International Polar Bear Day: Es ist Zeit zum Handeln!

27. Februar 2017

Ich bin vor einigen Tagen auf einen Artikel auf den Online Seiten von „Spektrum der Wissenschaften“ gestoßen. Er beschäftigt sich unter dem Titel “ Wie bringen wir das Eis der Arktis zurück?“ mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis.

Der Artikel von Julia Rosen zeichnet ein düsteres Bild. Eine Animation des NASA Goddard Space Flight Center aus dem Sommer 2016 zeigt, wie das Meereis der Arktis in den vergangenen 30 Jahren geschrumpft ist. Im September 1984, so zeigen die Daten, erstreckte sich Eis, das fünf Jahre oder älter war, noch über 1,86 Millionen Quadratkilometer. Im September 2016 sind davon gerade einmal 110 000 Quadratkilometer übrig geblieben.

Und als ob dies allein nicht schon Grund genug wäre, sich zu sorgen, begann im Herbst 2016 die Eiskappe über dem arktischen Ozean auch noch zu schrumpfen, statt, wie es normal gewesen wäre, zu wachsen. Um mehr als 20° Celsius lagen die Temperaturen über dem üblichen Werten zu dieser Jahreszeit. Man hat also allen Grund schwarzzusehen und „Das Ende der Arktis, wie wir sie kennen?“ zu prognostizieren.

Meereis Ausdehnung in der Arktis am 25. Februar 2017, NSIDC

Meereis Ausdehnung in der Arktis am 25. Februar 2017, NSIDC

Aber es gibt auch einen – wenn auch nur kleinen – Hoffnungsschimmer. Die Meereisforscherin Stephanie Pfirman vom Barnard College in New York City hat die Hoffnung, dass dieselben physikalischen Ereignisse, die jetzt zum Abschmelzen des Meereises führen, dieses auch wieder wachsen lassen könnten. Voraussetzung ist allerdings, dass es uns gelingt, den den CO2-Anstieg zu stoppen. Eine Voraussetzung, die unter den momentanen politischen Verhältnissen nur schwer zu erreichen scheint.

Sollten die Staaten den Verpflichtungen, die sich aus dem Pariser Klimaabkommen ergeben, tatsächlich nachkommen und sollten sich die heutigen Klimamodelle bewahrheiten, könnten etwa drei Millionen Quadratkilometer Meereis erhalten bleiben, etwa die Hälfte dessen, was bisher im Durchschnitt jeden Sommer erhalten geblieben war. Und das ist eine optimistische Schätzung, auf die die Wissenschaftler nicht wirklich vertrauen. Alle bisherigen Berechnungen haben den Rückgang des Meereises unterschätzt und wer glaubt wirklich daran, dass die internationale Gemeinschaft es schafft, das 2° Ziel einzuhalten.  Wir sollten uns also an den Gedanken gewöhnen, dass die Arktis im Sommer eisfrei sein wird, aber vielleicht gelingt es wenigstens dafür zu sorgen, dass das Wintereis länger bestehen bleibt.

„Hier geht es nicht nur um Eisbären und Seehunde: Wir sind alle irgendwie vom Eis abhängig,“ erinnert uns Dr. Julienne Stroeve vom National Snow and Ice Data Center der Universität Colorado. Im günstigsten Fall müssen wir uns auf einen Temperaturanstieg von 4-5° einstellen. Am unmittelbarsten wird das die vier Millionen Bewohner der Arktis treffen. Viele Siedlungen entlang der Küsten, ein großer Teil davon in Alaska, werden wohl umgesiedelt werden müssen. Doch auch die Menschen, die wie wir in mittleren Breitengraden leben, werden nicht ungeschoren davon kommen. Studien legen den Schluss nahe, dass Kälteeinbrüche wie der Winter 2015 in den USA oder starke Regenfälle im Sommer in Europa und Asien in den letzten Jahren durch das offene Arktismeer verstärkt wurden.

27. September 2017, rund 35.000 Walrosse an der Küste bei Point Lay in Alaska,  Foto von NOAA

27. September 2017, rund 35.000 Walrosse an der Küste bei Point Lay in Alaska, Foto von NOAA

Die schlimmsten Auswirkungen werden allerdings das Ökosystem treffen. Bereits 2007 beobachteten Biologen an der Küste der Tschuktschensee eine große Zahl von Walrossen, die sich an Land wälzten. Normalerweise bleiben Walrosse auf dem Eis und suchen von dort aus nach Futter auf dem Meeresboden. Doch wenn im Spätsommer kein Eis mehr da ist, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als an Land zu gehen. Die Pazifischen Walrosse haben sich angepasst und leben inzwischen vermehrt an Land.

Für die Arten, deren Leben eng mit dem Meereis verbunden ist, wie Eisbären, Walrosse und Robben, werden die Veränderungen durch den Klimawandel sicher zu einer großen Herausforderung. Am ehesten wird das vom Eis abhängige Ökosystem noch an der Nordküste Grönlands und Kanadas erhalten bleiben. Dort prognostizieren die Wissenschaftler könnten etwa 500.000 km² Meereis im Sommer erhalten bleiben. Umso wichtiger ist es, diese Gebiete unter Naturschutz zu stellen. Als eine der letzten Aktionen seiner Amtszeit stellte der ehemalige US-Präsident Barack Obama in Kooperation mit Kanadas Premier Justin Trudeau große Gebiete der Arktis unter Schutz. Unglücklicherweise wird dies den Eisbären nur bedingt helfen, da nach Schätzungen von Professor Andrew Derocher  nicht mehr als 2000 Eisbären in dieser Region leben, weniger als 10% der Gesamtpopulation der Arktis von etwa 25.000 Tieren.

Foto: Valerie Abbott

Foto: Valerie Abbott

Doch es bleibt die Hoffnung, dass es wenigstens gelingen könnte, die Entwicklung umzukehren. Wenn die Staaten sehr strikte Maßnahmen zur CO2-Reduktion durchsetzen würden, könnte schon Ende unseres Jahrhunderts die Eisschicht wieder wachsen, glauben die Wissenschaftler. Es gibt verschiedene Vorschläge, wie es uns gelingen könnte unseren Planeten abzukühlen, das Eis zu erhalten oder zurückzuholen. Die einen wollen zum Beispiel Energiepflanzen wie Mais, Zuckerrohr oder Holz weltweit in stark wachsendem Maß anbauen. Diese entzögen dann der Atmosphäre große Mengen Kohlenstoffdioxid und erzeugten dabei nutzbare Energieträger, die genutzt werden könnten, um Strom oder Biotreibstoffe herzustellen. Das dabei entstehende CO2 soll dann aus dem Abgasstrom abgetrennt und über Bohrungen ins Erdreich gepresst werden. Ein größerer Teil des Kohlenstoffs verschwände in der Tiefe. Die anderen schlagen vor, den Norden mit Hilfe von hell gefärbten, schwimmenden Partikeln, die das Sonnenlicht reflektieren, zu kühlen.

Ich bin da allerdings skeptisch und auch mancher Wissenschaftler hält die Idee vom Zurückholen des Meereises für Wunschdenken. Wenn man sich erinnert, welche Widerstände überwunden werden mussten, um sich auf das in Paris verabschiedete Abkommen zu einigen, von dem noch niemand wirklich absehen kann, ob es überhaupt zu einer Reduzierung der COEmissionen führen wird, dann erscheint es nicht sehr wahrscheinlich, dass die Menschheit in der Lage sein wird, noch wesentlich weitreichendere Maßnahmen umzusetzen. Und dann stellt sich auch noch die Frage, wie die Arktis aussehen würde, wenn das Sommermeereis zurückkommen würde. Andrew Derocher meint: „Irgendein Ökosystem würde sicherlich entstehen, und es würde auch funktionieren. Es würde aber bestimmt nicht so aussehen, wie das heutige.“

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Und deshalb sollten wir – jeder von uns – alles dafür tun, unseren CO₂-Fußabdruck möglichst klein zu halten. Sonst wird es Eisbären eines Tages nur noch im Zoo geben.

n_iqr_timeseries

Quellen – Sources:

http://www.spektrum.de/news/kann-das-eis-in-der-arktis-wieder-zunehmen/1438849

https://nsidc.org/arcticseaicenews/

http://www.spektrum.de/news/das-alte-eis-wird-duenn/1428267

 

http://www.spektrum.de/news/absurdes-wetter-in-der-arktis/1430240

http://www.spektrum.de/news/das-ende-der-arktis-wie-wir-sie-kennen/1433125

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2016EF000356/full

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10712-014-9284-0

http://www.spektrum.de/news/den-klimawandel-zurueckdrehen/1205404

 

 

Eine Antwort zu “International Polar Bear Day: Es ist Zeit zum Handeln!

  1. Mir fällt es echt schwer in Sachen Eisbären und deren Lebensraum in der freien Wildbahn optimistisch zu bleiben.
    Aber wie du schon schreibst: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Danke für diesen informativen Beitrag Ulli!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s