Ein Eisbär im Hafen von Bergen

BTEs gab schon unglaublich Geschichten über Eisbären in der Vergangenheit. Heute kann man sich so etwas überhaupt nicht mehr vorstellen und es ist auch gut so, dass eine Geschichte wie jene, die im Sommer 1953 im Hafen der norwegischen Stadt Bergen geschah, heute nicht mehr passieren kann.

Am 8. Juni 2008 veröffentlichte die „BERGENS TIDENDE“ einen Artikel über die einen Eisbären im Hafen von Bergen, der im Juli 1953 von einem Schiff floh. Unser Dank geht an Martina, die uns auf den Artikel aufmerksam gemacht hat. Es lohnt sich mehr über diesen Vorfall zu erfahren.

„Er brüllte und knurrte wie ein Hund, kämpfte und schlug aus Wut mit seinen Tatzen gegen das Motorboot.“ So beginnt der Artikel in der norwegischen Zeitung. In Bergen gibt es bestimmt noch ältere Einwohner, die sich an die unglaubliche Geschichte des Bären, der die Herzen von Bergen im Sommer 1953 für Aufregung sorgte, erinnern.

Am 30. Juli 1953 berichtet die Zeitung:

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Eisbären Jagd am Morgen im Hafen

Das wilde Tier entkam und wurde nach mehreren Stunden Jagd von der Polizei und den Hafenbehörden mit Motorbooten eingefangen.

 

Am „Skoltegrunnskaien“ ist heute Morgen an Bord der „Neptun“ ein Eisbär aus seiner Box entwichen. Er fiel ins Meer und schwamm in Richtung Hafen. Polizei, Mitarbeiter der Hafenbehörde und Ladearbeiter begannen eine dramatische Jagd mit Motorbooten. Der Bär wurde mit einem Lasso eingefangen und wieder nach Skolten geschleppt, wo er nach einem stundenlangen Kampf wieder zurück an Bord in seine Kiste gebracht wurde.

Die dramatische Verfolgungsjagd wurde mit großem Interesse von der Öffentlichkeit an Land verfolgt. Die Docks waren schwarz von Menschen und es wimmelten nur so von kleinen Booten im Hafen. Die Menschen weinten und schrien.

Die Eisbären – ein erwachsener Bär und vier Jungtiere – kamen heute Morgen aus dem Norden mit der „Lofoten“ an. Die Bären sind für Hagenbeck in Hamburg vorgesehen. Beim Umladen von der „Lofoten“ auf die „Neptun“ war der Bär aus der Kiste entkommen. Er versuchte das Schiff mit einem Sprung zu erreichen, landete dann aber im Meer und schwamm ruhig und gelassen Richtung Binnenhafen. Er schwamm vollkommen ungerührt, schnaubte und konnte leicht lokalisiert werden.

Den Menschen an den Docks waren das Phänomen bald bewusst und näherten sich rücksichtslos dem Tier mit kleinen, leichten Jollen und Ruderbooten. Die Polizei kam mit einem Fylkesbåtanes Motorboot als der Bär auf der Höhe des südlichen Nykirkekai war. An Bord waren fünf Männer. Während einer mit einer Waffe bereitstand, begannen die anderen eine dramatische Jagd. Am Bug stand ein Mann mit einem Lasso, der versuchte in bester Zirkusmanier ein Seil um den Hals des Bären zu werfen. Die anderen Männer standen mit Seilen bereit den Bären zu fesseln. Es gelang ein Seil um den Hals des Bären zu werfen, aber der brüllte und die Trosse löste sich wieder. Nach ein paar vergeblichen Versuchen gelang es wirklich ein Zentimeter dickes Seil um den Hals und einen Hinterfuß des Bären zu legen. Der Bär zeigte jetzt seine Natur. Er brüllte und knurrte wie ein Hund, er kämpfte und schlug in seiner Wut mit seinen Tatzen gegen das Motorboot. Aber zum Glück verstand es die Polizei zu verhindern, dass der Bär in das Boot gelangte. Es paar Bootshaken reichten hierfür aus..

Sie nahmen den Bären in Schlepptau und zogen ihn nach Skolten, aber hier begannen die Schwierigkeiten erst richtig. Das Tier war völlig außer sich vor Angst und Wut. Er brüllte und schlug wild um sich. Er versuchte die Seile durchzubeißen und die Leute sorgten dafür, dass er keinen festen Halt hatte.

Die Menschen auf dem Kai schrien begierig im Chor. An guten Ratschlägen gab es wahrlich keinen Mangel. „Lassen sie den Tierarzt einen Narkoseschuss abgeben,“ rief einer. „Ziehen sie an den Seilen“, riefen einige, während andere schrien, dass die Seile gelöst werden sollen. Die Polizei versuchte ständig den Kai von den Menschen zu leeren, aber Jugendliche und neugierige Touristen, die meinten, dass dies eine norwegische Veranstaltung wäre, konnten nicht vertrieben werden und die Menge nahm ständig zu.

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Fotos: BERGENS TIDENDE

Mit einem der Kräne wurde eine „Zweimeter-Eisbär-Kiste“ ins Wasser gelassen, und nach unglaublichen Strapazen und vielen gescheiterten Versuchen fiel der Eisbär in die oben offene Kiste. Der Kranführer hob die Kiste soweit an, bis sie einen Meter über den Kaiboden und ein paar Meter von der Seebrücke über dem Wasser schwebte. Es bestand keine Gefahr mehr.

Wie gefährlich es wirklich war, wurde sicherlich im Eifer des „Gefechtes“ nicht wahrgenommen. Die wütende Bestie hatte es einmal geschafft den Deckel der Kiste abzureißen, aber jetzt waren Seile um den Hals und dem Bauch des Bären und verhinderten offenbar, dass er auf den Skoltegrunnskaien hinunterspringen konnte.

Die Polizei und zivile Helfer kämpften darum den Deckel auf die Kiste zu bekommen und zu verschließen, aber die Kiste war einige Meter entfernt. Es war keine leichte Sache und so dauerte es noch eine halbe Stunde bis die Kiste verschlossen war. Es gibt Grund, der Polizei und den zivilen Menschen zu danken, die die Verfolgung des Bären mit dem Motorboot aufnahmen und einfingen. Es war nicht abzusehen, was hätte passieren können, wenn das Tier in seiner Panik auf den Kai gelangt wäre.

Vielmehr taucht auch die Frage auf, ob der Transport angemessen war. Das Tier war in einer Kiste, deren Wände aus 2,5 cm dicken Brettern bestand. Der Deckel war mit 7,5 cm langen Nägeln verschlossen Der Bär riss mit wenigen Schlägen den Deckel ab. Ein Eisbär hat fantastische Kräfte, ist es eines der mächtigsten Tiere auf der Welt. Vielleicht haben die Transporteure gedacht, dass der Eisbär nicht seine die ungeheure Kraft nutzen würde.

(Bergens Tidende am 30. Juli 1953)

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Soweit der Artikel aus dem Jahr 1953. Wir haben in unseren Unterlagen einmal nachgeschaut, ob über das weitere Schicksal der fünf Eisbären etwas bekannt ist. Ganz sicher sind wir uns nicht, da in dieser Zeit noch viele Wildfänge für Zoos und Zirkusse bestimmt waren. In unseren Unterlagen gibt es im Jahr 1953 16 Wildfänge und 6 Eisbären unbekannter Herkunft. Aber ein Bisschen haben wir dann doch herausgefunden. Am 26. August 1953 kamen vier Jungtiere in den Tiergrotten Bremerhaven an, die sie aus Hamburg, also vermutlich von Hagenbeck, erhalten haben. Diese vier Eisbären kamen am 18. August 1953 in Hamburg an. Es ist recht wahrscheinlich, dass es jene sind, die in dem norwegischen Artikel erwähnt werden. Zu diesen gehörte Suse2, die bis 1982 in Bremerhaven lebte und dort 17 Jungtiere zur Welt brachte. Was aus dem fünften Eisbären, dem Ausbrecher, geworden ist, haben wir nicht herausfinden können.

Quelle – Source:
Bergens Tintente

Eine Antwort zu “Ein Eisbär im Hafen von Bergen

  1. So kommen Stück für Stück zusammen. Da gehörte also Suse II zu diesem irrsinnigen Transport.
    Danke für eure Recherchen und danke an Martina fürs Finden.
    GsD werden diese Könige der Arktis heute respektvoller behandelt.(Hoffe ich jedenfalls)
    LG Brigitte

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