40 Jahre “Internationales Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären” – Teil VI

USA (Alaska) – Ein Strenges Gesetz mit Ausnahmen  und ein Handelsverbot für alle

Vater und Tochter aus Shishmaref im Februar 2008 von lAngela (der Lehrerin des Mädchens)

Vater und Tochter aus Shishmaref im Februar 2008 von Angela (der Lehrerin des Mädchens)

In den Verwaltungsbezirken Alaskas entlang der Küste der Beaufort- und Tschuktschensee, auf den Inseln der Beringstraße und  der Sankt-Lorenz-Insel im Beringmeer leben rund 26.000 Menschen. Rund 70 % davon sind Nachkommen der Ureinwohner, etwa 16.000 Inupiat und rund 2000 Yupik.

In einigen ihrer Dörfer ist der Klimawandel unmittelbar gegenwärtig.  Shishmaref  ist ein Dorf auf der Sarichef Insel acht Kilometer vor der Küste der Tschuktschensee im Nordwesten der Seward-Halbinsel. Rund 560 Menschen, fast alle sind Inupiat,  leben auf der kleinen Insel. Sie ist knapp sieben Kilometer lang, meist nicht einmal 500 Meter breit und ihr höchster Punkt liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel. Und sie wird immer kleiner. Die durch den Klimawandel verursachten Temperaturen haben den Eismantel, der die Küste der Insel im Herbst und Winter vor den heftigen Stürmen geschützt hat, schmelzen lassen und nun taut auch der Permafrostboden auf, was die Küste noch angreifbarer macht für die Erosion und die Stabilität der Gebäude gefährdet, die oft direkt auf dem Boden errichtet wurden. Jedes Jahr verliert die Insel drei Meter ihrer Nordwestküste. 1997 vernichtete ein Herbststurm 14 Häuser auf der Insel, sie verschwanden einfach im Meer. Manch einer musste mitten in der Nacht sein Haus verlassen, das drohte ins Meer zu stürzen. Neun Meter tief fraß sich die See in die Nordküste der Insel. Neue Häuser wurden an einem sicheren Platz auf der Insel errichtet wurde. Doch nun gibt es keine sicheren Plätze mehr auf Sarichef. 2004 stellten Mitarbeiter des United States Army Corps of Engineers fest, dass den Einwohner von Shishmaref nur noch 10 bis 15 Jahre blieben, bis sie sich eine neue Heimat suchen müssen. 2008 wurde hier ein Dokumentarfilm gedreht, „Die letzten Tage von Shishmaref“, der einige Preise gewann und auf das Schicksal der abgelegenen Gemeinde aufmerksam machte. Es gibt eine Website, auf der man sich anhand von Photos und Filmen ein Bild davon machen kann, wie die Menschen von Shishmaref leben und warum es so wichtig für sie ist, auf einen neuen Ort am Festland umgesiedelt zu werden, wo sie weiter in ihrer Gemeinschaft leben können. Sie haben schon einen gefunden, 35 Kilometer entfernt auf dem Festland.

Shimaref  2008 von Angela

Shimaref 2008 von Angela

Doch das wäre eine teure Angelegenheit, denn nicht nur neue Häuser müssten errichtet werden, sondern auch eine Infrastruktur für den neuen Ort geschaffen werden. Eine Versorgung mit Elektrizität und Trinkwasser, einen Zugang zum Telefonnetz und zum Internet, eine Schule und andere öffentlichen Gebäude und einen Landebahn für Flugzeuge, denn im Winter können die abgelegenen Orte in Alaska nur aus der Luft versorgt werden. Und das alles in einem Gebiet, in dem es kaum Straßen gibt. 2009 schätzte man, dass eine Umsiedlung von Shishmaref 200 Millionen Dollar kosten würde. Preiswerter wäre eine Umsiedlung in Häuser am Rand einer der größeren Gemeinden im Norden Alaskas wie Nome oder Kotzebue, die jeweils rund 170 Kilometer entfernt südlich bzw. nordöstlich liegen. Doch das würde das Ende ihrer Gemeinschaft bedeuten.

Shishmaref ist nicht der einzige Ort Alaskas, der unmittelbar durch den Klimawandel gefährdet ist.  Ein Bericht des Government Accountability Office der USA aus dem Jahr 2009 listete 26 Inupiat und Yupik Gemeinden an der Küste oder an Flüssen in Alaska auf, die unmittelbar bedroht sind, überflutet zu werden, und umgesiedelt werden müssten. Fünf weitere sind ebenfalls gefährdet. 178 Gemeinden in Alaska sind von der Erosion betroffen.  Neben Shishmaref empfiehlt der Bericht eine sofortige Umsiedlung von Kivalina, Newtok, und Shaktoolik. Geschehen ist seitdem wenig, es wurden Maßnahmen zum Küstenschutz unternommen, Flutmauern aus Teilen ehemaliger Kraftstofftanks oder Geröll und Erdreich wurden aufgeschüttet, die meist nur wenig ausrichten.

Die Menschen von Shishmaref und Kivalina teilen das Schicksal ihrer Jagdbeute, der Eisbären. Ihre Heimat wird vom Klimawandeln vernichtet.

Eisbärin mit Jungtieren an der Küste der Beaufort See im Arctic National Wildlife Refuge von Susanne Miller/USFWS Susanne Miller/USFWS

Eisbärin mit Jungtieren an der Küste der Beaufort See im Arctic National Wildlife Refuge von Susanne Miller/USFWS

Das Alaska Maritime National Wildlife Refuge ist ein 13.832 km² großes Naturschutzgebiet entlang der Küste Alaskas. Zu ihm gehören etwa 2500 Inseln, Buchten und Riffe von Kap Lisburne im Nordwesten der Lisburne-Halbinsel bis Forrester Island im Süden des Alaska Panhandle. In seiner heutigen Form existiert es seit 1980, Teilgebiete stehen seit 1908 unter Naturschutz. Ein Teil ist die Bering Sea Wilderness, zu der die unbewohnte St.-Matthew-Insel im Beringmeer gehört. Vom 18. bis zum späten 19. Jh. gab es im Sommer eine kleine, stabile Eisbärenpopulation, die sich regelmäßig auf der Insel aufhielt. Diese wurde Ende des 19. Jh. vermutlich durch Walfänger und Robbenjäger aus Kanada und den USA ausgerottet. 1972 wurde vom Staat Alaska der Vorschlag überprüft, ob es sinnvoll wäre, auf  St.-Matthew eine neue Eisbären-Sommer-Population anzusiedeln. Und seit im Jahr 2008 in den USA die Eisbären als bedrohte Art  aufgeführt werden, hat man eine solche Neugründung als eine Strategie zur Arterhaltung vorgeschlagen. Doch eine Studie von Professor David R. Klein vom Institut für Biologie der Arktis von der University of Alaska Fairbanks, und Art Sowls, einem Wildbiologen des Alaska Maritime National Wildlife Refuges, aus dem Jahr 2010 kam zu dem Schluss, dass aufgrund des zurückweichenden Meereises im Beringmeer die Umsetzung eines solchen Vorhabens nur eine sehr geringe Aussicht auf Erfolg haben würde, obwohl auch heutzutage noch regelmäßig über das Meereis Eisbären in die Nähe der St.-Matthew-Insel gelangen und dort an Land gehen.

Das Arctic National Wildlife Refuge ist das nördlichste Naturschutzgebiet der USA. Das Gebiet in der Küstenebene der North Slope im Nordosten Alaskas, das im Osten an Kanada grenzt, wurde 1960 unter Naturschutz gestellt und 1980 durch den Alaska National Interest Lands Conservation Act auf mittlerweile insgesamt 78.053 km² vergrößert, wovon mit der Mollie Beattie Wilderness ungefähr 32.374 km² als Wilderness Area ausgewiesen sind.

Eine Wilderness Area (Wildnis-Gebiet) ist in den USA ein Naturschutzgebiet, das grundsätzlich von menschlichen Eingriffen unbeeinflusst ist und dauerhaft vor ihnen geschützt werden soll. Anders als in den Nationalparks, die eine starke touristische Bedeutung haben, gibt es in den Wilderness Areas keine Straßen, Gebäude, Campingplätze oder ähnliche  Einrichtungen.

Die Eisbären, die man in der North Slope findet, gehören zur Eisbärenpopulation der Südlichen Beaufortsee. Ungefähr 50% aller trächtigen Eisbärinnen dieser Population kommen jeden Herbst an Land um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. In dieser Küstenebene ist der Schnee in der Regel nur 4 bis 16 Zentimeter tief, deshalb graben die Eisbärinnen ihre Geburtshöhlen in die Schneewehen entlang der Küste und an den Ufern der Flüsse und Seen. Die restlichen 50 % gebären ihren Nachwuchs in Schneehöhlen auf dem Meereis, was die Population besonders anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels macht. Etwa 50 % der Geburtshöhlen an Land befinden sich im Gebiet des Arctic National Wildlife Refuges.

In den beiden Naturschutzgebieten im Norden Alaskas ist die Jagd nicht grundsätzlich verboten. An der Küste lebende Inupiat und Yupik dürfen hier auch Eisbären erlegen.

Eisbär Alaska 01

Eisbär auf dem Meereis in der Beaufortsee, aus der Collection of Dr. Pablo Clemente-Colon, NOAA National Ice Center

Um die Erhaltung des  Arctic National Wildlife Refuge gab es in den USA eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen Naturschützern und Demokraten auf der einen Seite und Ölindustrie und Republikanern auf der anderen Seite. Denn hier trafen zwei sehr unterschiedliche Interessen aufeinander.  Das Naturschutzgebiet entstand mit der Unterzeichnung des Alaska National Interest Lands Conservation Act durch den demokratischen Präsidenten der USA Jimmy Carter am 2. Dezember 1980. Eine besondere Klausel dieses Gesetz verfügte, dass  zu einem späteren Zeitpunkt über Erdöl- und Erdgas-Bohrungen in diesem Gebiet entschieden werden sollte. Allerdings musste, bevor solche Bohrungen in dem Naturschutzgebiet erlaubt würden, der Kongress zustimmen und eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt werden. Als dann der Republikaner George H. W. Bush  Präsident wurde, verabschiedete er 1990 die National Energy Bill, die Bohrungen im Arctic National Wildlife Refuge vorsah, aber ein Filibuster der Demokraten im Senat verhinderte die Umsetzung. 1995 versuchte es die Republikanische Partei erneut und berücksichtigte das Arctic National Wildlife Refuge im Staatsetat. Doch nun residierte wieder ein Demokrat im Weißen Haus. Präsident Bill Clinton legte sein Veto gegen den Etat ein und kündigte sein Veto gegen alle Anträge an, die Bohrungen in dem Naturschutzgebiet ermöglichen sollten. Nach einer Untersuchung des United States Geological Survey aus dem Jahr 1998 lagern in diesem Gebiet 5,7 bis  16 Milliarden Barrel Öl,  der Anteil des technisch förderbaren Öls beträgt allerdings wahrscheinlich nur 5%. Als im Jahr 2000 der Preis für Rohöl aus Alaska deutlich stieg, gab es auch wieder neue Begehrlichkeiten, auch diese Öl zu fördern. Doch Al Gore, der damalige US-Vizepräsident, zog eine feste Grenze für Ölbohrungen am Canning River, der westlichen Grenze des Arctic Refuge.

Foto; rubyblossom

Foto: rubyblossom

Die früheren Ölindustriellen und Republikaner George W. Bush und Dick Cheney (von 2001 bis 2009 Präsident bzw. Vizepräsident der USA) unterstützten dann aber wieder die Pläne dort nach Öl zu bohren. Im April 2002 wies der Senat einen Antrag des Repräsentantenhauses zurück. Im März 2005 wurde der erneute Antrag jedoch angenommen. Am 16. März 2005 gewährte der Senat einen Fonds für Bohrungen als Teil des Etats für das Steuerjahr 2006 und am 3. November 2005 stimmte der Senat dafür, Bohrungen in Alaska zu erlauben, aber am 10. November 2005 verhinderte das Repräsentantenhaus aus Angst, Republikaner aus der politischen Mitte zu verlieren, eine Bestimmung im Gesetz zur Defizitverringerung, die Bohrungen im Arctic Refuge ermöglicht hätte. In den letzten Tagen seiner Amtszeit  ließ George W. Bush  eine Regelung aus dem Gesetz zum Schutz bedrohter Arten streichen, nach der Unternehmen bei Eingriffen in empfindliche Ökosysteme nachweisen müssen, dass dadurch keine bedrohten Tierarten gefährdet sind – eine Regelung, die Bohrungen in der Arktis behindert. Die nachfolgende Regierung unter Barack Obama wurde dieser Passus im April 2009 wieder in das Gesetz aufgenommen und damit die Einschränkung des Naturschutzes in Alaska rückgängig gemacht.

Entschieden ist diese Auseinandersetzung damit aber noch nicht.

Im Norden der Seward-Halbinsel am Übergang des Kotzebue Sounds zur Tschuktschensee  liegt das Bering Land Bridge National Preserve, ein rund 10.900 km² großes Naturschutzgebiet unter der Verwaltung des National Park Services der USA, das 1980 entstand. Es soll vielleicht in der Zukunft ein Teil des Nationalparks Beringia werden, der auf beiden Seiten der Beringstraße in Russland und den USA entstehen soll.

Eisbär in der Nähe von Kaktovik von Eric Regehr/USFWS

Eisbär in der Nähe von Kaktovik von Eric Regehr/USFWS

Mit der Verabschiedung des Marine Mammal Protection Act am Ende des Jahres 1972 änderte sich einiges für das Management der Eisbärenpopulationen in Alaska. Es war bis dahin Sportjägern erlaubt, Eisbären zu jagen. Der amerikanische Bundesstaat Alaska hatte gerade ein Gesetz verabschiedet, dass die Eisbärenjagd aus der Luft verbot, und so gehofft denjenigen zuvorzukommen, deren Ziel es war, die Jagd auf Eisbären vollständig zu verbieten. Man hatte beabsichtigt die Jagd mit Hundeschlitten zu fördern, um den indigenen Dörfern an der Küste Alaskas bessere Verdienstmöglichkeiten zu sichern. Doch nun war das beendet, bevor es begonnen hatte.

Mit dem Marine Mammal Protection Act änderte sich die Zuständigkeit des Managements der Eisbärenpopulationen Alaskas, die vom Bundesstaat Alaska auf die Bunderregierung der USA überging.  Das Gesetz verbietet die Jagd auf Eisbären neben der auf andere Meeresäuger, nur den indigenen Anwohnern der Küstenregion Alaskas ist die Subsistenzjagd auf Eisbären (und Robben und Wale) erlaubt. Das Fleisch der Eisbären darf nur an andere indigene Einwohner verkauft werden. Der zwischenstaatlichen Handel mit Fellen von Eisbären, die von Ureinwohnern erlegt wurden, und der Verkauf von Fellen von Ureinwohnern an Nicht-Ureinwohner sind verboten. Gerbereien müssen sich registrieren lassen, bevor sie Eisbärenfelle gerben dürfen.  Die Felle dürfen auch nicht an  nicht-indigene Personen verschenkt werden. Allerdings dürfen die Ureinwohner aus den Fellen, Knochen oder Klauen traditionelle Kleidung oder kunsthandwerkliche Gegenstände herstellen und diese auch an Touristen verkaufen, die diese auch aus den USA ausführen dürfen.

Der Marine Mammal Protection Act gibt keine Quoten vor und es gibt auch keine besonderen Schutzbestimmungen für Eisbärenmütter mit Jungtieren, die es vor 1972 in Alaska gegeben hatte. Die Inupiat und Yupik durften Eisbären unbeschränkt jagen, solange dies nicht in verschwenderischer Art geschieht und die Population nicht „dezimiert“ (depleted) ist.

Seit Oktober 1988 muss der Jäger innerhalb von 30 Tagen nach der Tötung des Eisbären, dessen Fell und Schädel bei einem örtlichen Repräsentanten des United States Fish and Wildlife Service (USFWS) vorlegen. Sie werden dann gekennzeichnet. Davor hatte es seit 1980 eine ähnliche Regelung auf freiwilliger Basis gegeben. Datum und Ort der Jagd, Geschlecht, Alter und Zustand des getöteten Eisbären, sowie andere biologische Daten werden notiert und ein kleiner Backenzahn des Eisbären wird entnommen, um exakte Informationen über Geschlecht und Alter des getöteten Tieres zu erhalten.

1988 wurde ein bilaterales Abkommen zwischen den Inupiat Alaskas und Inuvialuit Kanadas für den Bereich der Südlichen Beaufortsee geschlossen, das Eisbärenmütter mit Jungtieren bis zu zwei Jahren und die Geburtshöhlengebiete unter Schutz stellte, eine Jagdsaison von August bis Mai in Alaska und von September bis Mai in Kanada festlegte, die Jagd mit dem Flugzeug oder von großen Schiffen verbot und  eine gemeinsame Quote von 76 Eisbären festlegte, die erlegt werden durften und die je zur Hälfte von den Jägern Alaskas und Kanadas genutzt werden sollte. Da es in den USA keine Regelungen gibt, mit denen eine Einhaltung der Quote durchgesetzt werden kann, war und ist auch heute noch deren Einhaltung dort freiwillig. Für die Jagdsaison 1994/1995 wurde die kanadische Quote auf 39 erhöht, sodass sie dann bei insgesamt bei 77 Eisbären lag, und 1997/1998 noch einmal auf insgesamt 80 erhöht und in Jahr 2010 auf 70 reduziert. Diese freiwillige Quote wurde meist eingehalten, in den letzten Jahren wurden oft weniger Eisbären getötet, als die Quote erlaubt.

1994 wurde die Alaska Nanuuq Commission gegründet. Sie besteht aus Vertretern von 15 Dörfern an der Nord- und Westküste Alaskas, die über eine lange Jagdtradition in ihrer Geschichte verfügen (Kaktovik, Barrow, Wainwright, Nuiqsuit, Point Lay, Point Hope, Kivalina, Kotzebue, Shishmaref, Wales, Little Diomede, King Island, Brevig Mission, Gambell, Savoonga). Sie soll die Interessen der indigenen Jäger vertreten und ist als Partner des U.S. Fish and Wildlife Service am Management der beiden Eisbärenpopulationen Alaskas beteiligt. Sie hat auch die Aufgabe, die Jäger über neue Regelungen zusammen mit dem USFWS zu informieren und trägt dazu bei, dass dies auch akzeptiert und respektiert werden.

Für die Region der Tschuktschensee/Beringmeer-Population galten bisher keine Quoten. Durch die Verabschiedung  des bilateralen Abkommen zwischen Russland und der USA im Oktober 2000 wurde für dieses Gebiet ebenfalls eine Quote bestimmt. Das Abkommen trat 2007 in Kraft, doch es dauerte bis zum Juni 2010, bis eine Kommission eine Quote von 58 Eisbären festlegte, von der die Hälfte für die Jäger Alaskas gilt. Man geht davon aus, dass sie  in Alaska ab 2014 angewendet werden wird.

Seit Mai 2008 sind die Eisbären als gefährdete Tierart (“threatened”) unter dem Endangered Species Act aufgeführt. Das bedeutet, dass sie nach den Bestimmungen des Marine Mammal Protection Act als dezimiert („depleted“) angesehen werden. Dadurch kann das U.S. Fish and Wildlife Service Maßnahmen ergreifen, die Jagd stärker zu regulieren, wenn dies notwendig ist. Bisher wurden jedoch die vorhanden freiwilligen Regelungen meist respektiert.

Zwischen 1954 und 1972 wurden in Alaska zwischen 100 (1954) und 399 (1966) von Jägern getötet, im Durchschnitt etwa 225. Nach dem Abkommen von Oslo 1973 und der Verabschiedung des Marine Mammal Protection Act sind es zwischen 27 in der Jagdsaison 2009/2010 und 296 im der Saison 1983/1984, dies war allerdings eine ungewöhnlich hohe Zahl, der zweithöchste Wert beträgt 167 getötete Eisbären in der Saison 1976/77. Der Mittelwert liegt bei 89,4 erlegten Eisbären für den Zeitraum von 1973 – 2011. (Die Zahlen stammen aus den Berichten der Polar Bear Spezialist Group bzw. für die Zeiträume von 2009 an aus den Berichten des United States Fish and Wildlife Service.)

Statistik Alaska 01Wie man aus der nebenstehenden Tabelle entnehmen kann, sinkt die Zahl der erlegten Eisbären in den letzten Jahren kontinuierlich. Der gleitende Durchschnitt für jeweils 5 Jahre sank von 88,6 getöteten Eisbären pro Jahr für den Zeitraum  von 1998 – 2002 auf 45 pro Jahr von 2006 – 2010, halbierte sich also nahezu. Dieser Rückgang wird durch verschiedene Faktoren verursacht. So erzählt ein Jäger aus Shishmaref, wo von 2006/07 bis 2010/11 insgesamt vier Eisbären erlegt wurden, während zwischen 1996/97 – 2000/01 noch insgesamt 26 Eisbären getötet wurden: „Nicht viele Leute essen heutzutage Eisbärenfleisch. Vor langer Zeit war es ein Teil unseres Hauptspeiseplans, aber nun sind es in erster Linie die Alten, die es essen, wenn ein Jäger es ihnen gibt.“ Viele hätten die Jagd aufgegeben, weil die Gesetze ihnen verbieten die Felle zu verkaufen.

Anderseits sind nirgendwo sonst die Folgen des Klimawandels so deutlich wie an der Nord und Nordwest Küste Alaskas. Das Eis kommt spät und ist zu dünn, nicht nur für die Eisbären, sondern auch für die einheimischen Jäger. So wird der Rückgang wohl auch daran liegen, dass für die Jäger weniger Eisbären verfügbar sind. Allerdings berichten einige Bewohner der Gemeinden, dass mehr Eisbären in die Siedlungen kommen als früher, angelockt durch die Müllkippen der Orte. Meist vertreiben die Bewohner die Eisbären, denn viele glauben, dass die Eisbären, die ihre Nahrung im Müll suchen, nicht gesund seien und der Verzehr ihres Fleisches die Menschen krank mache. Doch sicher wird ein Teil dieser Eisbären auch getötet, wenn die das Leben der Bewohner der Orte gefährden.

Diagramm Alaska 01 bNeben der Jagd verbietet der Marine Mammal Protection Act auch Import und Export eines Meeressäugers, also auch von Eisbären, zusammen mit allen Teilen von oder Produkten aus Meeressäugern. Diese Bestimmung erschwert auch die Forschung und die Arbeit der Zoologischen Gärten in den USA, weil sie einen Austausch von Eisbären zwischen Tiergärten in Europa oder Japan unmöglich macht, auch wenn diese in Zoos geboren wurden, und die Einfuhr von Präparaten für die Forschung erschwert. Die Bestimmungen für die Einfuhr von Jagdtrophäen aus Kanada waren zwischen 1997 und 2007 gelockert worden, was dazu führte, dass in diesem Zeitraum mehr US Amerikaner in Kanada Eisbären jagten als davor und danach.

Für die Teilpopulation der Tschuktschensee schätzt man, dass sie etwa 2.000 Eisbären umfasst, für die Südlichen Beaufortsee etwa sind es rund 1.500 Eisbären.

Ein Fazit

Bei der Jagd getötete Eisbären von 2001/02 - 2010/11

Bei der Jagd getötete Eisbären von 2001/02 – 2010/11

Insgesamt wurden im Zeitraum von 2001/2002 bis 2010/2011 in den fünf Staaten, in denen Eisbären heimisch sind, im Mittel 875,6 Eisbären durch Menschen getötet. (Für die illegale Jagd in Russland habe ich bei der Berechnung dieses Wertes 100 getötete Eisbären angenommen.) Wenn man von einer Eisbären Population von 23.000 Eisbären (die Zahl basiert auf den Schätzungen der 19 Eisbärensubpopulation durch die IUCN Polar Bear Specialist Group, dabei wurden die Eisbären der Karasee nicht berücksichtigt, weil für sie keine Schätzung vorliegt) weltweit ausgeht sind das 3,8 % im Jahr. Ob dies nachhaltig ist, ist fraglich. Trotzdem ist es ein Fortschritt, dass nach 1973 die Jagd auf Eisbären weltweit reglementiert und kontrolliert wurde.

Eisbär auf einer der Barriereinseln vor Alaskas arktischer Küste in 2010, von  USFWSAlaska

Eisbär auf einer der Barriereinseln vor Alaskas arktischer Küste in 2010, von USFWSAlaska

Die Wissenschaftler der PGSB gehen davon aus, dass bei sechs der 19 Teilpopulationen die Zahl der durch die Jagd getöteten Eisbären zu hoch ist. Es handelt sich um die Eisbären der Baffin Bay, der Tschuktschensee, der Davis Straße, des Kane Basins, des Lancaster Sounds und der Norwegian Bay. Das Abkommen von Oslo und die daraus resultierenden Schutzgesetze bietet zumindest einen Chance über die Reduzierung der Jagd zu verhandeln. Das dauert zwar häufig lange, aber meist steht am Ende ein Kompromiss, der hilft die Eisbärenpopulationen zu erhalten. Doch die heutige Bedrohung der Eisbären ist nicht mehr in erster Linie die Jagd, sondern der Klimawandel und die Gefahr, die durch eine verstärkte Ausbeutung der Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Arktis für sie und ihren Lebensraum ausgeht.

Um so wichtiger ist die international durchgeführte Forschung, die ohne das „Internationale Übereinkommen über die Erhaltung der Eisbären“ nicht möglich gewesen wäre.

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