40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil IV

Norwegen – Strenger Schutz ohne Ausnahmen

Norwegen ist der Musterschüler in Sachen Eisbärenschutz. Eisbären stehen dort unter strengem Schutz und dürfen nur aus Notwehr, wenn Menschleben in Gefahr sind, getötet werden oder um einen verletzten, im Sterben liegenden Eisbären von seinen Leiden zu erlösen. Vor Abschluss des Abkommens 1973 gab es in den 70er Jahren des 20. Jh. eine Quotenregelung, die aber mit Inkrafttreten des Abkommens endete, da darin geregelt war, dass nur Ureinwohner die Jagd auf Eisbären erlaubt ist. Auf dem Spitzbergen Archipel gibt es keine Ureinwohner. Darüberhinaus wurde 1973 allen Norwegern untersagt in öffentlichen Gewässern Eisbären zu jagen.

Und da ist man in Norwegen konsequent. Natürlich gab es auch hier öffentlichen Widerstand gegen das Jagdverbot und einige Trapper, die sich in Spitzbergen  angesiedelt hatten, um dort in einer ursprünglichen Landschaft ein ursprüngliches Leben zu führen und nur für ihren eigenen Nahrungsbedarf jagten und kein Geld damit verdienen wollten, wendeten sich an das norwegische Parlament, um doch eine Erlaubnis für die Jagd auf Eisbären zu erhalten. Sie beriefen sich auf den Artikel III des Abkommens von 1973, in dem jeder Vertragspartei erlaubt wird, Eisbären zu jagen, töten oder einzufangen, wenn dies „von der lokalen Bevölkerung mit traditionellen Methoden in der Ausübung ihrer traditionellen Rechte und in Übereinstimmung mit den Gesetzen dieser Partei“ geschieht. Sie interpretierten diesen Passus so, dass er auch für in der Region lange ansässige Menschen gelte. Doch das  Parlament gab ihnen nicht Recht, diese Regelung gelte nur für indigene Bewohner, die es auf Spitzbergen nicht gebe.

Es gibt 29 geschützte Gebiete auf dem Svalbard Archipel, die insgesamt eine Fläche von 115.600 km² bedecken. Dadurch stehen 77%  des Archipels unter Naturschutz. Dazu gehören sechs Nationalparks auf der Insel Spitzbergen und einer auf Prinz-Karl-Vorland, eine langgestreckte Insel an der Westküste des Svalbard-Archipels, die zusammen eine Fläche von 34.345 km² umfassen. Auf Spitzbergen liegen der Sør-Spitsbergen-Nationalpark, der 1973 entstanden ist, der Nordenskiöld-Land-Nationalpark, der Sassen-Bünsow-Land-Nationalpark, und der Nordre-Isfjorden-Nationalpark, die alle 2003 geschaffen wurden sowie der Indre-Wijdefjorden-Nationalpark, der 2005 gegründet wurde und der Nordvest-Spitsbergen-Nationalpark, geschaffen 1973. Der Forlandet-Nationalpark auf Prinz-Karl-Vorland entstand ebenfalls 1973.

Nationalparks stellen in Norwegen Schutzgebiete mittlerer Schutzstufe dar. Man darf in ihnen wandern und klettern, allerdings darf man Fauna und Flora nicht schädigen und keinen Müll hinterlassen.

Strenger geschützt sind Naturreservate. Sie dürfen meist das ganze Jahr nicht betreten werden und auch für die Gewässer rund um die Inseln gelten besondere Regelungen. Auf dem Svalbard Archipel gibt es sechs Naturreservate.

aus der Wikipedia

aus der Wikipedia

Das Nordost-Svalbard-Naturreservat ist mit 55.354 km² das größte, es wurde 1973 gegründet. Zu ihm gehören die Inseln Nordostland, Kvitøya, Storøya, Lågøya und Sjuøyane, die Inselgruppe König-Karl-Land sowie die Hinlopenstraße einschließlich eines Küstenstreifens der Insel Spitzbergen und der in der Straße liegenden Inseln wie Wilhelmøya, Wahlbergøya und die Inselgruppe Bastianøyane. Es besitzt mit den Inseln von König-Karl-Land das bedeutendste Aufzuchtgebiet für die Eisbären der gesamten Region. Diese Inseln dürfen deshalb ganzjährig nicht betreten werden und man darf sich ihnen maximal mit einem Abstand von 500 Metern zu Wasser oder in der Luft annähern. Bereits 1939 wurden die Insel des Archipels unter Naturschutz gestellt und die Jagd auf ihnen verboten.

Das Südost-Svalbard-Naturreservat, das ebenfalls 1973 entstand hat eine Fläche von 21.826 km². Zu ihm gehören die großen Inseln Barentsøya und Edgeøya sowie eine Reihe kleiner Eilande wie Kükenthaløya, Halvmåneøya, die Tusenøyane und die Ryke Yseøyane.

Seit 2002 ist die südlichste Insel des Archipels Bjørnøya, die Bäreninsel, mit Ausnahme einer 1,2 km² großen Fläche um eine meteorologische Station, die bereits 1918 gegründet, ein Naturreservat Das Gebiet umfasst auch die umliegenden Gewässer in einer Zone von vier Seemeilen (7,4 km) um die Küste. Im Jahr 2008 wurde die Schutzzone auf zwölf Seemeilen (22 km) erweitert, sodass das Reservat nun eine Gesamtfläche von fast 3000 km² hat.

Im September 2003 wurde rund um Hopen, der Hoffnungsinsel, die etwa 100 km südöstlich der Insel Spitzbergen liegt, ein  3208 km² großes Naturreservat geschaffen, um zu verhindern, dass hier eine Basis für eventuelle Öl- und Gasfördervorhaben in der Barentssee entsteht. In Frühjahr 1996 wurden auf der Insel 35 Geburtshöhlen entdeckt.

Bereits seit 1983 steht die Insel Moffen unter Schutz. Sie liegt im Nordwest-Spitzbergen National Park. Die Insel und eine 300 Meter breite Zone im Meer bilden das Naturreservat, das zwischen dem 15. Mai und dem 15. September nicht betreten oder mit Schiffen befahren werden.

Das Ossian Sars Naturreservat liegt am Ende des Kongfjords. Es wurde am 26. September 2003 geschaffen, um die Berge des Ossian Sarsfjellets zu bewahren.

Neben den Naturparks und den Naturreservaten gibt es 15 Vogelschutzgebiete und ein Geologisches Schutzgebiet. Geregelt ist der Schutz der Natur seit 2001 durch das Gesetz über den Umweltschutz auf Svalvard.

Zusätzlich gab es weitere Maßnahmen, die den Schutz der Eisbären verbesserten. So enthält der seit 2002 gültige Svalbard Environmental Protection Act Regeln für das Campen auf Svalbard, um Mensch-Eisbär-Konflikte zu vermeiden. Die Maßnahmen haben Erfolg. Befürchtungen, dass der wachsende Tourismus zu mehr Konflikten zwischen Menschen und Tier und damit zu mehr getöteten Eisbären führen würde, haben sich nicht bestätigt. Es kommt nur sehr selten vor, dass in Norwegen ein Eisbär getötet wird. Seit 2004 wurde fast immer nur ein Eisbär pro Jahr zum Opfer einer zu engen Begegnung mit einem Menschen.

Statistilk

Zahl der getöteten Eisbären auf dem Svalbard Archipel von 1974 bis 2009, aus dem Bericht der IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group 2009

Um die geschützten Gebiete vor Störungen durch zu viel Tourismus und einer Verschmutzung durch Öl zu bewahren, dürfen seit 2008 nur noch Schiffe, die maximal 200 Passagiere haben, die Gewässer des Nordost-Svalbard-Naturreservats und des Südost-Svalbard-Naturreservat befahren und die Schiffe dürfen nur Marinedieselöl der Klasse DMA nutzen und mit sich führen.

Die Eisbärenpopulation in der Barentssee, die im Bereich von Spitzbergen lebt, hat sich seit 1973 leicht erholt. Sie war davor auf unter 2.500 Tiere gesunken und  man schätzt, dass sie heute wieder 3000 Tiere. Historisch war aber die Anzahl der Eisbären in dieser Region um ein Vielfaches höher.

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Fotos von links nach rechts von: Stefan Cook, Pelo Pantón (Ny-Ålesund), Kerry Ritz

Quellen – Sources:

Shadbolt, T., York, G. and Cooper, E.W.T, 2012, Icon on Ice: International Trade and Management of Polar Bears. TRAFFIC North America and WWF-Canada, Vancouver, B.C.

http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG15proc.pdf
http://pbsg.npolar.no/export/sites/pbsg/en/docs/PBSG09proc.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalparks_in_Norwegen
http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B8r-Spitsbergen-Nationalpark
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordenski%C3%B6ld-Land-Nationalpark
http://de.wikipedia.org/wiki/Sassen-B%C3%BCnsow-Land-Nationalpark
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordre-Isfjorden-Nationalpark
http://de.wikipedia.org/wiki/Forlandet-Nationalpark
http://de.wikipedia.org/wiki/Indre-Wijdefjorden-Nationalpark

http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Nature_reserves_in_Svalbard
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/northeast-svalbard.html
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/southeast-svalbard.html
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/bjornoya/
http://cruise-handbook.npolar.no/en/bjornoya/index.html
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/hopen.html
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/moffen.html
http://www.ecolex.org/ecolex/ledge/view/RecordDetails;DIDPFDSI?id=LEX-FAOC067617&index=documents
http://www.npolar.no/en/the-arctic/svalbard/ossian-sars.html

http://www.regjeringen.no/en/doc/laws/Acts/svalbard-environmental-protection-act.html?id=173945

http://kho.unis.no/doc/Polar_bears_Svalbard.pdf

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