Kingussie: Gebrüll und Frieden bei den Eisbären im Highland Park

Es gibt zwei sehr interessante Artikel vom BBC zu dem Eisbären des Highland Wildlife Parks.

Foto von Aaron Sneddon Scottish Press Photographer„Ich würde nicht sagen, dass die beiden sich blendend verstehen.“, erklärte David Barclay vom Highland Wildlife Park über seine beiden Eisbären. Der Senior Chef Tierpfleger der Raubtiere, Primaten und Vögel fügte hinzu: „Es gab ein bisschen Feindseeligkeit von Mercedes, aber das hatten wir erwartet. Schließlich lebte sie über fünfzehn Jahre allein.“

„Es war für sie ein kleiner Schock.“

Seit November 2010 teilt Mercedes ihr Gehege in den schottischen Highlands, das sie seit 2009 bewohnt, mit dem erst zwei Jahre alten Eisbären Walker. Für eine kurze Zeit war es kein Kinderspiel für den jungen Bären, der im Ouwehands Dierenpark in Rhenen zur Welt kam. Zuerst demonstrierte Mercedes ihre Autorität mit einer Serie von lautem Gebrüll mit weit geöffnetem Mund und setzte ihre 294 kg ein bei einer wilden Hatz durch das Unterholz immer auf den Fersen des wesentlich leichteren Walkers.

Foto:  Aaron Sneddon Scottish Press PhotographerAls nächstes musste Walker narkotisiert und behandelt werden, weil er sich beim Kauen auf einem Stück Holz eine Wunde an der Zunge zugezogen hatte. Doch als der BBC Reporter Steven MecKenzie ein paar Tage später besuchte, sah er wieder kerngesund aus und schien einige seiner Differenzen mit Mercedes beigelegt zu haben. Die lag lang ausgestreckt neben dem Zaun der Eisbärenanlage und warf gelegentlich Walker ein paar böse Blicke zu. Walker hielt einen gehörigen Abstand zu ihr ein, rannte zum Pool sprang hinein und ließ sich auf dem Wasser auf dem Rücken liegend treiben.

David Barclay erzählte: „Walker verhält sich sehr gut. Er nähert sich Mercedes auf die richtige Art und Weise. Zunächst zeigte er sich unterwürfig, aber nun hat er gemerkt, dass sie gar nicht so aggressiv ist. Er wird mutiger und bietet ihr Paroli und sie lässt ihn näher an sich herankommen, ohne Aggression zu zeigen.“

Foto:  Aaron Sneddon Scottish Press PhotographerAls er in dem Park ankam wurde er zunächst getrennt von Mercedes gehalten. Er rollte sich so heftig über die Erde, dass sein Fell ganz dunkel wurde und nur noch das Fell rund um seine Nase und seine Augen weiß war. Die Kombination von Schmutz und seiner natürlichen Fellfarbe gab seinem Äußeren fast einen Blaustich. Die Mitarbeiter der Tierparks sahen amüsiert zu, wie er mit jungendlicher Begeisterung den Hang hinunter rutschte und im Teich der Eisbärenanlage schwamm.

Sobald er geschlechtsreif wird, soll er in Schottland für Nachwuchs sorgen. Allerdings gehört Mercedes nicht zu diesem Plan. David Barclay informierte: „Es war ein mutiger Schritt Walker in die Highlands zu holen. Es zeigt, dass wir internationale Beachtung erhalten. Als es darum ging, einen Zoo für Walker zu finden, waren wir die ersten auf der Liste.“

Die Highlands sind nun der einzige Platz, an dem man Eisbären im Vereinigten Königreich findet. (Was nicht ganz richtig ist, schließlich gibt es noch Zara in Heythrop.) Es gibt einen historischen Bezug, denn ein Ausgrabungsfund bewies, dass es einst im Norden Großbritanniens Eisbären gegeben hat. Ein Schädel wurde 1927 in einer Höhle in Inchnadamph in Sutherland in Schottland gefunden, der von einem Eisbären stammen soll, der vor 20.000 Jahren gelebt hat.

Foto:  Aaron Sneddon Scottish Press PhotographerDie Eisbären von heute leben in einer der besten Eisbärenanlagen Europas. Die Art der Einzäunung der Anlage wurde in Manitoba in Kanada geborgt, wo man solche Zäune verwendet um die Eisbären von einer Wildfarm fernzuhalten.

Una Richardson die Cheftierpflegerin des Highland Wildlife Park erklärte, dass sie einen neuen Weg in der Haltung von Eisbären gehen wollen. „Das Zuchtprojekt ist noch in einem Embryonalstadium. Es dauert noch zwei oder drei Jahre, bis Walker die Geschlechtsreife erreicht und wir werden ihn nicht mit einem zuchtfähigen Weibchen zusammenbringen, bis er sie erreicht hat. Wir werden versuchen eine Eisbärin mit Hilfe der Europäischen Zuchtbuches zu bekommen, aber wir schauen auch nach anderen Optionen wie Bären in einer potentiell gefährlichen Situation in der freien Wildbahn oder einer jungen Bärin in einem Zoo, wo die Bedingungen nicht so gut sind, wie sie sein sollten.“ Walker und seine Partnerin sollen dann nur solange ein Gehege teilen, wie die Paarungszeit andauert und dann wieder getrennt werden.

Das Zuchtprogramm ist ein Teil des Programms zur Erhaltung der Eisbären. Mit schmelzenden Eiskappen und menschlichen Siedlungen, die immer weiter in den Lebensraum der Eisbären vordringen, ist die Population der Art in Gefahr.

Walker selbst hat keine Ahnung von der zukünftigen Rolle, die er ausfüllen soll. Zurzeit macht er einen großen Bogen um das Weibchen seiner Art.

Original Artikel in Englisch:
Roar and peace for Highland park’s polar bears

Foto:  Aaron Sneddon Scottish Press PhotographerDouglas Richardson, der Kurator des Highland Parks, sagte, dass er bis vor kurzem nicht daran gedacht hätte, dass man die Eisbären vor dem Aussterben retten müsste, doch die Situation in der Wildnis habe sich so dramatisch geändert, dass die Zoos nun eine zentrale Rolle in der Erhaltung der Art innehätten. Man plane in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren eine zweite Eisbärenanlage in den Highlands zu bauen, in der Walker dann als der Zuchtbär des Tierparks leben soll. Wenn Mercedes gestorben ist, soll ein junges Weibchen für ihn geholt werden. Man will in Schottland die Tiere die meiste Zeit getrennt halten und sie nur während der Paarungszeit zusammen in einem Gehege unterbringen, da Eisbären auch in der Wildnis nur in dieser Zeit die Gesellschaft eines anderen Bären suchen.

Neuere Studien belegen, dass die Eisbären auf mannigfaltige Art und Weise durch den Klimawandel beeinflusst werden. Professor Cino Pertoldi und seine Wissenschaftler von der polnischen Naturwissenschaftlichen Akademie fanden heraus, dass die Größe der Eisbären kleiner geworden ist. Das Team verglich die Größe von Schädeln, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gesammelt worden waren, mit Exemplaren aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beschrieb Veränderungen in Größe und Form und stellte eine Verbindung zu der wachsenden Umweltverschmutzung und dem Rückgang des Meereises her.

Foto:  Aaron Sneddon Scottish Press PhotographerIn diesem Sommer bestätigte eine Arktis Expedition die Befürchtungen, dass sich Eisbären auf Jagd nach den Eiern von Nonnengänsen machen. Wissenschaftler berichten, dass die Bären sich die Eier als Nahrungsquelle gewählt hätten, nachdem sie in Spitzbergen auf dem Land gelandet wären, als Folge des zurückgehenden Eises. Der britische Vogelschutzbund – der Wildfowl and Wetlands Trust (WWT) – befürchtet, dass dadurch die Zahl der Vögel, die in Großbritannien überwintern, weiter zurückgehen wird.

So bekommen die Zuchtprogramme der Zoos eine neue Bedeutung. Douglas Richardson betonte, dass ein gesunder Genpool eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Erhaltungszucht ist. Es sei klar, dass ein Auswilderungsprogramm für Eisbären in der Zukunft eine schwierige Sache sei, trotzdem sei es wichtig, dass man sich diese wichtige Option erhalte.

Original Artikel in Englisch:
Zoos ‚have role‘ protecting wild polar bears

Alle Fotos sind von Aaron Sneddon Scottish Press Photographer. Wer sie verwenden möchte, muss sich an ihn persönlich wenden.
Aaron Sneddon
media@aaronsneddon.co.uk

Zur Ergänzung noch zwei Videos aus dem Highland Wildlife Park von Walker und Mercedes:

3 Antworten zu “Kingussie: Gebrüll und Frieden bei den Eisbären im Highland Park

  1. Liebe Ulli,
    Dir und Gerhard wünschen wir ein gutes neues Jahr und danken ganz herzlich für Deine Grüße.
    Deinen neuen Artikel habe ich mit großem Interesse „verschlungen“. Ich kann die hier geschilderten Prinzipien der geplanten, zukünftigen Einzelhaltung allerdings nicht ganz nachvollziehen. Auch wenn in der freien Wildbahn Eisbären nicht in sog. Familienverbänden zusammenleben ist es für mich nicht ganz verständlich, warum Walker mit einer zukünftigen Partnerin nicht, oder nur während der Paarungszeit, zusammenleben soll. Wenn ich bedenke, wieviel Spaß Giovanna&Yoghi oder Wilbär und Ewa zusammen haben, dann tut mir Walker schon fast ein wenig leid.
    Man möchte sich die Option einer Auswilderung (?) offen halten, das ist ein heeres Ziel, aber kann so etwas funktionieren???
    Follow-Ups zu diesem interesssanten Bericht erwarte ich mit Spannung. Ich bin sicher, da bleibst Du dran.
    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und
    Viele Grüße, caren&bernd

    • Liebe Caren,

      ich hatte viel Spaß beim Übersetzen der beiden Artikel. Wenn man die Bilder von Aaron gesehen hatte, konnte man sich richtig bildlich vorstellen wie Walker den Hang herunter rutscht und mit Karacho im Teich landet. Er hat bestimmt viel Spaß in den Highlands. Vielleicht findet ja auch Mercedes noch ein bisschen Gefallen daran, nicht mehr alleine zu sein. Noch stellt Walker ja keine „Bedrohung“ für sie dar.
      Womit ich bei der geplanten Haltung in den Highlands wäre. Nach dem was ich an vielen – nicht allen – Eisbärenanlagen beobachtet habe, stellen erwachsene Männchen schon einen Stressfaktor für die weiblichen Eisbären dar und auch manches männliche Tier wirkt wesentlich entspannter, wenn es im Winter alleine auf der Anlage ist. Lies einmal nach, was z. B. Jens über Vitus in Karlsruhe geschrieben hat, oder denke an die Veränderung des Verhaltens der Berliner Eisbärinnen, nachdem Lars weg war, der ja nun nicht gerade durch ein besonders dominates Verhalten aufgefallen ist. Gerade in den Zoos, wo sehr erfolgreich gezüchtet wird, sind die Bären, auch wenn es keinen Nachwuchs gegeben hat, ab dem Herbst bis zum Frühjahr getrennt, z. B. in Moskau und Sankt Petersburg.
      Nun kann man diese Anlagen sicher nicht mit der großzügigen Anlage in Kingussie vergleichen, wo sich die Tiere, wenn sie wollen, problemlos aus dem Weg gehen können, aber ich finde den Ansatz interessant und denke, dass die Abwechslung zwischen Trennung und Zusammenbringen – auch ohne Zuchterfolg – den ich allerdings sehr erhoffe – neue Reize für die Bären darstellt und ihren Alltag bereichern wird. Eine solche Haltung entspricht dem normalen Leben der Tiere und in Schottland bietet die große Anlage viel, viel Abwechslung, dass ihr Leben nicht langweilig wird. Wenn sich der erhoffte Nachwuchs einstellt, müssen sie in jedem Fall getrennt werden und es dann für mindestens zwei Jahre bleiben. Da ist die Vorstellung, dass Beiden große Gehege zur Verfügung stehen, die ihren Bedürfnissen gerecht werden, für mich mehr als wünschenswert.
      Aber zunächst wird das Zusammenleben von Mercedes und Walker uns noch einige Zeit viel Spaß machen. Da bin ich mir ziemlich sicher.
      LG Ulli

  2. Liebe Ulli

    Danke für die interessanten Informationen!
    Dir noch nachträglich alles Gute für 2011!

    Herzliche Grüsse
    Chris

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