Kingussie: Der schwierige Weg ein angemessenes Eisbärengehege zu bauen.

Kingussie, 8. August 2013

In der Online Ausgabe vom „The Scotsman“ schreibt Douglas Richardson, der zoologische Leiter des Highland Wildlife Parks  über die Aufgabe einem Eisbären in einem Tierpark eine angemessene Umgebung zu verschaffen:

On the webpages of „The Scotsman“ Douglas Richardson, head of living collections of the Highland Wildlife Park,writes an article about the difficulty of creating an appropriate captive environment for wild animals:

Link to the original article in English.

Foto: Aaron Sneddon Scottish Press Photographer

Foto: Mercedes, von Aaron Sneddon Scottish Press Photographer

Der Mensch, der einen modernen, wissenschaftlichen Zugang zum Management von Wildtieren im Zoo initiiert hat, war der Schweizer Zoologe Heini Hediger. Er prägte den Ausdruck Zoobiologie, der alle Aspekte von Theorie und Praxis der Arbeit in Zoos umfasst. In seinem grundlegenden Text „Mensch und Tier im Zoo, veröffentlicht 1965, handelt ein wichtiges Kapitel von der angemessenen Umgebung für ein Wildtier im Zoo. Hediger fordert, dass diese so gestaltet sein sollte, dass sie den Bewohnern erlaubt eine möglichst große Bandbreite ihrer natürlichen Verhaltensweisen zu zeigen.

Heidiger behauptete, dass die Qualität des Raumes, in dem die Tiere leben, wichtiger sei, als die Quantität. Zum Beispiel sei die Haltung von Primaten auf einer fußballfeldgroßen Anlage, die kaum strukturiert sei, weniger angemessen, als auf einer nur ein achtel so großen Fläche, die aber viele Klettermöglichkeiten biete.

Er hat im Prinzip recht, aber es gibt andere Tierarten, für die sowohl eine komplexe als auch große Fläche absolut erforderlich sind.

2009, stand ich vor der Aufgabe, ein großes natürliches Eisbärengehege zu entwerfen, ursprünglich, um die ältere Eisbärin des Zoos Edinburgh, Mercedes zu beherbergen, aber mit der Absicht dort langfristig  Eisbären als Teil des Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbandes zu halten.

Die große Mehrheit der Eisbärenanlagen in Zoos sind Multimillionen Euro Projekte, für die eine Menge Beton und Stahl verbaut wird. Teilweise verursacht durch die hohen Kosten, sind sie meist nicht besonders groß.

Das Ziel war es eine Fläche von mindestens 2 Hektar schroffer Highland Landschaft einzuzäumen. Aber da unser Budget auf wenige Hunderttausend Pfund begrenzt war, mussten wir an die Aufgabe aus einer ganz anderen Perspektive herangehen.

Der Eisbär ist der größte und gefährlichste Vertreter der acht Bärenspezies. Ein erwachsener Eisbär kann fast eine Tonne wiegen und eine Höhe von beinahe vier Meter erreichen, wenn er auf seinen Hinterbeinen steht. Vermutlich ist das gefährlichste und interessanteste Merkmal eines Eisbären nicht seine schiere Größe oder seine scharfen Klauen und Zähne, sondern sein Verstand. Eisbären sind unglaublich intelligent, sie sind fähig Probleme zu lösen und wenn sie Daumen hätten, wären sie Menschenaffen.

Eisbären Arktos und Walker im Highland Wildlife Park
Arktos und Walker im Highland Wildlife Park im Juli 2013

Ihre Intelligenz und die Tatsache, dass sie in kleinen, anspruchslosen traditionellen Anlagen schnell gestresst reagieren, bedeutet, dass die Geschichte der Haltung dieser Tiere in Zoos durchwachsen ist.

Trotzdem machten der zur Verfügung stehende Platz und die natürlichen Gegebenheiten im Highland Wildlife Park es zu einem ziemlich einfachen Prozess, ein passendes großes Gebiet zu finden, das unseren Eisbären eine weite Bandbreite von unterschiedlichem Gelände zur Verfügung stellt mit Vegetation, Plätzen zum Schwimmen und Gelegenheit Schatten zu suchen oder Besucher und ihren Artgenossen zu meiden, wenn sie es wollen.

Das Gebiet war groß genug, um den Eisbären eine Vielzahl von Objekten – sowohl natürliche als auch künstliche – mitzugeben, um sie zum Spielen anzuregen und ihre natürliche Neugier zu stimulieren.

Das Problem war die Anlage auf eine sichere und finanziell tragbare Art einzuzäumen. Elektrische Zäune, eine Technologie, die auch in der Landwirtschaft Verwendung findet, wurde schon lange für eine große Anzahl von Tierarten, darunter auch andere Bärenspezies,  genutzt, und so waren wir recht zuversichtlich, dass ein ähnlicher Zugang auch bei Eisbären funktionieren würde.

Wir nutzten eine Bandbreite von Ideen aus einer Vielzahl von Quellen, inklusive der Absicherung eines Touristencamps in der Gegend der Hudson Bay in Kanada, bei der Wahl einer Kombination aus einem inneren elektrischen Weidezaun mit einem dahinter gespannten Wildzaun, der als Puffer dienen sollte.

Eisbären Arktos und Walker im Highland Wildlife ParkEisbärenanlage  im Highland Wildlife Park

Um die Tiere daran zu gewöhnen und Stress und Unfälle zu vermeiden, wurde jeder Bär vorsichtig und kontrolliert mit dem elektrischen Zaun vertraut gemacht. Wegen ihrer Intelligenz berührten sie den Zaun nur ein- oder zweimal zu Beginn und mieden ihn dann vollständig. Die Stromstärke ist natürlich nicht tödlich, aber sie löst bei Berührung einen scharfen Schock aus. Die Bären sind nicht gestresst durch die konstante Gegenwart des Zaunes. Man sieht sie oft in unmittelbarer Nähe davon schlafen oder spielen.

Wir sind nun drei Jahre weiter und in dem Gehege leben nun Walker und Arktos, zwei große, kräftige männliche Eisbären. Der Zaun hat alle Erwartungen übertroffen. Wir haben eine der größten Eisbärenanlagen in der Welt und sie wird in der Zoogemeinschaft immer häufiger als ein Beispiel für die hervorragende Haltung genannt. 

Der Fortschritt im modernen Design von Tieranlagen in Zoos geht normalerweise einher mit einem dramatischen Kostenanstieg, aber nicht immer mit einem Anstieg für das Wohlergehen der Tiere. Weil unsere Lösung preiswert ist, erlaubt sie es, eine Umgebung für die Tiere zu schaffen, die größer und dynamischer ist als die Norm. Dies hat es uns ermöglicht die hohen Anforderungen, die das Wohlergehen der Tiere stellt, zu erfüllen. „

Eisbär Arktos im Highland Wildlife ParkEisbär Walker im Highland Wildlife Park

Ich kann nur hoffen, dass das Beispiel des Highland Wildlife Park Schule macht und sich auch andere Tiergärten mit veralteten Gehegen dazu entscheiden, eine preiswerte Eisbärenanlage zu bauen, die trotzdem den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird, anstatt alles beim Alten zu lassen. Man kann auch ohne Kunstfelsen und Sichtscheiben unter der Wasseroberfläche dem Zoobesucher ein Erlebnis bieten, indem man sie einfach Eisbären in einer wirklich natürlichen Umgebung beobachten lässt.

I can only hope, that other zoos with outdated enclosures will follow the example of the Highland Wildlife Park and decide to build inexpensive polar bear exhibits that nevertheless meet the polar bears‘ welfare needs. This is certainly better than leaving everything as it is. You can afford an experience for the zoo visitors without artificial rock and underwater views, by giving them the opportunity to watch polar bears in a real natural environment.

Der Original Artikel in Englisch:
http://www.scotsman.com/news/creating-an-appropriate-captive-environment-is-no-easy-task-1-3030551

4 Antworten zu “Kingussie: Der schwierige Weg ein angemessenes Eisbärengehege zu bauen.

  1. liebe ulli,

    douglas richardson wird mir immer sympathischer🙂 zoodirektoren, auf in die highlands zum eisbär und gehege – watching 😉

  2. Hallo liebe Ulli,

    dem kann ich nur zustimmen, WENIGER ist manchmal MEHR.
    Danke für diesen informativen Beitrag und für die vielen eisbärischen Neuigkeiten der letzten Zeit.😀

    LG
    Ela

  3. I love to see the bears in the wild and amongst the fireweed. The color contrast is astonishing.

  4. Liebe Ulli,

    „Ich kann nur hoffen, dass das Beispiel des Highland Wildlife Park Schule macht und sich auch andere Tiergärten mit veralteten Gehegen dazu entscheiden, eine preiswerte Eisbärenanlage zu bauen, die trotzdem den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird, anstatt alles beim Alten zu lassen. Man kann auch ohne Kunstfelsen und Sichtscheiben unter der Wasseroberfläche dem Zoobesucher ein Erlebnis bieten, indem man sie einfach Eisbären in einer wirklich natürlichen Umgebung beobachten lässt.“

    Ich kann mich dieser Hoffnung nur anschließen und euch wieder Danke sagen für diesen besonders interessanten Bericht.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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