Wien: „Franz Josef Land“ entsteht in Schönbrunn

Wien, 22. März 2012

Am 22. März 2012 hatten die Direktorin des Tiergartens Schönbrunn, Dagmar Schratter, und der österreichische Minister für Wirtschaft, Familie und Jugend, Reinhold Mitterlehner , eine angenehme Aufgabe zu erfüllen. Sie durften zum Spaten greifen, um den Baubeginn des Großprojekt „Franz Josef Land“, der neuen Eisbärenanlage des Tiergartens, zu zelebrieren.

On March 22, 2012 the Director of the Schönbrunn Zoo, Dagmar Schratter, and the Austrian Minister of Economy, Family, and Youth, Reinhold Mitterlehner, met to perform a pleasant task.  They picked up the shovel to celebrate the start of construction of a large-scale project „Franz Josef Land“, the zoo’s new polar bear exhibit.

Foto: Tiergarten Schönbrunn

Vor fast genau 140 Jahren am 13. Juni 1872 verließ das Expeditionsschiff „Admiral Tegetthoff“ mit einer 24-köpfigen Besatzung Bremerhaven. An Bord waren zwei österreichisch-ungarische Offiziere und Arktisforscher: der Geophysiker Carl Weyprecht und der Kartograf und Professor der Militärakademie Julius Payer. Die restliche Mannschaft wurde aus ganz Österreich-Ungarn rekrutiert, speziell aber aus Istrien und Dalmatien. Ziel der Expedition war es entweder eine schiffbare Nordostpassage nördlich der sibirischen Küste in die Beringstraße zu finden, oder – sofern sich das als unmöglich erweisen sollte – einen Vorstoß gegen den Nordpol zu wagen.

Almost exactly 140 years ago, on June 13, 1872, the expedition ship „Admiral Tegetthoff“ left Bremerhaven with a 24-member crew.  On board were two Austro-Hungarian officers:  Arctic explorer and geophysicist Carl Weyprecht and cartographer and professor at the Military Academy Julius Payer.  The rest of the crew was recruited from all over Austria-Hungary, especially from Istria and Dalmatia.  The purpose of the expedition was to find either a navigable passage, north of the Siberian coast in the Bering Strait, or if that proved to be impossible, to attempt an assault on the North Pole.

Foto:  Wikipedia

Ende August blieb das Segelschiff, eine eisgängige Bark, nördlich von Nowaja Semlja im Eis stecken und wurde in Polarregionen abgetrieben, in die bis dato nur Robbenjägern und Walfängern vorgedrungen waren. So gelangten sie am 30. August 1873 zu einer Inselgruppe, die bisher nur wenige norwegische Fischer kannten, und tauften sie auf den Namen ihres Kaisers Franz-Josef-Land. Julius Payer würdigte den geschichtsträchtigen Moment der Entdeckung mit den Worten: „Es war um die Mittagszeit, da wir über die Bordwand gelehnt in die flüchtigen Nebel starrten, als eine vorüberziehende Dunstwand plötzlich raue Felszüge in Nordwest enthüllte, die sich binnen weniger Minuten zu dem Anblicke eines strahlenden Alpenlandes entwickelten!“

The ship, an ice-going vessel, sailed at the end of August, and north of Novaya Zemlya got stuck in ice drifting from polar regions, into which only sealers and whalers had penetrated up until then.  On August 30, 1873, they arrived at a group of islands, previously only known to a few Norwegian fishermen, and baptized them „Franz Josef Land“, for their emperor.  Julius Payer paid tribute to the historic discovery, „It was around noon, as we leaned over the side into the drifting fog and stared at a passing wall of mist, which suddenly revealed rough rocky terrain in the Northwest, and within a few minutes, an radiant Alpine land was revealed.“

Foto: Eisbärenjagd während der Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition – Polar bear hunting during the Austro-Hungarian North Pole expedition.

Heute gehört die Inselgruppe. deren nördlichster Punkt Kap Fligely nur 940 Kilometer vom Nordpol entfernt liegt, zu Russland. Sie besteht aus 191 Inseln, die zu über 80 % ständig mit Eis bedeckt sind. Hier liegt die Heimat von vielen Eisbären, die auf dem Eis ihre Nahrung jagen und in Schneehöhlen Jungtiere zur Welt bringen.

Today the island group, whose northernmost point Cape Fligely, lies just 600 miles from the North Pole, belongs to Russia.  It consists of 191 islands, always more than 80% covered with ice.  Here is the home of many polar bears, who hunt on the ice and bring food back to their cubs in snow-covered dens.

Franz-Josef-Land ist also ein sehr passender Name für eine Eisbärenanlage in Wien, die zugleich die Arktische Heimat der Eisbären und die Verdienste Österreichs bei der Erforschung arktischer Regionen würdigt. 10,5 Mio. Euro soll das gesamte Projekt kosten. Mit einer Fläche von 1.700 qm wird die Außenanlage der neuen Eisbärenwelt fast dreimal so groß werden wie die alte Anlage. Die Tiergartendirektorin Dagmar Schratter erklärte: „Mit unterschiedlich tiefen Wasserbecken und wechselnden Bodenstrukturen wird die neue Anlage den Tieren bestmögliche Lebensbedingungen bieten. Auf Fels- und Geröllflächen, in Bächen und Wasserfällen sind für die Bären große Rundgänge möglich.“ Für die Zoobesucher wird es möglich sein die Eisbären aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten. Eine Innenanlage mit unterirdischen Bereichen soll den Tieren Rückzugsmöglichkeiten bieten und natürlich wird auch eine besondere Mutter-Kind-Anlage gebaut, um an die Aufzuchterfolge der Vergangenheit anknüpfen zu können. In ihr wird man die Tiefe des Wasserbeckens an den Entwicklungsstand der Jungtiere anpassen können.

Franz Josef Land is, therefore, a very fitting name for the polar bear exhibit in Vienna, because it celebrates the Arctic home of polar bears as well as the contributions of Austrians to Arctic exploration.  The entire project is expected to cost US$14 million.  With an area of 18,000 sq. ft., the grounds of the new polar bear exhibit will be almost three times the size of the old enclosure.  Zoo Director Dagmar Schratter remarked, „With deep pools and varied terrain, the new facility will offer the best possible living conditions for the animals.  The big bears will walk across rocks and boulders, as well as through streams and waterfalls.  An indoor facility with underground areas will offer a retreat to the animals, and naturally there is also a special mother-and-cub enclosure, designed to build onto the zoo’s past history of successful breeding.  There we will be able to adjust the depth of the pool to the level of development of the young cubs.“ 

Foto: Arktos und Nanuq, Tiergarten Schönbrunn

In einem Informationszentrum, dem Polardom, der gleichzeitig als Aussichtsplattform dient, sollen die Zoobesucher alles über die polare Tierwelt und ihre Gefährdung erfahren. In einem Besuchertunnel mit einer abschließenden Höhle werden große Scheiben Unterwassersichten bieten. Hier soll die Temperatur abgesenkt werden um auch einen spürbaren sinnlichen Eindruck der Arktis zu ermöglichen. Auf dem Dach des Polardoms ist eine Photovoltaik-Anlage geplant, die nachhaltig zu der Energieversorgung der neuen Anlage beitragen soll.

At the information centre, the „Polardom“, which also will serve as a viewing platform, zoo visitors can learn everything about polar wildlife and their vulnerability.  A tunnel cave with large windows will provide visitors will underwater views.  Here, the temperatures will be lowered to permit a sensory impression of the Arctic.  On the roof of the Polardom, a photovoltaic system is planned, which will contribute to a sustainable energy supply for the new facility.

Abbildung: Tiergarten Schönbrunn

Seit 1800 leben im ältesten Zoo der Welt Eisbären. Seit 1960 werden sie auch in Wien gezüchtet. Das erste Jungtier, das in Wien zur Welt kam, hieß Kara und wurde am 27. November 1960 geboren. Seitdem sind über 20 junge Eisbären in Schönbrunn geboren und aufgezogen worden. Die letzten Jungtiere, die Zwillinge Arktos und Nanuq, die im Jahr 2007 zur Welt kamen, leben nun im Erlebniszoo Hannover. Die letzte Eisbärin im Tiergarten war Tania, die 23. Dezember 1990 in Rotterdam geboren wurde. Sie zog am 12. Oktober 2011 nach Budapest um. Nach ihrem Umzug wurde mit dem Abbau der alten Eisbärenanlage begonnen.

Since 1800, polar bears have been shown in the oldest zoo of the world.  Since 1970, they have also been breeding in Vienna.  The first cub born in Vienna was „Kara“, born on November 27, 1960.  Since then more than twenty polar bear cubs have been born and raised at the Schönbrunn Zoo.  The latest cubs, twins Arktos and Nanuq, born in 2007, now live at the Erlebnis Zoo in Hanover.  The last polar bear in the Zoo was Tania, born December 1990 in Rotterdam.  She was moved to Budapest on October 12, 2011.  Then began the dismantling of the old polar bear exhibit.

Tania in Schönbrunn im Juli 2011

Die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition kam am 25. September 1874 in Wien auf dem Nordbahnhof an. Nur ein Expeditionsmitglied hatte das Abenteuer in der Arktis nicht überlebt. Die Heimkehrer wurden auf ihrer Fahrt durch die Stadt von einer Viertelmillion Menschen bejubelt.

The Austro-Hungarian North Pole expedition arrived back in Vienna’s North Station on September 25, 1874.  Only one member of the crew had not survived the adventure.  The returnees were cheered by a quarter million people as they crossed the city.

Sicher wird 140 Jahre später auch die Eröffnung des Franz-Josef-Lands im Tiergarten Begeisterung hervorrufen. Denn 2014 soll die neue Anlage fertig werden. Wer die ersten Bewohner sein werden, steht noch nicht fest. Vielleicht zieht ja das alte Zuchtpaar Eric und Olinka, die nun im Diergaarde Blijdorp in Rotterdam leben, wieder nach Wien oder ihr Sohn Vicks, der im Dezember 2010 zur Welt kam, wird mit einer jungen Eisbärin ein neues Paar bilden, das die Hoffnungen auf neue Zuchterfolge in Schönbrunn in der Zukunft erfüllen soll. Entscheiden wird dies der Zuchtbuchkoordinator des EEP für Eisbären.

140 years later, the opening of Franz Josef Land at the Zoo will also cause great celebration.  Completion is scheduled for 2014.  It is not yet known who will be its first inhabitants.  Maybe the old breeding pair of Eric and Olinka, now living at the Blijdorp Zoo in Rotterdam, will return to Vienna, or her son Vicks, born in December 2010, to be matched with a young female, so a new breeding pair, to give hope of reproductive success at the Schönbrunn Zoo of the future.  This will be decided by the Coordinator of the EEP polar bear studbook.

Eisbären Olinka und Vicks im Diergaarde Blijdorp in Rotterdam

Vicks und Mama Olinka in Rotterdam im Dezember 2011

Die Finanzierung des Projekts trägt zum größten Teil der österreichische Staat. 1,5 Mio Euro sollen durch Spenden finanziert werden. Auch im Internet  ruft der Tiergarten Schönbrunn dazu auf sich daran zu beteiligen. Bisher sind 175.000 Euro Spenden gesammelt worden.

Funding for the project came in large part from the Austrian government.  US$2 million is to be financed by donation.  On the internet, the Vienna Zoo invites donations.  So far, donations of US$242,000 have been collected.

Quellen – Sources:

http://franz-josef-land.zoovienna.at/artikel/franz-josef-land/
http://wien.orf.at/news/stories/2525989/

http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/52985.html
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich-Ungarische_Nordpolexpedition

Eine Antwort zu “Wien: „Franz Josef Land“ entsteht in Schönbrunn

  1. I hate that guy in the polar bear costume. So tacky!

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