Das Bärchen Luzi in Basel

A little bear called Luzi from Basel

Nachdem die Handaufzucht Siku in Kolind medienwirksam gefeiert wurde, hat die Neue Züricher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 31. Januar 2011 wieder auf Luzi, die Handaufzucht in Basel erinnert. Dies hat sie auch schon bei Knut und Flocke gemacht.

With the hand-rearing of Siku in Kolind being much celebrated in the media, the Neue Züricher Zeitung in their January 31, 2011 edition, recalls the story of Luzi in Basel.  This way they’re even with Knut and Flocke.

 Dies will ich zum Anlass nehmen auch die Geschichte von Luzi zu erzählen:

Here’s the story of Luzi:

Dadiana, die alte Eisbärin des Baseler Zoos baute am 11. November 1963 mit besonderer Sorgfalt ein Strohlager in der Wurfbox und löste damit unter den Mitarbeitern des Zolli eine erwartungsvolle Spannung aus. Dadiana  war schon seit Mitte Oktober im Innenbereich der Anlage untergebracht. Eisbärennachwuchs war und ist eine heikle Angelegenheit, denn man wusste damals relativ wenig über die Aufzucht von Eisbären. Publikationen und Berichte waren noch selten. Erst die Beobachtungen des Polarforschers Alwin Pedersen im Scoresby-Sund auf Grönland machte es den Zoologischen Gärten erst möglich Wurfboxen zu bauen, die den natürlichen Gegebenheiten entsprachen.

Dadiana, the old female polar bear at the Basel Zoo, was fussing around with the straw in the birthing den, causing expectant tension amongst zoo workers.  Dadiana had been inside since mid-October.  Polar bear births were a delicate matter at the zoo, because then they knew little about the breeding of polar bears.  Publications and reports were rare.  The observations of polar explorer Alwin Pedersen at Scoresby Sound in Greenland prompted the zoo to build the first birthing den to imitate natural conditions.

Am 12. November wusste der Bärenpfleger Schenk sofort was das Quieken und Wimmern in der Wurfbox zu bedeuten hatte. Jetzt war Ruhe im Bereich das oberste Gebot, denn es war zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht sicher, ob die Bärenmutter die Jungen auch aufziehen würde. Durch einen kurzen Blick in die Wurfbox konnte Herr Schenk sehen, das Dadiana die Jungtiere auf dem Bauch mit ihren Pfoten umfasste und das Jungtier trank. Es schien also alles in Ordnung zu sein. Schon am nächsten Tag aber, lief das Muttertier teilnahmslos in der Box herum und ignorierte ihren Nachwuchs vollkommen. Die Jungtiere lag wimmernd alleine und unbeachtet im Stroh herum. Nach mehreren Stunden erschloss sich Herr Schenk die Jungtiere aus der Box zu holen. Dadiana lies die teilnahmslos geschehen, wobei im Normalfall die Jungtiere von den Müttern verteidigt werden. Bei Dadiana hatte plötzlich die Milchproduktion aufgehört.

On November 12, bearkeeper Schenk recognized right away what the squealing and whimping in the birthing den meant.  The priority became to keep everything quiet, since it was at this point far from certain whether the mother bear would care for the cubs.  Schenk had a quick look at the birthing den, and Dadiana was holding the cubs against her belly with her paws and nursing.  It therefore seemed that all was okay.  The next day, however, the mother was restless in the birthing den and completely ignored her cubs.  The cubs were whimpering alone and unnoticed in the straw.  After several hours, Schenk opened the den to remove the cubs.  Dadiana watched indifferently, while normally a mother polar bear would defend her cubs.  Milk production from Dadiana’s body had suddenly ceased.

Das wimmernde Pärchen wurde zum Tierarzt gebracht und erstmals untersucht. Das männliche Bärchen wog 675 g und das weibliche Bärchen zeigte 615 g an. Die Bärchen waren blind, taub und zahnlos, aber sie hatten schon einen feinen Pelz, durch den die rötliche Haut schimmerte.

Whimpering, the two little bears were brought to the vet and examined for the first time.  The male weighed 24 ounces and the female cub weighed 22 ounces.  The cubs were blind, deaf, and tootheless, but they had fine fur shimmering through their rosy skin.

Eine Handaufzucht von Eisbären stellte den Zoo vor völlig ungewohnten Aufgaben. Man hatte keine Erfahrungen. Zur Information wurde die Fachzeitschrift „Der Zoologische Garten“ zu Rate gezogen, indem alle wesentlichen neunen Erkenntnisse veröffentlicht wurden. Erst von zwei Handaufzuchten wurden bis zum diesem Zeitpunkt berichtet. 1942 in Prag und 1955 in Frankfurt. In der Zeitschrift berichteten Dr. J Vlasak und Dr. Faust von ihren Problemen bei der Aufzucht von Ilun und Nowatja.

Hand-rearing the polar bear presented the zoo with an unfamilian job.  They had no experience.  For information they consulted Der Zoologische Gärten (The Zoo) to research all the major new findings. 

In der Wohnung der Steinemanns wurde jetzt die Aufnahme des jungen Eisbärenpaares vorbereitet. Eine Kiste mit doppeltem Boden wurde gebaut. Im doppelten Boden wurde ein Heizkissen eingelegt um die Jungtiere zu wärmen. Durch das Öffnen und Schließen des Deckels konnte die Temperatur reguliert werden. Der Boden wurde mit Windeln ausgepolstert und so hatten die Bärchen ein molliges Nest. Zwischenzeitlich wurde erstmals gefüttert. Die richtige Nahrung ist ausschlaggebend. Vorerst wurde eine Mischung aus 90% Nestle-Vollmilch, ungezuckert, mit 28% Fettgehalt, 5% Reisschleim, 5% Kamillentee und als Vitaminzusatz vier Tropfen Protovit gefüttert. Zusätzlich kamen auf 10 Gramm dieser Mischung noch 20 Tropfen Rinderserum. Bei der künstlichen Ernährung muss man das Colostrum, die wässrige, gelbweiße Vormilch der Mutter, ersetzen, die während der ersten Lebenstage des Säuglings leicht abführend wirkt.

In the Steinemann apartment, the young couple now prepared to welcome polar bears.  A box with a false bottom was built.  Under the false bottom they placed a heating pad to warm the cubs.  The temperature could be regulated by opening and closing the lid.  The floor was lined with cloths to make a comfortable nest.  Meanwhile there was the matter of feeding.  The right diet is crucial.  Initially they made a mixed of 90% unsweetened Nestle [condensed] milk, mixed with 28% fat, 5% rice cereal, 5% camomile tea, 5% Protovit, as a vitamin supplement.  To 10gr. of this mixture, 20 drops of bovine serum.  It was an artificial diet to replace the watery yellowish colostrom from the mother. For the first days of life it acts as a mild laxative.

Im Baseler Zoo wird bei der Aufzucht von seltenen Tierkindern ein Tagebuch geführt um das Verhalten der Tiere zu dokumentieren.

At the Basel Zoo, a diary is kept relating to the rearing of any rare animal, to document their behavior.

4. Tag – Day 4

Die Jungtiere bekommen tagsüber alle zwei und nachts alle 3 Stunden die Flasche. Das weibliche Jungtier ist verstorben, nachdem es in den letzten Tagen immer schwächer wurde. Das männliche Jungtier misst von der Nase bis zum Schwanzansatz 29 Zentimeter. Bei jeder Fütterung trinkt er 15 Gramm Milch, obwohl er nie ganz satt trinkt. Überfütterung kann in diesem Stadium schnell zu Verdauungsstörungen führen. Das Baby muss sich seiner Ersatznahung anpassen. Nach der Fütterung wird er mit einem Schwamm abgerieben und massiert. Dies soll die Verdauung anreizen und ersetzt die Zunge der Mutter. Dazu verhindert der feuchte Schwamm das Austrocknen der Haut.

The cubs are fed every two hours and at night every three hours.  The female cub died after becoming weaker and weaker in recent days.  The male cub measures 11.4″ from nose to tail.  When fed, he drinks half an ounce of milk, although this never seems to be quite enough.  But overfeeding at this stage can quickly lead to digestive disorders.  The cub has to adjust to bottle-feeding.  After feeding, he is rubbed with a sponge and massaged.  This should stimulate elimination, as would happen when his mother licked him.  The damp sponge prevents the skin from drying.

 9. Tag – Day 9

Die Namengebung steht bevor. Die war nicht einfach, denn alle Tierkinder, die im Jahr 1963 geboren werden sollen mit „L“ anfangen. Populär soll er ebenfalls sein und sich als Rufname für einen Bären eignen. So wird der Bär Luzi genannt, die baslerische Abkürzung für „Lucius“. Ist Luzi hungrig, so sucht er intensiv nach den Zitzen bzw. dem Gummistopfen und reibt sich an den Holzwänden die Nase wund. Also wird die Kiste mit Gummi ausgekleidet. Wenn Luzi getrunken hat kann er immer noch am Finger nuckeln, bis er ein eigenartiges Summen von sich gibt. Dieses Summen ist typisch für Bärenkinder und pro Sekunde ist dieser „Gesang“ vier- bis fünfmal zu hören. Lutschend summt sich Luzi dann in den Schlaf, der allerdings nur zwei Stunden dauert, dann fordert er wieder seine Flasche. Luzi trinkt jetzt 300 Gramm Milch und wiegt 800 Gramm.

Time for a name.  This wasn’t easy because all baby animals born in 1963 were to begin with an L.  Also needed was a popular name, suitable for a bear.  So the bear was called „Luzi“, with is a Basel nickname for „Lucius“.  Luzi was hungry, so he searched relentlessly for the teats and the nipple and rubbed his nose sore against the wooden walls of his crate.  So the box was lined with rubber.  If Luzi had fed, he would still hold on to a finger, making a strange humming sound.  The hum is typical of bear cubs; it occurred four or five times a second.  Suckling, Luzi hums himself to sleep for a couple of hours, then he again calls for the bottle.  Luzi now drinks 10.5 ounces of milk and weighs 28 ounces.

 12. Tag – Day 12

Luzis Bemühungen sich fortzubewegen, wirken noch hilflos. Mit ungerichteten Suchbewegungen arbeitet er sich bäuchlings, die Hinterbeine nachschleifend, vorwärts. Luzi leidet an Verdauungsstörungen. Der Kot ist wässrig und nicht aus goldgelben „Perlen“, wie bei Bärenkindern üblich. Ein Bestandteil der Milch muss dem Baby nicht bekommen und abführend wirken. Versuchsweise wird das Coliserum weggelassen und dem Patienten werden täglich 10 Tabeletten „Siosteran“ micro verabreicht, ein Sulfonamid für Kinder.

Luzi’s efforts lead him to scoot around helplessly.  With undirected search movements, he advances by using his belly and hind legs to push against the ground.  Luzi has indigestion.  His stool is watery, not the usual golden „pearls“ of bear cubs.  There must be something the cubs needs in his milk and the laxative effect needs to be eliminated.  Tentatively, the formula is withdrawn, and the patient is now given 10 microtablets of  „Siosteran“, a children’s sulfonamide.

 

18. Tag – Day 18

Luzis Gehörgänge haben sich geöffnet, er kann aber noch nicht hören und er reagiert auf keine Geräusche. Eisbären haben, wie alle Tiere aus den kalten Regionen, kleine Ohren und das Gehör ist, verglichen mit anderen Tieren, bei den Eisbären nicht sonderlich gut. Luzi hat den Durchfall gut überwunden. Dieser Durchfall hat schlaflose Nächte gekostet, denn zu der Fütterung kam die Reinigung des Bären und der Kiste hinzu. Sauberkeit ist oberstes Gebot. Beim Trinken klammert sich Luzi nicht wie andere Tierbabys an seine Pfleger. Eisbärenmütter halten ihre Kinder so fest und sicher in ihren Armen, dass der junge Eisbär keinen Klammertrieb braucht. Was Luzi mit anderen Tierkindern gemeinsam hat, ist der Milchtritt, der die Milchabgabe anregt und fördert. Luzi arbeitet dabei kräftig mit.

 Luzi’s ears have opened, and he can hear and respond to any noise.  Polar bears, like all animals from cold regions, have small ears, and the polar bears hearing is not especially keen.  Luzi has recovered from his diarrhea.  It was creating sleepless nights because each feeding also meant cleaning up after him and cleaning the box.  Cleanliness is paramount.  When fed, Luzi pushes, like other baby animals, at the caregiver.  Polar bear mothers keep their babies strong and safe with their paws, so the baby bear does not need containment.  What Luzi has in common with other baby animals, is the impact of giving milk stimulates the mother’s milk flow.  That’s how Luzi gets strong.

 22. Tag – Day 22

Die Lidspalten beginnen sich zu öffnen.

Eyes are beginning to open.

 27. Tag – Day 27

Luzi wiegt 1690 Gramm und ist 42. Zentimeter lang. Die Augen sind jetzt offen, aber er kann noch nichts mit diesen kleinen Guckern sehen. Luzi beginnt seine Beinchen zu gebrauchen, und auf dem Bauch rutschend, kann er jetzt ein wenig kriechen. Wenn er auf den Schoß genommen wird, lässt er ein wonniges Summen hören.

Luzi weighs almost four pounds and is 16.5″ long.  His eyes are now open, but he still can’t see well.  He is beginning to use his legs, sliding along on his stomach and crawling a little.  When in someone’s lap, he emits a delightful hum.

 34. Tag – Day 34

Er versucht aus seiner Kiste zu klettern. Er arbeitet sich mit den Krallen seiner Vordertätzchen am Gummipolster hoch. Unermüdlich und voller Tatendrang versucht er diese Kraftprobe immer wieder. Die Kiste muss vergrößert werden. Luzi wird immer anhänglicher und wünscht bemuttert zu werden. Wenn er wieder in die Kiste gelegt wird. Protestiert er laut. Dieser Protest kommt immer, wenn etwas nicht nach seinem Willen geht. Er fängt deutlich an zu brummen. Der Wortschatz von Luzi erweitert sich.

He is trying to climb out of his crate.  He works with the claws of his forepaws, high against the rubber padding.  He is tireless and full of energy, he tries again and again.  We must get a larger crate.  Luzi is always loving and likes to be mothered.  When placed back in the crate, he protests loudly.  It’s the same way he protests if things aren’t going his way.  He begins to hum loudly.  Luzi’s vocabulary is expanding.

 40. Tag – Day 40

Luzi steht, wenn auch noch schwankend, auf seinen vier wackeligen Beinchen. Luzis Spieltrieb erwacht. Nach der Fütterung will er nicht wieder sofort schlafen, sondern er will unterhalten werden. Spielerisch beißt er in seine Tatzen oder in die Finger der Pfleger. Die Kiste wird jetzt auf 70 x 70 Zentimeter vergrößert. Jetzt ist nur noch eine Bodenhälfte beheizt, so dass sich das Bärchen die Temperatur selbst aussuchen kann

Luzi wobbles on his four legs.  His play instinct has awakened.  After feeding, he doesn’t want to sleep immediately; now he wants to be entertained.  He bites playfully at his paws or at the caregiver’s finger.  The box has now been enlarged to 28″ X 28″.  Now only half the floor is heated, so that the bear can select the temperature he wants.

 42. Tag – Day 42

Im Unterkiefer sind die ersten Schneidzähne durchgebrochen. Luzi versucht die ersten tapsigen Schritte, verliert das Gleichgewicht und purzelt um und gibt seinen Unmut durch lautet Protest Luft.

The first teeth have erupted from the lower jaw.  Luzi tried his first steps, lost his balance, tumbled to the ground, and expressed his displeasure loudly.

 44. Tag – Day 44

Luzis Geruchssinn entwickelt sich. Hände und Schuhe wittert er bereits aus 20 cm Entfernung. Hat er die Pfleger gerochen, sucht er sogleich intensiven Kontakt. Eisbären orientieren sich vor allem durch ihre sehr gut ausgebildeten Geruchsinn. Luzis Mahlzeiten wurden auf 7 pro Tag reduziert, tagsüber vier und Nacht noch 3 Mahlzeiten. Luzi will nicht mehr im Liegen trinken, sondern aufrecht auf den Hinterbeinen stehend und mit den Vorderbeinen abstützend. Obwohl hungrig, will er meistens nicht sofort trinken, sondern schreit und drängelt zuerst. Er beißt in die Finger und klammert sich mit seinen nagelspitzen Krallen in  den Armen fest. Ab jetzt sind Lederhandschuhe gefragt. Hat Luzi sich ausgetobt, dann trinkt er die Flasche in einem Zug leer und wird lammfromm. Die Bösartigkeit scheint mit der Zahnung zusammenzuhängen. Zur Beruhigung bekommt er einen Lutscher, der mit Honig bestrichen ist. Eine willkommene Leckerei.

Luzi’s sense of smell is developing.  He already notices hands and shoes at a distance of 8″.  When he smelled the keeper, he at once looked at her intensively.  Polar bears are generally guided by their highly-developed sense of smell.  Luzi’s feedings have been reduced to seven per day, four meals in the daytime and three at night.  Luzi doesn’t want to drink lying down, but standing upright and supported at the front.  Although hungry, he doesn’t nurse immediately, but first screams and pushes.  He bites the keeper’s fingers and claws at her arms.  From now on, leather gloves are needed.  When Luzi has this out of his system, he drinks the bottle gently.  This aggression seems to be related to teething.  To calm him, he is given a lollipop coated with honey, a welcome treat.

 50. Tag – Day 50

Luzis blaugraue Augen haben Ausdruck und Leben bekommen. Er betrachtet interessiert die Umgebung. Was er wirklich erkennen kann ist schwer herauszufinden. Jetzt darf auch der Hund „Bichette“ des Pflegerpaares bei der Aufzucht helfen. Nachdem das Bärchen getrunken hat, leckt Bichette dem kleinen Bärchen das Maul sauber. Beginnt er zu schreien, dann kommt Bichette sogleich angerannt und tröstet Luzi. Immer wieder scharrt sie ihn unter ihrem Bauch und bietet ihm ihre Zitzen an um ihn zu säugen.

Luzi’s blue-grey eyes have expression and life.  He is interested in his environment.  It’s hard to estimate just what he can see.  Now the dog „Bichette“ also helps the two keepers.  After nursing Bichette licked the little bear’s mouth clean.  When he begins to cry, Luzi immediately runs to Bichette for comfort.  Again and again, she pulls him against her tummy and offers her teats for him to suckle.

 53. Tag – Day 53

Luzi ist 52 Zentimeter lang und wiegt 4140 Gramm. Oben rechts ist der erste Eckzahn durchgebrochen. Luzi erkennt den Lutscher an der Flasche mit den Augen und beißt zielbewusst hinein. Seine Ausflüge in der Wohnung dehnen sich weiter aus.

Luzi is now 20.5″ long and weighs 9 lbs.  The first canine tooth has erupted on the top right.  Luzi visually recognizes the nipple on the bottle and bites on it purposefully.  He’s moving further and further away.

 60. Tag – Day 60

Der Durchbruch des ersten Backenzahnes ist mit Schmerzen verbunden. Luzi hat jetzt 12 Zähne und kräftige Krallen. Diese suchen jetzt nach Beschäftigung. Die Wohnungseinrichtung wird jetzt durch Luzi entdeckt und bearbeitet. Bichette bekommt das auch zu spüren. Luzi beißt sie in die Beine und kratzt ihr den Rücken. Die Hündin zieht sich zurück und beobachtet die Bärin nur noch aus der Entfernung. Luzi streift durch die Wohnung und nimmt sich alles vor, was er erreichen kann. Immer mehr wird sichtbar, dass er ein Raubtier ist. Bald wird Luzi ins Raubtierhaus umziehen müssen. Margit Forrer, Luzis zukünftige Pflegerin, verbringt jetzt täglich eine Stunde in der Wohnung und versucht seine Zuneigung und Freundschaft zu gewinnen

The eruption of the first molar causes pain.  Luzi now has twelve teeth and powerful claws.  And he’s looking to use them.  Luzi has discovered the furniture and is trying it out.  Bichette also notices.  Luzi bites her legs and scratches her back.  The dog retreats and will only watch the bear from a distance.  Luzi wanders about the house and tries to see what all he can do.  It becomes increasingly apparent that he is a predator.  Soon Luzi will have to be moved in with the big cats.  Margit Forrer, Luzi’s future keeper, now spends an hour at the apartment every day and tries to win his affection and friendship.

 65. Tag – Day 65

Luzi beginnt zu rennen, aber seine Kräfte reichen nur für einen Meter, dann muss er sich ausruhen. Die größte Aktion liegt zwischen 16.00 und 20.00 Uhr. Vormittags liegt er meistens faul rum.

Luzi has begun to run, but only for a few feet, then he must rest.  He is most active between 4-6 p.m.  In the morning he is lazier.

 68. Tag – Day 68

18 Zähne hat Luzi an diesem Tag und jeder Zahn scheint ihm Schmerzen bereitet zu haben. Er ist oft missmutig, leidet und Appetitlosigkeit und hat wieder Durchfall. Frau Steinemann hat deutliche Blessuren davongetragen. Zerbissene Finger, blaue Flecken an Armen.  Nach solchen Attacken wird Luzi am Nacken getragen, so wie es eine Eisbärenmutter auch macht.

Luzi now has 18 teeth and teething pain is bothering him.  He is often cranky, shows little appetite, and has diarrhea again.  Mrs. Steinemann has had several injuries, bitten fingers and bites on her arms.  After such pranks, Luzi is worried about the neck, as would a polar bear mother.

 70. Tag – Day 70

Luzi kann jetzt auf zwei Meter Entfernung sehen und erkennen, auch reagiert er auf Stimmen. Nicht nur die Sinne entwickeln sich gut, sondern auch die kämpferische Anlagen eines Raubtieres. Wie ein erwachsener Eisbär stürzt er sich auf seine Feinde, meistens Schuhe, Gardinen oder Sessel oder Teppiche. Besonders wild verhält er sich fremden Personen gegenüber. Er muss seine neuen Möglichkeiten erproben. Jetzt kann man ihn nicht mehr alleine lassen. Luzi wird immer anhänglicher. Luzis Bindung an seine Pflegeeltern ist vor allem geruchsbedingt sein. Sein Glück ist nur vollkommen, wenn er in „Riechnähe“ ist. Luzi bekommt jetzt fünf Mahlzeiten und schläft von 22 bis 6 Uhr durch.

Luzi can now see well for six feet or so and he responds to voices in the distance.  Not only his senses are developing well, but also the fighting instincts of a predator.  Like an adult polar bear, he will throw himself at his enemies:  shoes, curtains, chairs, or rugs.  He is especially aggressive toward other people.  He needs to test everything.  Now he cannot be left alone.  Luzi is ever affectionate.  Luzi’s attachment of his foster parents is paramount.  He is only completely happy when he smells them nearby.  Luzi now has five meals a day and sleeps from 10 p.m. to 6 a.m.  

 76. Tag – Day 76

Kleine Eisbären ernähren sich in den ersten drei Monaten ausschließlich von Muttermilch. Auch Luzi will noch nichts von Fleisch wissen. Er spuckt es wieder aus, wenn es ihm in den Mund gelegt wird. Es wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, die einen Hämaglobinwert von 6,3 g% ergibt. Dies zeigt eine Blutarmut an, wahrscheinlich von der einseitigen Ernährung durch die Milch. Vermutlich haben auch die Eisbärenkinder in der Wildnis in diesem Stadium Mangelerscheinungen, die aber verschwindet wenn feste Nahrung genommen wird. Luzi bekommt jetzt zusätzlich Eisenpräparate. Die Übergangszeit zur festen Nahrung gestaltet sich schwierig. Als Futterzusatz bekommt er noch etwas Knochenmehl und 2 Gramm Nesmida (Aminosäuren).

For the first three months, little polar bears live exclusively on mother’s milk.  Luzi, too, is disinterested in meat.  He spits it out when it is put in his mouth.  A blood test results in a hemoglobin reading of 6.3%, which indicates anemia, probably because of his lop-sided diet of milk only.  Presumably, polar bear cubs in the wild might have this deficiency, which disappears when solid food is taken.  Luzi is now getting iron supplements.  The transition to solid food is difficult.  As a food supplement he gets a little bone meal and two grams of Nesmida (amino acids).

 82. Tag – Day 82

Luzi kann Männchen machen. Die Beinchen waren aber noch so schwach, dass er sich aber bald wieder auf alle viere fallen ließ. Wird Luzi jetzt alleine gelassen ertönt ein blökendes, an ein heulen erinnerndes Jammern. Dies wird so laut, das es nicht nur in der Wohnung, sondern auch außerhalb zu hören ist. Luzi kann nicht mehr alleine gelassen werden. Eine Zuneigung zur neuen Pflegerin stellt sich nicht ein. Sie wird aber akzeptiert. Eine Anhänglichkeit zwischen Pfleger und Bärenkind entwickelt sich offensichtlich während einer bestimmten Entwicklungsphase. Die Zerstörungskraft von Luzi nimmt immer weiter zu. Er ist immer weniger zu bändigen. Frau Steinemann legt ihm ein Hundehalsband um und seine Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt. Das Zusammenleben wird immer schwieriger. Besonders unangenehm ist, dass Bären nie ganz stubenrein werden.

Luzi can stand upright!  His little legs are so weak, however, that he soon drops to all fours.  Now when Luzi is left alone, we hear a bleating, reminiscent of a howl.  It is so loud that it can be heard inside and out.  Luzi can no longer be left alone.  He doesn’t take to the new keeper, but it will work itself out.  It appears that the attachment between caregiver and little bear takes place during a certain phase of development.  Luzi becomes more and more destructive and less tame.  Mrs. Steinemann puts him in a dog collar, and his freedom of movement is severely restricted.  Living with him is becoming increasingly difficult.  Particularly unpleasant is that the little bear is not entirely house-broken.

 83. Tag – Day 83

Luzi versucht zu galoppieren. Die Bewegungen sind aber noch unbeholfen und er purzelt noch oft um. Fremden gegenüber zeigt er sich ängstlich

Luzi tries to run.  His movements are still awkward, and he falls down a lot.  He is anxious with strangers.

 85. Tag – Day 85

Luzi planscht das erste Mal in der Badewanne. Er fühlt sich sofort in seinem Element. Anschließend schüttelt er sich wie ein großer Bär. Der Raubtierwärter besucht das erste Mal seinen neuen Schützling und hebt ihn hoch, so wie es bei den anderen Raubtierkindern auch macht. Luzi reagiert abweisend und schnaubt ihn zornerfüllt an und beißt ihn blitzschnell in die Hand. Auf jeden weiteren Annäherungsversuch reagiert Luzi mit einem Angriff.

For the first time, Luzi is put in the bathtub.  Immediately he seems in his element.  Then he shakes himself, like a big bear.  The keeper visits his new charge for the first time and lifts him up, as he would with other young of predators.  Luzi resists and snorts at him, and like a flash of lightening, angrily bites him in the hand.  To any further overtures, Luzi responds with an attack.

 87. Tag – Day 87

Die Steinemanns lassen  Luzi erstmals alleine in seinem Laufstall und besuchen Freunde. Bei der Rückkehr, nach nur zwei Stunden, hören sie schon von weitem die durchdringende, verzweifelte Stimme des Jungtiers.

For the first time the Steinemanns leave Luzi alone in his pen and visit friends.  Upon return, only two hours later, they heard from afar the penetrating, desperate voice of the cub.

 90. Tag – Day 90

Luzi wird an feste Nahrung gewöhnt. Anstelle von Reisschleim bekommt er jetzt eine Mischung Leber, Gemüse, Maisstücke und Fleisch unter seine Milch gemischt.  Das größte Vergnügen für den kleinen Bären ist das Baden. Er kratzt an der Tür zum Badezimmer und gibt eindeutig zu verstehen, was er will. Der erste Spaziergang außerhalb der Wohnung macht Luzi Angst. Er bewegt sich nur wenige Meter ins Freie. Nachdem die Türe wieder geöffnet wird, erklettert Luzi die Treppe und legt sich in seinen Laufstall. Dies ist seine „Höhle“, die ihm Sicherheit gibt.

Luzi has got used to solid food.  Now instead of rice cereal, he gets a mixture of liver, vegetables, corn, and minced meat mixed in with his milk.  Most of all, the little bear likes swimming.  He scratches at the door of the bathroom to express clearly what he wants.  At his first walk outside, Luzi is fearful.  He will only move a few yards outside.  Once the door is opened again, he climbs the stairs and lies down in his pen.  This is the „den“ that gives him security.

 91. Tag – Day 91

Luzi wird dem Publikum vorgestellt. Mit dem Elektrokarren wird er ins Raubtierhaus gebracht und in einem Innenkäfig vorgestellt. Neugierig betrachtet er die vielen fremden Menschen. Nach zwei Stunden ist die Show vorbei und Luzi wird in der Wohnung freudig von Bichette begrüßt. Luzi ist sehr liebesbedürftig und nuckelt ausgiebig an den Händen.

Luzi is shown to the public.  With an electric cart, brought from the predators house, he is allowed into an indoor cage.  Curiously he looks at the many strange people.  After two hours Luzi is warmly welcomed home by Bichette.  Luzi is very cuddly and affectionate and suckles at hands frequently.

 95. Tag – Day 95

Luzi verbringt täglich zwei Stunden im Raubtierhaus. Er genießt es sichtlich. Heute aber heult er kläglich, so das sich ein kleines Kind aus Mitleid anschließt. Es ist, wie alle Kinder und viele Erwachsene, vernarrt in das drollige Bärchen und nimmt großen Anteil an seinen Freuden und Leiden. Wenn Luzi keine Lust mehr hat setzt er sich in seine Transportkiste und will in die Wohnung gebracht werden.

Luzi spends two hours a day in the bear enclosure.  He obviously enjoys it, but today he howls plaintively, and a small child joins him out of pity.  It is, like all children and many adults, in love with the sweet little bear and is intensely connected to his joys and sorrows.  When Luzi is tired, he sits down in his crate and wants to be brought back to the apartment.

 98. Tag – Day 98

Luzi wird berühmt. Die Wochenschau filmt Luzi, der aber wenig Wert auf Publikum legt. Da er besonders angriffslustig ist, hat er es auf die Beine des Kameramannes abgesehen. Man kann ihn noch schnell im Nacken passen ehe er sich wütend auf den Gast stürzt.

Luzi has become famous!  The newsreel films of Luzi do not go well.  His is aggressive and makes for the legs of the cameraman, who cannot quickly adjust the shot before he attacks angrily.

 100. Tag – Day 100

Luzi wiegt 11 Kilo. Seine tägliche Mahlzeit besteht jetzt aus je 30 Gramm Fleisch und Fisch und 20 Gramm Leberbrei, dazu kommen noch 1,8 Liter Nidomilch mit Zutaten. Der Aufenthalt von Luzi in der Wohnung wird unerträglich. Alle Möbel und Gegenstände, die sich in seiner Nähe befinden, werden zerrissen. Die Teppiche zeigen Flecken, die von seiner mangelnden Stubenreinheit kommen. Luzi lässt sich sein Treiben nicht verbieten und eer wird in einem Raum des Betriebsgebäudes gebracht. Die Trennung ist schwer für den Bären, aber auch für die Steinemanns. Luzi verliert alle Lebensfreude, so sehr vermisst er seine Pflegeeltern und sein Heim, wenn er tagsüber im Raubtierhaus und nachts im Betriebsgebäude ist. Obwohl die Steinemanns ihn immer noch füttern ist die Umstellung groß und sicherlich eine psychische Belastung. Margit Forrer gibt sich alle Mühe ihn aufzuheitern und zu beschäftigen, aber er will nicht spielen und wird immer mürrischer und greift plötzlich die Pflegerin an und versucht sie zu beißen, ein Zeichen, dass es für weibliches Pflegepersonal zu gefährlich geworden ist. Glücklicherweise hat er sich mit dem Raubtierpfleger ausgesöhnt, der nun die problematische Pflege übernehmen soll. Ernst Wasser führt Luzi täglich im Zoo spazieren. So vergisst er für kurze Zeit sein Heimweh. Als sich Herr Steinemann unter die Zuschauer mischt wird er von Luzi entdeckt und fängt fürchterlich an zu heulen. Dies hört erst auf, als er an den Händen seines Pflegvaters nuckeln konnte. Schnell summte Luzi zufrieden sein Bärenlied.

Luzi weighs 24 lbs.  His daily diet now consists of 30 gr. of meat and fish, along with 20 gr. of liver meal, along with two quarts of formula.  Luzi’s residence in our house has become intolerable.  He destroys all furniture and objects near him.  The carpet shows stains from his lack of house-breaking.  Luzi doesn’t respond to discipline, and he will have to be moved to a space in behind the scenes in the main building.  The separation is difficult for the little bear, but also for the Steinemanns.  Luzi loses joie de vivre, so much does he miss his foster parents, when he must spend his time day and night in the main building.  Although the Steinnemanns still come to give him his bottle, it is still a big change and certainly a psychological scar.  Margit Forrer makes every effort to bring him out of it, but he will not play and is always grumpy.  Suddenly he attacks the nurse and tries to bite her, a sign that he thinks of female keepers as especially dangerous.  Fortunately he has got used to the [male] keeper, who can now take over his care.  Ernst Wasser takes him on his daily walk around the zoo.  Soon he forgets about homesickness.  When Mr. Steinemann mixes with the spectators, he is noticed by Luzi, who begins to howl dreadfully.  This can only be stopped, when he was allowed to suckle on the hand of his keeper.  Very soon, he hummed his little bear song with satisfaction.

 108. Tag – Day 108

Durch Beißen und Ungehorsam zeigt Luzi seinen neuen Pflegern, dass er sie nicht als Eltern und Erziehern anerkennt. Den Steinemanns gegenüber zeigt er sich aber lammfromm.

With nips and naughtiness, Luzi shows his new keepers that he doesn’t recognize their parental authority.  When the Steinemanns take over, he suddenly becomes obedient.

 110. Tag – Day 110

Luzi ist jetzt fester Mieter im Raubtierhaus. Sein Raubtiercharakter kommt immer mehr zum Durchbruch. Die Wärterin, die ihn nicht mehr zu meistern vermag, greift er immer wieder bösartig an und beißt, so dass sie ihn nicht mehr betreuen kann. Herr Wasser übernimmt endgültig die Pflege und wird nur an seinem freien Tag vertreten. Um ihm vom Beißen abzubringen lernt er mit einem Stock, dass er die negativen Folgen des Beißens ertragen muss. Schnell lernt er was es mit dem Stock auf sich hat. Genau so schnell lernt er auch die positiven Sachen. Auch in der freien Wildbahn lernt er von seiner Mutter was Ungehorsam bedeutet.

Luzi is now settled in the predators‘ house.  His predatory nature shows more and more.  The keeper, who had been put in charge, was no longer able to handle him.  He attacks again and again and bites viciously, so that she refused to care for him any longer.  Herr Wasser takes over his care and is replaced only on his day off.  He fends off bites with a stick and learns to „grin and bear it“ with the bites.  Luzi quickly learns what is going on when the stick is held up.  Just as quickly, he’s learning positive things.  In the wild, he would learn from his mother, who enforces discipline.

 115. Tag – Day 115

Das Heimweh von Luzi scheint etwas nachgelassen zu haben. Die Mühe des Pflegers scheinen sich gelohnt zu haben. Erstmals lutscht Luzi an den Händen des Pflegers. Die Spaziergänge im Zoo sind zu einem festen Ritus geworden, die Luzi auch einfordert. Der erste Spaziergang im Schnee ist ein besonderes Erlebnis. Übermütig wälzt er sich auf dem weißen Teppich, tollt umher und gerät in Kampf- und Spiellaune. Abends ist er so müde, dass er nur kurze Zeit heulte und schlief. Der Trennungsschmerz scheint langsam nachzulassen.

The sentiment over Luzi has abated somewhat.  The efforts of the keeper seem to have paid off, and Luzi begins to suckle his hands.  Zoo walks have become a definite ritual for Luzi as well.  The first walk in the snow was a special experience.  Cocky, he rolls on the white carpet, romping around and pretending to attack.  At night he is so tired that he only cried for a little while before falling fast asleep.  Slowly the pain of separation seems to subside.

 126. Tag – Day 126

Luzi lernt die Nachteile der Berühmtheit kennen. Viele Zoobesucher rufen seinen Namen, und jedes Mal horcht er auf, so dass er tagsüber kaum noch zu seinem Nickerchen kommt. Die Spaziergänge durch den Zoo sind ein Highlight für Luzi. Immer entdeckt er etwas Neues, dabei wird er auch seinen Eltern vorgestellt. Sein Pfleger hebt ihn über die Brüstung der Anlage, doch seine Eltern machen keinen großen Eindruck auf ihn. Auch die erwachsenen Eisbären gucken nur neugierig, und die Mutter scheint ihr Kind nicht wieder zu erkennen.. Während der Spaziergänge legt Luzi oft Ruhepausen ein und betrachtet die Umgebung. Die Düfte der Kanalisation und der Abfallbehälter beschnüffelt er eingehend und untersucht sie jeden Tag.

Luzi learns a little about the downside of fame.  Many zoo visitors call his name, and every time he listens, with the result that today he almost misses his nap.  The zoo walks are a highlight for Luzi.  He always finds something new, and he also meets his parents.  His keeper lifts him over the railing, but his parents don’t make a great impression on him.  The adult polar bears just look curious, and the mother doesn’t seem to recognize her child at all.  While walking, Luzi often pauses for a rest and studies his environment.  Everyday he sniffed at and examined the sewage drain system and the garbage can.

 150. Tag – Day 150

Erstaunlich, wie fein Luzis Nase ist: Sobald Herr Steinmann das Raubtierhaus betritt beginnt Luzi zu heulen, ohne das er ihn sehen oder hören kann. Erst wenn er das Haus wieder verlässt hört das Gejammer wieder auf. Damit Luzi sein altes Heim mal wieder besuchen kann, wird er abgeholt und in die Wohnung gebracht. Dort wird er von den Bewohnern freudig begrüßt. Die altvertraute Umgebung versetzt ihn aber in so übermütige Stimmung das man um die Möbel fürchtet. Der Besuch wird abgebrochen und der unbändige Bär wird wieder ins Raubtierhaus gebracht. Man hat vergeblich gehofft, das sich der Pflegling mit seiner neuen Umgebung abgefunden hat und bereut sehr ihn wieder in die Wohnung geholt zu haben. Nach dem Besuch in der Wohnung ist Luzi mürrisch und bösartig. Er beißt seinen Pfleger. Für Luzi ist die Aufregung eine große Belastung gewesen und es beschlossen, dass die Trennung nun endgültig sein soll.

It’s amazing how fine Luzi’s nose is.  As soon as Herr Steinmann enters the predators‘ house, Luzi begins to cry, without either seeing or hearing him.  And when he leaves, Luzi is again heard to whine.  So Luzi can visit his old home, he is collected and brought to the apartment.  He is welcomed by all the residents.  The old surroundings put him in such high spirits that the furniture was at risk.  The visit is cut short and his is brought back to the predators‘ house.  They had hoped in vain that their charge had come to terms with his new surroundings and regret having brought him back home.  After visiting the partment, Luzi is cranky and mischievous. 

 161. Tag – Day 161

Im Bassin der Seelöwen erhält Luzi Schwimmunterricht. Zur Sicherheit kommt Luzi an ein langes Seil, das aber völlig überflüssig ist. Luzi entwickelt sich schnell zu einem guten Schwimmer. Von dieser Übung will Herr Steinemann einige Fotos machen. Er wird von Luzi aber sofort gerochen und bricht seine Übungen ab und schwimmt auf seinen Pflegevater aufgeregt zu. Dieser macht sich schnell aus dem Staub.

In the seal lion exhibit, Luzi gets his swimming lesson.  For safety’s sake, he’s attached to a long rope, but it is completely unnecessary.  He is fast becoming a good swimmer.  Mr. Steinemann wans to take photos of the event.  But Luzi immediately scents him and interrupts his exercises to approach his foster father. This happens as quick as a wink.

 168. Tag – Day 168

Luzi schließt sich immer seinen neuen Pflegern an. Seine alten Pflegeeltern scheint er nicht zu vermissen. Er wird von ihnen richtig verwöhnt. Sein Menü besteht jetzt aus 200 Gramm Fleisch, 150 Gramm Fisch, 50 Gramm Knochenmark, einer Karotte, 2 Bananen, Äpfel und Orangenscheiben. Dazu noch 8 Liter Milchhaferbrei. Seinen Brei will er immer noch aus der Flasche trinken, obwohl er schon 30 Kilogramm wiegt. Nach der Mahlzeit ist er so erbost über das Ende des Futters das er seinen Pfleger beißen will. Nur der Stock verhindert die Verletzung. Nach einigen Minuten des Zwängens auf Bärenart ist er wieder friedfertig und brav, als wäre nichts geschehen. Diese Wut- und Trotzanfälle sind typisch für den unberechenbaren Charakter der Eisbären und machen den Umgang mit ihnen so gefährlich.

Luzi always stays close to his new keepers.  He doesn’t seem to miss his old keepers at all.  They spoil him rotten.  His diet now consists of 7 oz. of meat, 5 oz. of fish, 2 oz. of bone marrow, a carrot, two bananas, apples, and orange slices.  Also 2 quarts of formula.  He still wants to drink his mash from a bottle, even though he now weighs 66lbs.  After eating, he is so angry that there’s not more that he wants to bite his keeper.   Only the stick hinders him.  After a few minutes of sparring, he is peaceful and well-behaved again, as if nothing had happened.  This anger and these tantrums are typical of the unpredictable polar bear nature, which is why they can be dangerous to deal with.

 190. Tag – Day 190

Seit einer Woche ist Luzi tagsüber in der Brillenbärenanlage zu besichtigen. Abends kehrt er ins Raubtierhaus zurück. Die Steinemanns mischen sich unauffällig unter die Besucher um das fröhliche Spiel des Bären zu beobachten, aber die Nase von Luzi ist so fein geworden, das er die Witterung schon auf 10 Meter aufnimmt. Mitten im Spiel richtet er sich auf seine Hinterbeine und heult kläglich los. Ernst Wasser, der ihn beruhigen will, greift er überraschend an und beißt ihn ins Bein.  Luzis Angriffe nach den Flaschenmahlzeiten veranlassen seine Pfleger, ihm seinen Brei nicht mehr aus der Flasche, sondern aus einer Schüssel zu geben. Er vermisst das Nuckeln am Schnuller der Flasche doch sehr.

For a week Luzi has been housed daily in the spectacled bear enclosure.  In the evening, he returns to the predators‘ house.  The Steinemanns blend unobtrustively with the zoo visitors, to watch the little bear’s antics, but Luzi’s nose is so finely tuned that he picks up the scent from ten yards away.  Right in the middle of his play, he stands on his rear legs and begins to howl miserably.  Ernst Wasser, tries to calm him, but he attacks and surprises by biting in the leg.  Luzi’s attacks cause the keeper to give him his mash in a bowl, rather than from the bottle.  He misses the suckling as much as the bottle.

 203. Tag – Day 203

Zwei eineinhalb Jahre alte Brillenbären werden Luzis Spielgefährten. Schnell wird geneckt, aber Luzi benimmt sich nicht heldenhaft. Er flüchtet vor seinen Spielkameraden zwischen die Beine seines Pflegers oder per Kopfsprung ins Wasser.

Two 1 1/2-year-old spectacled bears are Luzi’s playmates.  Quickly he is teased, but Luzi doesn’t attack back.  He runs over to his keeper and takes refuge between his legs, or he does a header into the pool.

 220. Tag – Day 220

Je wärmer die Wassertemperatur wird, desto mehr verbringt Luzi seine Zeit im Schwimmbecken. Dort kann er sich am besten abreagieren. Selbst die erwachsenen Eisbären spielen jetzt ausgelassen im Wasser. Die Pfleger erfinden immer neue Spiele. Im Zoo kann man immer wieder beobachten, dass spielen für Tierkinder ebenso wichtig ist wie für Menschenkinder und ihre Entwicklung fördert.

The warmer the water, the more time Luzi spends in the swimming pool.  There’s where he can let off steam.  Even adult polar bears revel in the water.  The keepers always are inventing new games.  At the zoo, it can be observed time and again that play is as important to animal youngsters as to human children.  It promotes their development.

 280. Tag – Day 280

Luzi hat wieder sein Domizil gewechselt. Er ist jetzt ständig auf der Bärenanlage. Herr Schenck übernimmt jetzt seine Betreuung. Nur bei seinen Spaziergängen wird er noch von seinen alten Pflegern betreut. Hier wäre ein Wechsel zu gefährlich. Im Allgemeinen ist er seinen Pflegern gegenüber friedlicher geworden. Trotzdem erkennt er die Steinemanns immer noch als seine Eltern an. Zu Herr Wasser hat er zwar eine Zuneigung, aber keine feste Bindung aufgebaut. Zwar freut er sich über seinen Besuch, heult aber nie, wie er es immer noch bei seinen Pflegeeltern macht. Luzi wiegt jetzt 70 Kilogramm und er bekommt keinen Brei mehr. Sein Essen besteht aus 3 Kilogramm Fleisch, 7 Heringen, Gemüse und Obst. Unter den Zoobesuchern hat Luzi einige Freunde, auf deren Anruf er sofort reagiert und denen er seine Künste zeigt. Diese Freundschaften entstehen spontan, ohne das gefüttert oder gestreichelt wurde. Trotz Fütterungsverbot werfen einige Zoobesucher ihm immer wieder heimlich Süßigkeiten zu, so dass er aufrecht stehend auf Bärenart zu betteln beginnt, was seine Pfleger oft zur Verzweifelung bringt.

Luzi has moved again.  He is now always on display in the bear exhibit.  Mr. Schenck handles is care.  Only on walks is he still supervised by former keepers.  Changing that routine would be a little too risky.  In general he is calm with his keepers.  But he still considers the Steinemanns to be his parents.  He likes Mr. Wasser, but there was no permanent bond.  Although he enjoys a visit, he never cries afterward, as he does with his foster parents.  Luzi now weighs 155 lbs., and he no longer has formula.  His diet consists of 7 lbs. of meat, seven herrings, vegetables, and fruit.  Amongst the zoo visitors, he has a few friends, whose call he immediately reacts to by beginning to show off.  These friendships arise spontaneously, without his being fed or petted.  To the dismay of his keeper and despite zoo regulations, some people secretly throw him candy, so that he begins to sit upright and beg.

 310. Tag – Day 310

Aufgeregt kommt ein Besucher zur Direktion gelaufen und erklärt, dass Luzi einen Luftballon gefressen hat. Der Pfleger verfüttert sofort an Luzi Kartoffelbrei und Lebkuchen, damit das Gummi besser rutschen kann. Nach 22 Stunden verlässt dann das Gummi den Körper von Luzi auf natürlichem Weg.

A visitor goes anxiously to zoo staff to report that Luzi has swallowed a balloon.  Immediately the keepers feed Luzi mashed potatoes and gingerbread, to assist the balloon in getting through.  After 22 hours, he passes it naturally.

 311. Tag – Day 311

Schon seit 5 Monaten lebt Luzi nicht mehr bei seinen Pflegeltern. Er reagiert nicht mehr, wenn er sie erblickt oder ihre Stimmen hört. Aber seine feine Nase erkennt sie noch, so dass sie sich nur bei Gegenwind nahe bei ihm aufhalten können ohne das Luzi kläglich anfängt zu heulen.

Now Luzi has been living without his foster parents for five months.  He no longer throws tantrums when he sees or hears their voices, but his sensitive nose still notices their presence, so they can be close only when upwind without Luzi beginning to howl miserably.

 319. Tag – Day 319

Luzi erlässt den Baseler Zoo. Luzi reist zum Schloss Montevan nach Frankreich, wo ein privater Tierliebhaber einen Privatzoo unterhält.

Luzi has left the Basel Zoo.  He’s travelled to Chateau Montevan in France, where private animal lovers maintain a private zoo.

Hier endet das Tagebuch der Eheleute Steinemann. Leider verstarb Luzi früh an einer missglückten Wurmbehandlung.

Here the Steinemann diary ends.  Unfortunately Luzi died early, during a failed worming treatment.

Tabelle zur Futtermenge und zum Gewicht von Luzi

Chart of Luzi’s diet and weight

Quellen:

Eisbärchen Luzi von Paul Steinemann, Kosmos-Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh´sche Verlagshandlung Stuttgart, 1967

Neue Züricher Zeitung vom 31.01.2012

Obersee Nachrichten vom 31. Januar 2008

2 Antworten zu “Das Bärchen Luzi in Basel

  1. I thought it was very interesting how Luzi bonded with his original „parents“, but would never extend that connection to anyone else. I thought of Knut and Thomas. This makes the bears a little different from humans, doesn’t it? We can connect deeply at any time in our lives and even are not necessarily so profoundly attached to our parents.

  2. Das ist ein sehr interessanter und direkt spannender Bericht und ich finde es sehr schade, dass dem Luzi kein laengeres Leben vergoennt gewesen ist!
    Ich finde den Satz „Luzis Wortschatz erweitert sich“ sehr gelungen.
    Es waere sicher interessant, die Entwicklung Luzis und die von Knut und Flocke miteinander zu vergleichen.
    Und auch die Art und Weise, wie sie gross gezogen worden sind, wobei ich der Meinung bin, dass Knuts Aufzucht der von Luzi naeher kommt als Flockes.
    Eines ist aber sicher – auch wenn Jahrzehnte zwischen den Eisbaeren liegen – ihre Faszination ist heute noch genauso gross (wenn nicht groesser) als damals!
    Baerige Gruesse aus Kanada und danke fuers Einstellen dieses Berichtes/Tagebuchs!
    Christa

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s