40 Jahre „Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären“ – Teil I

Die Jagd auf Eisbären bis 1973

Eisbären auf Spitzbergen, 2008 - von Martha de Jong-Lantink

Eisbären auf Spitzbergen, 2008 – von Martha de Jong-Lantink – Polar bears on Svalbard, 2008 – by Martha de Jong-Lantink

Auch der zweite Anlauf die Eisbären auf den Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens zu hieven ist gescheitert. Seit 1975 sind die Eisbären im Anhang II der Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora  oder kurz CITES  (auf Deutsch des „Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen“) gelistet. Hier sind weltweit schutzbedürftige Arten aufgeführt, für deren Handel Aus- und Einfuhrgenehmigungen sowie der Nachweis über die Unschädlichkeit des Handels für den Bestand notwendig sind. Bereits auf der Artenschutzkonferenz in Doha 2010 scheiterte ein Antrag der USA, die Eisbären in den Anhang I aufzunehmen und damit jeglichen Handel mit Eisbärenfellen oder Teilen von Eisbären zu verbieten u. a. stimmte damals auch die Europäische Union gegen diesen Antrag. Auf der 16. Tagung der CITES-Unterzeichnerstaaten in Bangkok vom 3. bis 14. März 2013 unternahmen die  USA zusammen mit Russland einen weiteren Versuch ein Handelverbot zu erreichen und scheiterten erneut. Die 27 Einzelstaaten der Europäischen Union waren sich uneins und da sie mit einer Stimme sprechen wollten, obwohl eigentlich die einzelnen Staaten stimmberechtigt sind, mussten sie sich folglich enthalten. Am Ende fehlten vier Stimmen für eine Annahme des Antrags der USA und Russlands. (38 Stimmen dafür, 42 Stimmen gegen den Antrag, bei 46 Enthaltungen)

The second attempt to list the polar bear on Appendix I of CITES (Convention on International Trade of Endangered Species of Flora and Fauna) has failed.  In the Appendix, globally vulnerable species are listed that can be imported and exported only by licence because there is proof of the innocuousness of the trade, in regard to the world stock presence.  At the 2010 conference in Doha (Qatar), the US made its first attempt, to elevate polar bears to Appendix I, which would have banned trade of polar bear pelts or parts.  At that time, the European Union concurred with the proposal.  At the 16-day CITES Conference in Bangkok (March 3-14, 2013) the USA formed an alliance with Russia to propose a trade ban.  The 27 countries of the EU, were divided.  It would have been possible for the individual states to be pooled, but it was of overriding important for them all to speak as one voice.  In the end, the US-Russia proposal was defeated by four votes (38 for, 42 against, with 46 abstentions). 

Eisbären an der Küste der Hudson Bay, 2012 - von Alex Berger

Eisbären an der Küste der Hudson Bay, 2012 – von Alex Berger – Polar bears on the shore of Hudson Bay, 2012, by Alex Berger

Aber nicht nur die EU ist sich uneins, wie viel Schutz die Eisbären benötigen, auch die Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler, die sich für den Schutz der Eisbären einsetzen, bewerten die Entscheidung unterschiedlich. So beklagen z. B. Pro Wildlife, ein gemeinnütziger Verein, der sich weltweit für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume einsetzt, und der Internationale Tierschutz-Fond, IFAW, eine der größten Tierschutzorganisationen weltweit, das Scheitern des Antrags, während die  Polar Bear Specialist Group (PBSG), ein Gremium von Wissenschaftlern unter dem Dach der Weltnaturschutzunion IUCN, und der WWF sich bereits im Vorfeld der Abstimmung gegen den Antrag der USA ausgesprochen hatten. Die Wissenschaftler der Polar Bear Specialist Group (mit Ausnahme der US Amerikaner und drei russischer Wissenschaftler) bezweifeln, dass die Eisbärenpopulation die Kriterien für die Aufnahme in Anhang I erfüllen und weisen auf die sozioökonomischen Auswirkungen eines Handelverbot hin, dass in ihren Augen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Erhaltung der Eisbärenpopulation beitragen wird. Wie der WWF sind die Wissenschaftler der Auffassung, dass nicht die Jagd auf Eisbären in Kanada, sondern die Zerstörung ihres Lebensraumes durch den Klimawandel die Spezies bedroht und dass man genauere Forschungsergebnisse benötigt, um in der Zukunft die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

It’s not only the EU that is split on the issue of species protection for polar bears.  World environmental protection organizations and scientists assess the decision differently.  Pro-Wildlife, a nonprofit organization, committed to the protection of wildlife and their habitats, and the International Wild Animal Fund (IFAW), one of the world’s largest animal protection organizations, found the decision deplorable.  Meanwhile the Polar Bear Specialists Group (except the Americans and three Russian scientists), under the auspices of the International Union for Conservation of Nature (IUCN) and the WWF had already come out against the US motion.   They expressed doubt that the polar bear population would meet the criteria for Apprendix I and pointed to the socio-economic implications of the trade ban and question whether it would contribute to preservation of the polar bear population.  In accordance with the WWF, these scientists point out that it’s not the hunt for polar bears that’s the problem, but the destruction of their habitat by climate change.  They suggest that further detailed research is required in order to make the right decisions in future.

Es ist 40 Jahre her, dass mitten in der Zeit des kalten Krieges die USA und die Sowjetunion zusammen mit drei weiteren Arktis-Anrainerstaaten, Kanada, Dänemark (für Grönland) und Norwegen, ein Abkommen zum Schutz der Eisbären beschlossen. Und das ist der eigentliche Grund, warum ich mich ein bisschen genauer mit der Geschichte der Jagd auf die Eisbären, der Maßnahmen zu ihrem Schutz und der Auswirkungen dieser Vereinbarung auf die Eisbärenpopulation beschäftigen möchte. Dies ist, wie ich während meiner Recherche feststellen musste, ein ziemlich komplexes Thema, dass man nicht in einem Artikel bewältigen kann. Es wird also im Laufe des Jahres hier einige Fortsetzungen geben.

Forty years ago, in the middle of the Cold War, the USA and the Soviet Union, together with other Arctic states (Kanada, Denmark/Greenland, and Norway), forged an agreement to protect the polar bear.  That is why I wanted to look a bit into the harvest of polar bears, the impact of the measures for their protection, and the impact of this agreement on the modern polar bear population.  According to my research, this is a fairly complex group of issues that I cannot cover in one article.  I will, therefore, continue writing on this issue throughout the course of the next year.

Am 15. November 1973 wurde in Oslo das International Agreement on the Conservation of Polar Bears (das Internationale Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären) unterzeichnet. Das Abkommen verbietet die wahllose, unregulierte Sportjagd auf Eisbären oder das Einfangen von Eisbären, außer zur Unterstützung der Forschung oder wenn Menschenleben geschützt oder einzelne Eisbären gerettet werden müssen, und ächtet die Jagd auf Eisbären aus Flugzeugen und von großen Schiffen. Außerdem verpflichteten sich die Unterzeichner geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Lebensraum der Eisbären zu schützen, besonders die Gebiete, in denen die Geburtshöhlen der Eisbären liegen, in denen sie ihre Nahrung finden und durch die sie ihre Wanderungen unternehmen. Darüber hinaus fordert das Abkommen von den Staaten, die Eisbärenpopulationen zu erforschen, um geeignete Methoden für das Management der Populationen zu entwickeln.

On November 15, 1973, the International Agreement on the Conservation of Polar Bears was signed in Oslo.  The agreement forbids the unregulated sport hunting of polar bears and the capture of polar bears, except in the support of research or when human lives are endangered or when individual polar bears require rescue.  Hunting from airplanes and ships was outlawed.  The signers also committed to taking appropriate measures to protect the polar bear’s habitat, especially in areas that contain the birthing dens, in feeding zones, or along migration routes.  Also the agreement calls for these five states to assess the polar bear populations in order to establish suitable methods for the management of the populations.

Notwendig geworden war dieses Abkommen, weil die schrankenlose Jagd auf Eisbären von Ende des 19. Jh. bis in die Mitte des 20. Jh. hinein, zu einem dramatischen Rückgang der Zahl der Eisbären geführt hatte und die Gefahr bestand, dass ohne eine internationale Zusammenarbeit, die Eisbären bald ausgestorben wären. Nationale Maßnahmen zum Schutz der Eisbären gab es in einigen der Anrainerstaaten bereits seit den 50er Jahren des 20. Jh. So ist die kommerzielle Jagd auf Eisbären in Russland und Norwegen bereits seit 1956 beziehungsweise seit 1957 verboten.

The agreement was necessary because of unlimited hunting of polar bears from the end of the 19th Century into the middle of the 20th Century.  This had lead to a dramatic decline in the numbers of polar bears and the danger that, without international cooperation, the polar bear would soon be extinct.  Commercial hunting of polar bears has been banned in Russia and Norway since 1956-57. 

Historisches Foto eines Inuit Jägers, November 1924

Historisches Foto eines Inuit Jägers, November 1924 – Historical photo of an Inuit Hunter, November 1924

Seit Hunderten von Jahren  – lange bevor die ersten Europäer aus dem Süden ankamen – jagten die Ureinwohner der Arktis Eisbären. Dies hatte lange Zeit kaum Einfluss auf die Anzahl der Tiere, da die traditionellen Jagdmethoden nicht dazu geeignet waren, eine große Zahl von Eisbären zu töten. Das änderte sich als die ersten europäischen Forscher zu Beginn des 17. Jh. in die Arktis kamen, um neue Handelrouten, Jagdgründe oder Bodenschätze zu finden.  James Honderich wertete 1991 für seine Magisterarbeit im Fach Geographie zeitgenössische Dokumente aus dem Zeitraum von 1594 bis in die Mitte des 20. Jh. aus, die belegen, dass in Kanada von Entdeckern und Einheimischen eine bedeutende Anzahl von Eisbären erlegt wurden, sowohl als Nahrungsquelle und für die Herstellung von Kleidung und Ausrüstung als auch als sportlichen Zeitvertreib.  Doch auch wenn Honderich zu dem Ergebnis kommt, dass allein in der kanadischen Arktis im 19. Jh. die  Gesamtzahl der getöteten Eisbären dreistellige Zahlen erreichte, hatte diese Jagd keinen Einfluss auf die Population der Spezies.

For hundreds of years, long before the first Europeans arrived from the south, Arctic inhabitants have hunted the polar bear.  Because of traditional hunting methods which are not designed to kill larger numbers of bears, this had long had little impact on the the numbers of bears.  This changed in the 17th Century, when European explorers came to the Arctic, looking for new trade routes, hunting grounds, and natural resources.  In 1991, James Honderich based his MA thesis in geography on evaluating documents relating to the issue from 1594 until the mid-20th Century.  It showed that in Canada a significant number of bears had been killed by explorers and aboriginals as a food source, for the manufacture of clothing, and because of sport hunting.  Even though Honderich concludes the fact that the number of animals slaughtered in the 19th Century numbered in the hundreds, there was no impact on the population of the species.

Erst mit der Einrichtung von kommerziellen Pelzhandelsposten und dem Vordringen von Walfänger wuchsen die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf die Zahl der Tiere. Honderich schätzt, dass bis etwa 1935 15.500 Eisbärenfelle von den Handelsposten der Hudson’s Bay Company verkauft wurden, die einige Jahrhunderte lang den Pelzhandel in großen Teilen des britisch beherrschten Nordamerika kontrollierte.

At first, only with the building of commercial trading posts and the activities of whalers did the impact of human activities on the numbers of polar bears become evident.  Honderich estimates that by 1935, 15,500 polar bear pelts were sold through Hudson’s Bay Company trading posts, which for several centuries controlled the fur trade in much of British-ruled North America.

Honderich fig. 7, pg. 135, Canadian polar bear harvests by non-indigenous peoples 1576-1935

Honderich Abb. 7, S. 135, Canadian polar bear harvests by non-indigenous peoples 1576-1935 (MA thesis) (Getötete Eisbären in Kanada von nicht indigenen Jägern 1576-1935)

Walfänger, die Grönlandwale in der Beaufortsee, insbesondere in der Davisstraße, der Meerenge zwischen der kanadischen Baffininsel und Grönland, der Baffin Bay und der Hudson Bay jagten, schossen und erwarben dazu eine beträchtliche Anzahl von Eisbären von den Inuit, um zusätzliche Einnahmen auf ihren Reisen zu erzielen, besonders als die Bestände der Grönlandwale Ende des 19. Jh. zurückgingen. Ab Mitte des 19. Jh. wandelten sich die Niederlassungen der Walfänger, die ursprünglich zur Überwinterung gedient hatten, zu ganzjährig betriebenen Handelsposten. Einige davon gab es an Plätzen, die die Hudson Bay Company noch nicht besetzt hatte wie z. B. auf der östlichen Baffininsel. Eisbären, die durch den Geruch der getöteten Wale und Robben angelockt wurden, waren eine leicht zu erlegende Jagdbeute für die Walfänger. Honderich berichtet, dass in diesem Gebiet 50-100 Eisbärenfälle pro Jahr gehandelt wurden. Ein besonderes Beispiel sind zwei Reisen von Walfänger der Dundee Whale Fishing Company, die 1909 234 und 1910 242 Felle von Walfangstation auf der östlichen und südlichen Baffininsel einsammelten. Er ermittelte u. a., dass auf 66 Reisen der Walfänger von 1831 bis 1913 1457 Eisbären erlegt wurden, also etwa 22 Eisbären pro Reise. Natürlich wurden von manchen Schiffen weniger Eisbären getötet, wenn man aber berücksichtigt, dass über 6500 Walfangreisen in der Davisstraße, Hudson Bay und Baffin Bay zwischen 1719 und 1916 belegt sind, wird deutlich dass eine sehr große Anzahl von Eisbären getötet wurde und dass dies einen negativen Einfluss auf die Eisbärenpopulation gehabt haben muss.

Bowhead whalers in the Beaufort Sea, especially in Davis Strait (between Baffin Island and Greenland), in Baffin Bay, and in Hudson Bay killed and bought a significant number of polar bear pelts from the Inuit, in order to increase revenue on their travels, especially after stocks of bowheads began to decline at the end of the 19th Century.  From the middle of the 19th Century, whalers began to operate trading posts year-round, in contrast to the earlier brief winter season.  Some of these were in places that the Hudson Bay Company had not yet controlled, such as the eastern side of Baffin Island.  Polar bears, attracted by the scent of dead whales and seals, were easy prey for whalers.  Honderich reports, that from this area, 50-100 polar bear pelts were traded annually.  Of special interest are two trips by whalers of the Dundee Whale Fishing Company, which collected in 1909, 234 pelts, and in 1910, 242 pelts, from eastern and southern Baffin Island.  He determined that there had been 66 whaling trips from 1831-1913, during which 1457 polar bears were killed, about 22 per voyage.  Of course some ships brought back fewer dead bears, but when one takes into account that there were 6500 whaling trips in Davis Strait, Hudson Bay, and Baffin Bay between 1719 and 1916, it is apparent that a large number of polar bears were killed and that this must have had a negative impact on the polar bear population.   

Die kommerzielle Jagd auf Eisbären und der Handel mit ihren Fellen in der Europäischen Arktis begannen früher und waren weitreichender verbreitet als in Nordamerika. Im 17. Jh. waren russische Jäger und Fallensteller auf Spitzbergen aktiv und mehrere Schiffe segelten jedes Jahr dorthin. So tötete zum Beispiel im Winter 1784-1785 eine einzige russische Crew im Magdalenefjord im Norden Spitzbergens 150 Eisbären und man kann davon ausgehen, dass in den folgenden Jahren ähnliche Jagdergebnisse erreicht wurden. Sawwa Upenski, ein bekannter russischer Eisbärenforscher, gibt an, dass nicht weniger als 150 bis 200 Eisbären pro Jahr durch das gesamte 18. Jh. hindurch dort erlegt wurden. Im 19. Jh. nahm der russische Fellhandel dort ab, aber im gleichen Umfang nahm die Jagd der norwegischen Jäger zu. Schätzungen geben an, dass zwischen 1875 und 1892 im Durchschnitt 144 Eisbären pro Jahr von norwegischen Jägern auf Spitzbergen getötet wurden. Diese Zahl stieg auf 415 Bären pro Jahr zwischen 1893 und 1908. Danach sank sie wieder leicht auf 355 pro Jahr von 1924 bis 1939 beziehungsweise auf 324 pro Jahr nach dem II. Weltkrieg.  Upenski schreibt, dass zwischen 1920 und 1930 über 4000 Eisbären auf Spitzbergen erlegt wurden, allein 1924 schossen norwegische Jäger 714 Eisbären, von 1945 bis 1963 wurden über 6000 getötet. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass seit Anfang des 18. Jh. allein auf Spitzbergen über 22.000 Eisbären getötet wurden.

Commercial hunting of polar bears and the trade in their pelts began earlier in the European Arctic and ranged wider than in North America.  In the 17th Century, Russian hunters and trappers were active on Spitzbergen, and several ships returned every year.  For example, in the winter of 1784-85, a single crew in Magdalene Fjord killed 150 polar bears, and one can assume that similar results were achieved in hunting during the following years.  Savva Upenski, a well-known Russian polar bear researcher, reports that not fewer than 150-200 polar bears were taken annually throughout the 18th Century.  In the 19th Century, the Russian fur trade declined there, but they were joined in increasing numbers by Norwegian hunters.  Estimates indicate that between 1875-92, an average of 144 polar bears were taken by Norwegian hunters on Svalbard.  The figure rose to 415 bears annually between 1893-1908.  This fell back somewhat to 355 annually between 1924-39 and to 324 annually after the Second World War.  Upenski writes that, between 1920-30, over 4000 polar bears were killed in Svalbard.  In 1924 alone, Norwegian hunters killed 714 polar bears.  And between 1945-63, 6000 were killed.  Conservative estimates report that since the beginning of the 18th Century, 22,000 polar bears were killed on Svalbard alone.

Begegnung mit einem Eisbären auf Nowaja Semlja, Stich von 1596 von Gerrit de Veer.

„Begegnung mit einem Eisbären auf Nowaja Semlja“, Stich von 1596 von Gerrit de Veer. – “Encounter with a polar bear on Novaya Zemlja”, an engraving by Gerrit de Veer, 1596.

Auf Franz-Josef-Land stieg die Zahl der getöteten Eisbären nach den Forschungsergebnissen Upenskis kontinuierlich von nicht weniger als 100  pro Jahr im 19. Jh., über 100 – 150 Tiere pro Jahr von 1890 bis 1909, auf 150 – 200 Eisbären von 1910 bis zum Ende der 30er Jahre des 20. Jh. . In den 40er Jahren des 20.Jh. bis zum Verbot der Jagd in Russland 1956 wurden auf Franz-Josef-Land  noch um die 50 Eisbären pro Jahr erlegt.

According to Upenski’s research, on Franz Josef Land, the number of killed bears increased steadily.  In the 19th Century, not fewer than 100 bears per year.  It was over 100-150 animals per year from 1890-1909, and 150-200 bears from 1910 until the end of the 1930s.  From the 1940s until the prohibition of polar bear hunting in Russia in 1956, about 50 bears were taken each year. 

Eine noch weiter zurückreichende Geschichte der Jagd gibt es im Gebiet von Nowaja Semlja. Es gibt historische Dokumente, die von den dort getöteten Eisbären seit 1556 berichten. Im Winter 1835 jagten 80 Schiffe mit über 1000 Jägern an Bord. Obwohl ihre bevorzugte Beute Walrosse waren, erlegten die meisten Jäger auch Eisbären, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten. In anderen Gebieten der russischen Arktis war das Interesse an der Eisbärenjagd geringer. Upenski schätzt, dass in der Arktis Russlands und Europas seit Beginn des 18. Jh.  bis zur Mitte des 20. Jh. 150.000 Eisbären von Menschen erlegt wurden. Die meisten davon 60-65 % in der Barentssee inklusive von Spitzbergen, 20 – 25 % in der Tschuktschensee und nur 10 – 20% in der Kara-, Laptew-, Ostsibirischen und Bering See.

There is an even older history of hunting in Novaja Zemlja.  There are historical documents that record polar bear deaths there in 1556.  In the winter of 1835, 80 ships hunted with over 1000 hunters on board.  Although their preferred prey was walruses, most hunters also killed polar bears when the opportunity arose.  In other areas of the Russian Arctic, the interest in polar bear hunting was less.  Upenski estimates that from the beginning of the 18th Century until the middle of the 20th, 150,000 polar bears were killed by hunters in Europe and the Russian Arctic.  Most, 60-65%, were taken from the Barents Sea, including Svalbard.  20-25% from the ChukchiSea, and only 10-20% from the Kara, Laptev, East Siberian, and BeringSeas.

Im 20. Jh. stieg von den 50 er Jahren die Zahl der getöteten Eisbären weltweit schnell an, besonders während der 60 er Jahre, da der Wert ihrer Felle in Nordamerika und Europa stark angestiegen war und eine wachsende Zahl von Sportjägern, eine Möglichkeit suchten einen Eisbären töten zu können. Moderne Jagdwaffen und die Nutzungen von motorisierten Schlitten, Flugzeugen und Schiffen bei der Jagd sorgten mit dafür, dass sich die Zahl der getöteten Tiere besonders in Nordamerika explosionsartig erhöhte. In Alaska stieg die Zahl von Eisbären, die als Jagdtrophäen getötet wurden von 139 im Jahr 1961 auf 399 im Jahr 1966. Während zwischen 1953 und 1964 in Kanada zwischen 350 und 550 Eisbären pro Jahr erlegt worden waren, stieg die Zahl 1967 plötzlich auf 726 Tiere an. Weltweit verdoppelte sich die Zahl von etwa 700 Tieren 1960 auf über 1400 Tiere pro Jahr bis 1970. Die gesammelten Daten sind allerdings nicht vollständig und beruhen zum Teil auf Schätzungen, sodass niemand die tatsächliche Anzahl der getöteten Tiere, die voraussichtlich höher ist, kennt.

In the 20th Century, the number of slain polar bears increased quickly worldwide during the 1950s, expecially during the 1960s, when the value of their fur was greatly increased in North America and Europe.  And a growing number of sport hunters searched out opportunities for killing polar bears.  Modern weapons and the use of motorized vehicles, planes, and ships for hunting insured that the number of massacred animals in North America grew explosively.  In Alaska, the number of polar bears killed as trophies rose from 139 in 1961 to 399 in 1966.  From 1953-1964 the number of polar bears killed per year in Canada was 350-550.  In 1967 the number suddenly rose to 726 animals.  Worldwide, the number of animals killed was something like 700 in 1960 and had doubled to over 1400 animals by 1970.  The numbers are not complete and are based partially on estimates, so no one knows the exact number of animals killed.  It could be even higher. 

Eisbären auf Jan Mayen, 2009 - von Stefan Cook

Eisbären auf Jan Mayen, 2009 – von Stefan Cook – Polar bears on Jan Mayen, 2009, from Stefan Cook

Natürlich hatte diese unbeschränkte Jagd Konsequenzen auf die Eisbärenpopulation. Bereits Ende des 19. Jh. gab es erste Nachrichten, dass die Zahl der Eisbären auf den Inseln in der Barentssee, in der Beringsee und im Norden Kanadas auffällig abnahm. Im 20. Jh. setzte sich diese Entwicklung fort und nahm in einigen Gebieten der Arktis auf katastrophale Weise an Schnelligkeit zu. Russische Polarforscher hatten zwischen 1932 und 1938 etwa 400 Eisbären auf dem Küsteneis beim  Kap Tscheljuskin, dem nördlichsten Punkt der Taimyr-Halbinsel, beobachtet. 1948 bis 1949 waren es nur noch drei Bären. Die Zahl der Eisbären im Norden und Osten Grönlands hatte sich in der 2. Hälfte des 20. Jh. auf die Hälfte, im Süden und Westen Grönlands um 90 % verringert. Man schätzte die Zahl der Eisbären in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jh. auf weltweit nur noch insgesamt 5.000 bis 10.000 Tiere.

Of course, this unrestricted hunting had an impact on polar bear populations.  Already at the end of the 19th Century, there were the first reports that the numbers of polar bears on islands in the Barents Sea, in the Bering Sea, and in northern Canada were falling.  In the 20th Century, this trend continued, pointing to rapid devastation of some areas of the Arctic.  Between 1932 and 1938, Russian polar explorers had observed something like 400 polar bears on the coastal ice around Cape Chelyuskin, the northernmost point of the Taimyr Peninsula.  In 1948-49 there were only three.  The number of polar bears in northern and eastern Greenland was halved in the second half of the 20th Century and was reduced by 90% in southern and western Greenland.  Worldwide, it was estimated that the number of polar bears declinded to  5000-10,000 animals in the 1950s and 1960s.

Es gab also jede Menge Gründe sich um die Eisbären zu sorgen. Das erste internationale Treffen fand im September 1965 in Fairbanks in Alaska statt. Wissenschaftler und Artenschützer aus den fünf Arktis Anrainerstaaten trafen die ersten Vereinbarungen zum Schutz der Eisbären. 1968 wurde die IUCN Polar Bear Specialist Group („IUCN Eisbär-Spezialisten-Gruppe“) eingerichtet, deren Mitglieder Wissenschaftler aus Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und den USA sind. Ihre Arbeit trug maßgeblich dazu bei, dass am 15. November 1973 in Oslo das Abkommen zum Schutz der Eisbären verabschiedet wurde und im Mai 1976 in Kraft treten konnte. Seitdem treffen sich die Wissenschaftler alle zwei bis vier Jahre, um die neuesten Forschungsergebnisse zu diskutieren und über notwendige Maßnahmen für die Zukunft zu beraten. Das letzte Treffen fand im Sommer 2009 in Kopenhagen statt. Dass auch unter ihnen nicht immer Einigkeit darüber besteht, wie man die Eisbären schützen soll, zeigen die jüngsten Ereignisse um den Antrag des USA und Russlands auf der Artenschutzkonferenz in Bangkok. Heute sind die Eisbären nicht mehr durch die Jagd, sondern durch den Klimawandel bedroht. Doch die internationalen Bemühungen haben einiges erreicht, darüber werde ich in einer Fortsetzung berichten.

There were plenty of reasons to worry about polar bears.  The first international conference was set in Fairbanks AK in September 1965.  Scientists and conservationists from the five Arctic coastal states met to forge the first agreements to protect polar bears.  In 1968, the IUCN Polar Bear Speciatlist Group was founded, whose members include scientists from Denmark, Canada, Norway, Russia, and the USA.  Through their work the Oslo Agreement of November 1973 was signed and put into force in May 1976.  Since then, scientists continue to meet every two to four years, to discuss the latest research results and make plans for the future.  The last conference was set for summer 2009 in Copenhagen. But  there was not total agreement even among them on how the polar bears should be protected.  The recent resolution of the USA and Russia in Bangkok demonstrates some of the problems.  Today polar bears are no longer threatened by the hunt, but by climate change.  Still international efforts have achieved a lot, something I will get to in the sequel to this article.

Quellen – Sources:

Stirling, Ian, 2011, Polar Bears: The Natural History of a Threatened Species. Fitzhenry & Whiteside, Markham.

Honderich, James, 1991, Wildlife as a hazardous resource: an analysis of the historical interaction of humans and polar bears in the Canadian arctic. MA thesis, University of Waterloo, Ontario.

Uspenski, Sawwa, 1979, Heimat der Eisbären, VEB Verlag, Leipzig

Shadbolt, T., York, G. and Cooper, E.W.T, 2012, Icon on Ice: International Trade and Management of Polar Bears. TRAFFIC North America and WWF-Canada, Vancouver, B.C.

Agreement on the Conservation of Polar Bears, 15.November 1973

Cites Konferenz: Die Eisbären bleiben Gejagte, Die Zeit, von Dagny Lüdemann, 06.03.2013

PBSG statement on proposed transfer of polar bear to CITES Appendix I, 25. Februar 2013

40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil I
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil II
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil III
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil IV
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil V
40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil VI

2 Antworten zu “40 Jahre „Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären“ – Teil I

  1. Diane in Victoria

    It had been my impression that the agreement had particularly been driven by the fact that the polar bear population, especially on Mainland Russia, had dramatically decreased during WWII. The people were starving, so they killed the bears for food. Of course it was not sustainable. If the population becomes too small, it cannot reproduce fast enough. That’s what’s happening or threatening to happen in Hudson Bay.

  2. Diane in Victoria

    It breaks my heart. It makes me really angry to think that humans have so readily decimated polar bear populations. Mea culpa. Knowing, as I now do, that the polar bear has a rich emotional life, the amount of suffering involved in this history just overpowers me. I don’t have words to describe it. Ulli, you were very brave to write about all this history.

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