Alaska Zoo: Eisbärbaby „wohlauf“

Polar bear cub ‚doing great‘

Original Artikel – original article (in English)

http://www.alaskadispatch.com/article/polar-bear-cub-doing-great?page=0,0

Sechsmal am Tag gibt es für das gerettete Eisbärenjungtier einen speziell angefertigten Smoothie und der sorgt dafür, dass das kleine Weibchen auf einem guten Weg ist, das fehlende Wachstum aufzuholen. Im Alaska Zoo nennt man den neuen kleinen Bewohner liebevoll „Baby Bear“, „Cutie Pie“ oder Qannik – was soviel wie Schneeflocke im Inupiak bedeutet, das ist auch der Name des Ölfeldes, wo das Jungtier gefunden wurde. Die kleine Bärin nimmt mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit zu. Pat Lampi, der Direktor des Alaska Zoos vermeldet stolz, dass sein Schützling Tag für Tag ein Pfund schwerer wird.

„Wir versuchen uns nicht an einen der Namen zu gewöhnen, weil sie nicht bei uns bleiben wird.“,  sagte Pat Lampi am Freitag, eine Woche nachdem das fast vier Monate alte, stark untergewichtige Jungtier im Zoo angekommen war. Die Kleine hatte eine Reise von fast einem ganzen Tag von der North Slope bis nach Anchorage, der größten Stadt Alaskas, hinter sich, sie war gestresst und suchte zunächst Schutz in der großen Hundetransportbox, in der man sie transportiert hatte.


Foto: John Gomes/Alaska Zoo and U, S. Fish and Wildlife Service

Der Alaska Zoo hat die Aufgabe einer Pflegefamilie für das Jungtier übernommen, man ist sich aber bewusst, dass die kleine Bärin nur eine begrenzte Zeit im Zoo bleiben wird, denn es gibt bereits zwei Eisbären im Alaska Zoo, Aphun und Lutyik. Sie ist in guten Händen. Sie ist das 45. Bärenjungtier und der achte kleine Eisbär, der in den letzten 25 Jahren im Alaska Zoo angekommen ist, um hier aufgezogen zu werden. Auch Aphun, die zwölfjährige Eisbärin des Alaska Zoos, war ein Wildfang und wurde hier zusammen mit einer Braunbärin, Oreo, aufgezogen. „Wir sind ziemlich gut in der Aufzucht von Bärenjungen.“; sagt Lampi.

Das kleine Energiebündel wurde vor dem sicheren Tod gerettet, nachdem sie allein an der Beaufort Sea aufgefunden wurde. Da Eisbären unter dem Schutz des Endangered Species Act stehen, müssen die Mitarbeiter der Ölfelder es sofort melden, wenn ein Eisbär in der Nähe ihrer Förderanlagen gesichtet wird. Diese Regelung sorgte auch dafür, dass die Beamten des US Fish and Wildlife Service auf das verwaiste Jungtier aufmerksam gemacht wurden.

Die Arbeiter des ConocoPhillips‘ Alpine Ölfelds hatten das Jungtier zunächst beobachtet, als es zusammen mit seiner Mutter und einem Geschwisterchen aus der Geburtshöhle gekommen war. Aber eines Tages waren die Mutter und das andere Jungtier plötzlich verschwunden. Niemand kennt die Ursache. Die Mitarbeiter des Ölfeldes machten sich auf die Suche nach Spuren von den beiden verschwundenen Eisbären. Nach zwei Tagen vergeblicher Suche war es an der Zeit eine Entscheidung zu treffen: Sollte man den kleinen Bären seinem Schicksal und damit dem sicheren Tod überlassen oder es einfangen, um es zu retten und in einen Zoo zu bringen.

Foto: John Gomes/ Alaska Zoo

„Für mich war es am wichtigsten, dass es keine Chance mehr gab, dass die Mutter wieder auftauchen würde, um ihr Jungtier zu holen.“, sagte Rosa Meehan, örtliche Leiterin der Abteilung für Meeressäuger des U.S. Fish and Wildlife Service. Das ist die Behörde die zuständig ist für die Überwachung der Bären in der Wildnis.

Zwei Tage nach die Eisbärin eingefangen worden war, wurden die Mutter und das andere Jungtier auf dem Meereis 30 Meilen nördlich von dem Geburtsort entdeckt, sagte Rosa Meehan. Eine Entfernung, die so groß ist, dass man sicher sein kann, dass die Mutter ihr Jungtier tatsächlich zurückgelassen hatte. Vielleicht hatte ein männlicher Bär die Familie getrennt, vielleicht konnte die Mutter, selbst untergewichtig, nicht für die beiden Jungen sorgen, vielleicht war „Qannik“ zu klein, um der Mutter und dem anderen Jungtier zu folgen, vielleicht wurden sie durch einem Schneesturm getrennt. „Es gibt einfach keine Möglichkeit zu erfahren, warum die Eisbärin eins ihrer Jungen zurückgelassen hat.“, sagte Rosa Meehan.

„Dass Jungtiere von der Mutter getrennt werden, ist ein Teil der Natur.“, erklärte sie, räumte aber auch ein, dass es schwer ist, ein Jungtier in so einer Situation zu beobachten, ohne einzugreifen. „Es ist sehr traurig“, vor allem bei einem sehr jungen, sehr kleinen Tier, das ganz und gar von seiner Mutter abhängig ist, um überleben zu können.

Nun sind zwei Missionen sind im Gange: dafür zu sorgen, dass die kleine Eisbärin an Gewicht zulegt und gesund wird und ein perfektes Zuhause sie zu finden, dass ihr Bedingungen bietet, die ihrer ehemaligen arktischen Heimat ähneln.

Foto: John Gomes/Alaska Zoo and U, S. Fish and Wildlife Service

Als die Bärin im Zoo ankam, wog sie 15 und ein halbes Pfund, informierte Pat Lampi, weit unter dem normalen Gewicht. Wissenschaftler, die das Muttertier und die beiden Jungtiere elf Tage vor dem Auffinden des verwaisten Jungtieres eingefangen und die Mutter mit einem Sender an einem Kragen versehen hatten, berichteten, dass alle drei Bären klein und untergewichtig zu sein schienen. Leider hatte die erwachsene Bärin den Sender schnell wieder verloren, sodass man sie nicht orten konnte, als das Jungtier verwaist entdeckt wurde. Noch heute gibt es Spuren im Fell des Jungtieres von dem blauen Farbstoff, mit dem die Eisbären markiert wurden. Vermutlich ist die Farbe an sein Gesicht gekommen, als das Jungtier mit seiner Mutter und seinem Geschwisterchen geschmust hat. Der Farbstoff wird verwendet, um die Tracking-Nummern auf der Innenseite der Bärenlippen zu tätowieren, erklärte Bruce Woods, ein Sprecher des US Fish and Wildlife Service in Anchorage.

In ihrem „Übergangsheim“ in einem Raum in der neuen Krankenstation des Zoos bekommt die kleine Eisbärin ihre besonderen Mahlzeiten aus Welpenaufzuchtmilch, Sahne, Lachs und Eisbär Nuggets – das ist eine Art großes Hundefutter, deren Rezept an die Bedürfnisse von Bären angepasst ist – und Lebertran. Eine fettreiche, proteinreiche und vitaminreiche Diät, die dem Jungtier alle vier Stunden gefüttert wird. Lampi erwartet, dass die momentane Gewichtszunahme von einem Pfund pro Tag sich auf die normale Zunahme von einem halben Pfund pro Tag verlangsamen wird. Es ist sein aktuelles Ziel, dass die junge Eisbärin ein Gewicht von 20 Kilo oder ein bisschen mehr erreichen soll, abhängig davon wie lange es dauert, bis sie es erreicht hat.

Inzwischen hat sich die Nachricht auf der ganzen Welt verbreitet, dass in Alaska eine in der Wildnis gefangene Eisbärin großgezogen wird. „Es gibt ein großes Interesse an dem Schicksal des Jungtieres.“, sagte Meehan. Das U.S. Fish and Wildlife Service hat Anrufe erhalten von Menschen und Zoos, die sich für die Eisbärin interessieren und auch der Alaska Zoo hat Anfragen erhalten. „Es gab Anrufe aus Kanada und sogar aus Deutschland.“, erzählte Lampi.

Es gibt überall in den USA Zoos, die Eisbären halten. So leben nun die berühmten Zwillinge , Klondike und Snow, die im Denver Zoo geboren wurden, heute in der Sea World Orlando in Florida. Man wird dafür sorgen, dass die Eisbärin aus Alaska in einem guten Zoo unterkommen wird, wo ihr Lebensbedingungen geboten werden, die ihren Bedürfnissen gerecht werden und qualifizierte Betreuer dafür sorgen, dass sie geistig aktiv bleibt. Eine ideale Einrichtung sollte der Bärin einen Kumpel bieten, mit dem sie aufwächst. „Es ist am besten, wenn sehr junge Bären, mit einem anderen Tier aufwachsen, um sich zu sozialisieren. Dies ist besonders wichtig bei einem Jungtier.“, sagte Rosa Meeham. Am besten sei es einen anderen Eisbären als Gefährten für das Jungtier zu finden. Eine andere Bärenart ist nicht immer unproblematisch, wie der Alaska Zoo aus eigener Erfahrung weiß. Die Eisbärin Aphun lebte einige Jahre mit einer Braunbärin Oreo zusammen, bis die Braunbärin, die agressiver war, begann Aphun anzugreifen und zu gefährden, sodass man die beiden trennen musste.

Foto: Aphun und Oreo (2003) http://www.bluegum.com/travels/Alaska03/Apr24/index.html

Um ihren neuen, niedlichen Schützling wird man sich, so lange es nötig ist, im Alaska Zoo kümmern – „Sie ist so süß, wie es nur möglich ist, und andererseits ein bisschen temperamentvoll“, sagte Pat Lampi und erklärte, dass alle Bären unterschiedliche Persönlichkeiten hätten. Dieses Jungtier hält im Moment noch nicht so besonders viel von Menschen. Lampi meint, dass dies mit den Erfahrungen zusammenhängt, die sie in der letzten Zeit mit ihnen gemacht hat. „Sie hatte eine harte Zeit.“, sagte er. „Man hat ihre Ohren durchbohrt und sie tätowiert. Ihre erster Eindruck von den Menschen war nicht der beste.“ Aber sie macht Fortschritte, erzählt er. Wenn er lange genug bei ihr in ihrem Zimmer sitzt, kommt sie zu ihm herüber und beißt ihn in die Stiefel. Und dann fügt er hinzu: „Sie hat sich wirklich schon sehr verändert, seit sie hier angekommen ist.“ „Sie ist stärker und vertraut uns mehr.“, berichtet er. „Sie sind so lebhaft und immer beschäftigt. Es ist einfach eine Freude sie bei sich zu haben.“

3 Antworten zu “Alaska Zoo: Eisbärbaby „wohlauf“

  1. Was für ein Schicksal…
    Sie ist so ein süßes und hübsches Eisbärenmädchen.
    Ich wünsche der Kleinen ein ganz tolles Eisbärenleben in einem schönen Zoo.
    LG
    Manuela

  2. Sie wird und muss einfach groß und stark werden. Und ein Mädchen, noch dazu mit einer neuen Blutlinie, da werden wohl viele Zoos sehr interessiert sein. Ich hoffe, sie findet ein ganz tolles Zuhause und wir hören mal nur gute Neuigkeiten aus dem Alaska Zoo.

    LG Elke

  3. Seufz,
    was für eine nette Geschichte und was für ein süßes Eisbärenmädchen.Obwohl sie jetzt so gut betreut wird, wäre es doch schöner, bei der Mama und dem Geschwisterche aufzuwachsen.Aber da es nun so gekommen ist, freut es mich sehr, dass sie gerettet werden konnte und wünsche ihr ein ganz tolles Leben in einem feinen Zoo mit einem netten Gefährten.
    Ich hoffe, wir hören weiter nur Gutes von ihr.
    Vielen Dank für eure Informationen.
    Ich wünsche euch einen schönen Abend, Brigitte

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