlichen Status dieser Population klären.  In Nunavik (Québec) und für Cree Gemeinden in Québec und Ontario wurden 2011 freiwillige Quoten für die  Jagd in der Southern Hudson Bay eingeführt. Die tatsächlich getöteten Eisbären lagen in der Jagdsaison 2011/2012 unter dieser Quote, obwohl die Jagdgemeinschaften die Quoten im Vorfeld kritisiert hatten.   Man arbeitet nun daran in Québec gesetzlich festgelegte Quoten einzuführen.

Quellen – Sources:

Shadbolt, T., York, G. and Cooper, E.W.T, 2012, Icon on Ice: International Trade and Management of Polar Bears. TRAFFIC North America and WWF-Canada, Vancouver, B.C.

The Economics of Polar Bear Trophy Hunting in Canada

Die Berichte der IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group:
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG05proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG0607proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG08proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG09proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG10proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG11proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG12proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG13proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG14proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG15proc.pdf

Martha Dowsley: Polar bear as a multiple use resource in Nunavalut: Local governance and common property conflicts

Evidence of the Socio-Economic Importance of Polar Bears for Canada
http://www.sueddeutsche.de/panorama/kanada-kampf-um-die-eisbaeren-1.50167
http://www.statcan.gc.ca/tables-tableaux/sum-som/l01/cst01/demo60a-eng.htm
http://www12.statcan.gc.ca/census-recensement/2006/as-sa/97-558/p6-eng.cfm#01
http://www12.statcan.gc.ca/census-recensement/2006/as-sa/97-558/figures/c3-eng.cfm
http://www12.statcan.gc.ca/census-recensement/2006/as-sa/97-558/maps-cartes/Inuit/InuitRegionsAboriginal_Reference_ec.pdf

http://www.pc.gc.ca/eng/index.aspx

40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil I
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil II
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil III
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil IV
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil V
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil VI

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