Orsa: Ewa – eine emanzipierte Eisbärin

Eisbärin Ewa im Björnpark Orsa-Grönklitt

In allen Zoos, die Eisbären züchten wollen, legt man besonderen Wert auf die Konstruktion der Wurfhöhlen der Eisbärinnen. Sie sollen möglichst die gleichen Bedingungen bieten, die Eisbärinnen auch in der Natur vorfinden. Früher dachte man, dass die künstlichen Höhlen kalt sein müssten und kühlte sie manchmal mit Eisblöcken. Heute weiß man, dass Eisbärinnen eine trockene, gut belüftete, ruhige und dunkle Kammer benötigen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen, die gerade so groß sein sollte, dass sie sich bequem hinlegen können. Wobei die Vorstellungen, wie groß so eine künstliche Höhle sollte, dabei auseinander gehen. In den meisten Zoos haben sie eine Grundfläche von etwa 12 qm und sind damit ungefähr dreimal so groß wie natürliche Geburtshöhlen. In den Zoos von Rhenen in den Niederlanden und St. Petersburg in Russland, wo besonderes viele Jungtiere geboren und aufgezogen wurden, gibt es aber sehr kleine Geburtshöhlen. Einige Zoos bieten ihren Bärinnen sogar eine Geburtshöhle mit Fußbodenheizung, wie zum Beispiel der Tierpark Hellabrunn in München. Sie soll eine gleichbleibende Temperatur um 15° C garantieren. Ob das wirklich zu einem größeren Zuchterfolg führt, ist allerdings umstritten, denn ein Vergleich zwischen beheizten und nicht beheizten Geburtshöhlen zeigt keine Vorteile für die wärmere Variante. Trotzdem glauben einige Zoos daran, dass es für das Überleben der Jungtiere besser ist, wenn sie in den ersten Lebenswochen nicht zu kalt werden. So wurde in Aywaille in Belgien 2010 die Geburtshöhle der Eisbärin Blanche und ihrer Tochter Qannik beheizt, nachdem im Jahr zuvor die Jungtiere gestorben waren.

Auch im Björnpark in Orsa hat man in der Eisbärenanlage des Tierparks, der Polar World, ein besonderes Augenmerk auf das Haus gelegt, in dem die Jungtiere geboren werden sollen. Ein etwas abseits gelegenes Gebäude wurde errichtet, das der Eisbärin Ewa die notwendige Ruhe bieten soll, ungestört Nachwuchs zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Natürlich verfügt es wie alle modernen Geburtshöhlen über eine Kameraanlage, die es den Tierpflegern ermöglichen soll, die Aufzucht zu beobachten, ohne die Mutter zu stören. Man hat von Beginn an Ewa an dieses Gebäude gewöhnt. Es ist für ihren Partner Wilbär tabu, nur Ewa darf es betreten und sie wurde darin ab und zu gefüttert, damit sie nur angenehme Erinnerungen mit dem Gebäude verbindet und nicht der Geruch eines männlichen Eisbären Unruhe verursachen könnte.

Foto: Orsa Björnpark

Foto: Orsa Björnpark – Links sieht man den Höhleneingang

Aber Ewa hat andere Vorstellungen von dem Platz, an den sie sich im Winter zurückziehen möchte. Auch in diesem Jahr hat man sie von ihrem Partner Wilbär getrennt und versucht ihr das Mutter-Kindhaus schmackhaft zu machen. Doch genau wie vor zwei Jahren hat sich die sieben Jahre alte Eisbärin ihre eigene Höhle in den künstlichen Schneeberg gegraben, den der Zoo mit Hilfe einer Schneekanone für die Eisbären auftürmt, wenn die Temperaturen es erlauben. Vor zwei Jahren hatte es für große Aufregung in Orsa gesorgt, als Ewa sich schon einmal für sechs Wochen in eine selbst gebuddelte Höhle zurückgezogen hatte. Man hatte sogar einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera organisiert, um festzustellen, wo sich die Eisbärin versteckt hatte und ob mit ihr alles in Ordnung war, als man sie in der großen Anlage nicht mehr entdecken konnte. Auch in diesem Jahr bleibt den Menschen in Orsa, die für die Eisbären sorgen, nichts anderes übrig, als Ewa ihren Willen zu lassen. Man bemüht sich nun, den Schneeberg zu vergrößern, damit Ewa es möglichst bequem hat. Natürlich passt man dabei auf, Ewas Höhleneingang nicht zu verschütten. Jetzt muss man abwarten, wann die Eisbärin wieder aus ihrer Höhle hinauskommt und ob sie es alleine tun wird. Vielleicht schreibt ja Ewa in Mittelschweden Geschichte und wird die erste Eisbärin in Gefangenschaft, die Jungtiere in einer selbst gegrabenen Höhle zu Welt bringt.

Quellen – Sources:

Facebookseite des Orsa Björnparks

Kinkelin Elise: Bilan de la reproduction des ours polaires en captivité dans les parcs zoologique français

6 Antworten zu “Orsa: Ewa – eine emanzipierte Eisbärin

  1. Hallo liebe Ulli,
    ich finde es so toll, dass Ewa ihr eigenes Ding macht und die Veranwortlichen von Orsa-Park das unterstützen.
    Meine Daumen sind gedrückt. Toi Toi Toi Ewa.🙂
    LG
    Ela

  2. Hallo Ulli,

    das ist eine wunderbare Geschichte und die Krönung wäre wirklich, wenn Ewa da Jungtiere zur Welt bringen würde. Ich drücke ganz feste die Daumen dafür.

    LG Eke

  3. Ist ja klasse!
    Die Ewa macht was sie für richtig hält, das ist ja wunderbar.
    Ich wünsche ihr alles Gute.
    Nachwuchs, wenn möglich sogar weiblichen, das wäre schön:)

    Danke für diese tolle Nachricht, Ulli.

    Liebe Grüße und einen schönen ersten Advent wünsche ich euch.

    Brigitte

  4. In English, there’s a phrase: „Let Nature take it’s course“. It’s interesting that Ewa has the instinct to build a natural den, since presumably she’s never seen one. I agree that it’s wisest to let her express that. When people start thinking they know better, it seldom works as well.

  5. die geschichte wäre ja fantastisch😀

    wenn eva jetzt freiwillig in ihrer selbstgegrabenen höhle sitzt,bekommt sie wohl jungtiere,denke ich mal.
    oder krabbeln sie da auch grundlos“just for fun“ hinein ?
    ich hab nur keine ahnung wieviel schnee so eine eishöhle braucht um kleine eisbären vor kälte und lärm zu schützen.
    l.g.martina

  6. Go, Ewa!
    Süsse, du weisst am besten, was du willst und was du tust. Und du kannst es umsetzen, das ist einfach wunderbär.
    Viel Glück, Mädel! Alle Pfoten & Hufe sind gedrückt.
    Grüssles aus Wilbärs Heimat
    Velvet

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